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22.10.2018

Rapid: Der historische Tiefpunkt ist mittlerweile erreicht

Das 0:3 in Hartberg offenbarte die unveränderten Probleme beim Rekordmeister.

Der erste Durchgang der neuen Zwölferliga ist vorbei, und Rapid hat einen historischen Tiefpunkt erreicht: nur Platz neun, nur zehn geschossene Tore, nur zwölf Punkte. Das gab’s noch nie.

Mit diesem Punkteschnitt sollte gerade noch der Klassenerhalt erreicht werden, aber die Top sechs sind in der Verfassung vom 0:3-Debakel in Hartberg viel weiter weg, als es die Tabelle aktuell aussagt. Didi Kühbauers erstes Auswärtsspiel in der Liga als Rapid-Trainer war nach dem als Befreiungsschlag empfundenen 1:0 gegen Mattersburg und der Länderspielpause mit großen Erwartungen verbunden. Geworden ist es ein Auftritt der Mannschaft, der im Negativen alles in den Schatten stellte, was zuvor in der Ära von Goran Djuricin geboten worden war. Am ehesten war die Leistung gegen den – auch das muss erwähnt werden – wirklich guten Aufsteiger mit jener vom 0:0 gegen den WAC in Runde drei zu vergleichen.

Damals ging es mit den „Gogo raus“-Rufen los, der angefeindete Trainer „genierte“ sich „für die Leistung“ – aber immerhin hatten die Hütteldorfer damals im August die Null festgehalten.

Befriedete Fans

Was beim Volksfest in der Oststeiermark mit einem im Amt befindlichen Goran Djuricin losgewesen wäre, wollten die Rapid-Verantwortlichen lieber nicht beantworten. So sangen die mitgereisten Fans 90 Minuten ohne Aggressionen ihre Lieder. Die organisierte Fanszene ist mit der auf die Trainerbank geholten Rapid-Legende Kühbauer vorerst befriedet.

Nach dem Schlusspfiff wurde deutlich, wie groß der Schock bei den Rapidlern war. Selbst Mario Sonnleitner, der in Hütteldorf schon ganz schlimme Tage erlebt hatte, wollte offiziell nicht Stellung nehmen. Was Kapitän Stefan Schwab und Teamtormann Richard Strebinger sagten, alarmierte wiederum Kühbauer. „Wir spielen ohne Begeisterung, es gibt auf dem Feld zu wenig Miteinander. Hinten fehlerhaft, vorne ohne Überzeugung. Wir müssen viel geschlossener auftreten. Jeder Spieler, wir alle, müssen uns an der Nase nehmen“, erklärte Schwab.

Verspielte Spieler

„Man hat sich nach dem Sieg in der Länderspielpause mit dem neuen Trainer sicherer gefühlt, und die Spieler wollten alles spielerisch lösen. Aber das geht nicht. Es braucht diese Änderung im Kopf“, kritisierte Sportdirektor Fredy Bickel auf Sky.

„Manche glauben das, aber ich habe keinen Zauberstab mit. Es wartet richtig viel Arbeit, aber ich habe nicht die Zeit, um das alles zu trainieren und zu ändern“, erkannte Kühbauer. Schwab betonte auch noch einmal, dass der Trainerwechsel allein keine Probleme löst: „In der Mannschaft war nie Gogo das Thema. Es geht um uns selbst. Wir sind nicht so gut, wie manche glauben.“

Der Kapitän fühlte sich gar an ganz dunke Zeiten erinnert: „Es hat mit Didi Kühbauer im Training schon wieder besser ausgesehen – und dann so ein Rückfall. Wie vor zwei Jahren.“ Nun muss unter großem Zeitdruck an der Behebung der vielen Defizite gearbeitet werden.

Am Donnerstag wartet die Europa-League-Partie bei Villarreal, dem spielerisch vermutlich besten Gruppengegner. Am Sonntag kommt die Admira nach Hütteldorf.

Auch wenn das in einer Europacup-Woche komisch klingen mag: Das für die Zukunft des Vereins bedeutsamere Spiel ist jenes gegen die Südstädter.

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