Krise? Trainer-Diskussion? Fan-Boykott? Martin Bruckner hat als Rapid-Präsident gerade einiges zu tun – und bleibt optimistisch

© DIENER / Philipp Schalber/DIENER / Philipp Schalber

Interview
09/26/2021

Rapid-Präsident Bruckner: "Wir waren ein Opfer des eigenen Erfolges"

Martin Bruckner über seine erste sportliche Krise, die Geduld mit Coach Kühbauer, Impfaktionen bei Rapid und einen Stimmungsboykott.

von Alexander Huber

Nach Spielen wie den 120 Cup-Minuten gegen die Admira bleibt Martin Bruckner lange munter. „Ich lasse mir dann alles durch den Kopf gehen, um es zu verarbeiten“, erzählt der 56-jährige Vorstand der Allianz Investmentbank. Eingeschlafen ist Bruckner mit der Meinung, die der Präsident auch vor dem Liga-Schlager gegen Sturm (17 Uhr) betont: „Unser Weg ist weiterhin der richtige.“

Nach 22 Monaten im Amt erlebt er als Rapid-Präsident seine erste sportliche Krise – und nimmt sich Zeit für ein KURIER-Interview.

KURIER: Krisen gehören als Vorstand der Allianz Investmentbank zu Ihrem Geschäftsmodell. Wie betrachten Sie als Rapid-Präsident Ihre erste sportliche Krise? Manche sehen ja in einer Krise auch die Chance.

Martin Bruckner: Als Bankvorstand tauchen Krisen oder Probleme oft auf, während Erfolge nicht so oft bei mir am Schreibtisch liegen. Bei Rapid ist das anders, weil ich als Präsident auch ein Fan bin, der bei Erfolgen nahe dran ist. Eine Krise ist in jedem Fall eine Chance. Nämlich: zu lernen sowie besser und gestärkt herauszugehen.

Können Sie schon kurzfristig etwas nennen, das künftig besser gemacht werden soll?

Wir sind ein Opfer des Systems und eines des eigenen Erfolges gewesen. Durch den zweiten Platz hatten wir sehr viele Spiele mitten in der Sommertransferzeit. Die Mannschaft konnte aber erst Ende August stehen. Das ist systemimmanent. Ich finde wir haben es am Ende toll gemacht mit den vielen U-21-Teamspielern – die müssen sich jetzt noch finden.

Das Rapid-Motto lautet „Gemeinsam – kämpfen – siegen“. Das Spielerische fehlt, ist aber sehr wichtig. Welche Erklärung bekommen Sie dafür, dass das Spielerische nicht so gut funktioniert?

„Gemeinsam – kämpfen – siegen“ ist unser Erbe, Gebot und wofür wir stehen. Wir wollen über unbedingten Einsatz und Willen ins Spiel kommen. Natürlich soll auch das spielerische Element nicht zu kurz kommen. Das hängt auch vom Gegner ab. Wir sind nicht dort, wo wir stehen wollen. Aber wir haben mit der Europa League ein großes Ziel erreicht. Ich sehe es als Ergebniskrise in der Liga.

Trotzdem: Sie haben viel Kontakt mit der sportlichen Leitung. Können Sie verraten, was als Begründung für die anhaltenden Offensivprobleme besprochen wird?

Die Mannschaft hatte wenig Zeit, mit den Neuen für die Offensive Routinen einzuüben, weil es stark um Regeneration gegangen ist. Das wird sich mit der Zeit verbessern, weil sich die Spieler besser aufeinander einstellen.

Sie haben darauf gedrängt, Zoran Barisic zurückzuholen und im Präsidentschaftswahlkampf betont, dass er der Architekt der Rapid-Zukunft sein wird. Tauschen Sie sich in einer heiklen Phase noch intensiver aus?

Barisic und Peschek leiten als unsere Geschäftsführung den Tagesbetrieb des Vereins, da bin ich in sehr gutem, permanenten Austausch. Dazu haben wir mit Gerry Willfurth einen Ex-Profi im Präsidium, mit dem wir auch in größerer Runde diskutieren und Entscheidungen besprechen.

Ihr Vorgänger Michael Krammer hat betont, dass es sein größter Fehler war, Zoran Barisic zu verabschieden. Haben Sie Angst, dass Sie folgenschwere Entscheidungen treffen könnten, die Rapid als Verein zurückwerfen?

Ich bin in einer Position, in der das die Norm ist: Ich bin es gewohnt, Entscheidungen zu treffen. Je besser sie überlegt und mit Vertrauensleuten besprochen ist, umso wahrscheinlicher wird, dass sie auch richtig ist. Wir haben eine gute Kultur, wie wir Entscheidungen herbeiführen.

Didi Kühbauer hat gesagt, dass ihm Rapid so wichtig ist, dass er dem Verein ein mögliches Scheitern selbst mitteilen würde. Darf man das von einem Trainer erwarten?

Das zeigt menschliche Größe. Ich habe das in meinem beruflichen Umfeld schon mal erlebt: Wenn es so weit kommen sollte, muss auch eine sehr reife Persönlichkeit dahinter stehen.

Zoran Barisic hat für jede Position eine Liste mit Alternativen, die im Winter, nächsten Sommer oder ein paar Jahren Rapid helfen könnten. Muss er als Sportdirektor so eine Liste auch für den Trainerposten führen?

Es ist wichtig, auf alle Eventualitäten immer vorbereitet zu sein, im Wirtschaftsbereich und Sport. Es kann ja sein, dass jemand plötzlich gehen will oder ein Krankheitsfall auftritt. Ich sehe das als umsichtige Unternehmensführung. So eine Liste nicht zu haben, wäre fahrlässig.

Es gibt die von Rudolf Edlinger aufgestellte Regel, die besagt, dass ein Rapid-Präsident 20 Stunden pro Woche für den Verein ehrenamtlich aufbringen können muss. Krammer hat das nicht geglaubt, aber später zugestimmt. Wie ist das bei Ihnen?

Das ist eine gute Regel. Es stimmt wirklich (lacht). Diese 20 Stunden braucht man als Rapid-Präsident schon.

Ab Oktober gilt nur für Wiener Stadien die 2-G-Regel. Die organisierte Fanszene ist sauer. Rechnen Sie mit einem Stimmungsboykott?

Grundsätzlich gilt: Wir halten uns an alle Regeln, kontrollieren penibel – das bestätigen uns alle. Dazu kommt, dass wir als SK Rapid ein sehr großer Verein sind, der viele Strömungen der Bevölkerung abbildet. Wir sind im Austausch mit den Fans und warten noch auf den genauen Text der Verordnung. Wenn es zu einem Boykott kommt, würde ich das sehr bedauern, weil die Unterstützung immer wertvoll ist. Aber wir akzeptieren jede Form der Entscheidung, von der Politik wie von der Fanszene.

Der Stadt Wien wurde angeboten, den Impfbus vor dem Stadion zu parken, nicht aber an Spieltagen. Wird es eine Impfaktion geben?

Jeder, der schon bei einem Heimspiel war, weiß, wie es da zugeht, wenn 15.000 bis 20.000 Menschen zum Stadion strömen. Am Spieltag ist eine Impfaktion direkt beim Stadion logistisch sehr schwer zu bewältigen. Dennoch wollen wir jede Aktion der Stadt mit Impfbussen in Hütteldorf unterstützen.

Noch ein Blick in die Zukunft: Barcelona dürfte die Kaufoption für Yusuf Demir um zehn Millionen ziehen. Angesichts der vielen auslaufenden Verträge: Wird es kommenden Sommer genug Geld geben, um eine neue, starke Mannschaft zusammenzustellen?

Unbedingt! Die Gespräche dafür laufen auch schon, daran wird emsig gearbeitet und wir haben da ein ganz klares Bild – auch das gehört zur erwähnten umsichtigen Unternehmensführung. Ganz klar: Wir werden auch nächstes Jahr einen wettbewerbsfähigen Kader stellen.

Die handelnden Personen werden noch im Amt sein?

Ich bin immer ein großer Befürworter von Zoki Barisic gewesen und wir haben seinen Vertrag verlängert. Und wir haben Didi Kühbauer als Trainer einen neuen Zweijahresvertrag gegeben – das ist schon auch eine Absichtserklärung gewesen.

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