Nach dem Derby-Eklat: Vom Fan-Machtkampf bei Rapid bis zu Konsequenzen
Letztes Mal: Rapid-Fans im Austria-Stadion
Die Rückkehr der Auswärtsfans nach 511 Tagen beim 348. Wiener Derby wurde zum Fiasko. Rapid-„Fans“ verursachten beim 0:2 gegen die Austria im Finish beinahe einen Spielabbruch und gefährdeten andere Besucher.
Nicht nur Fußball-Fans haben viele Fragen, der KURIER liefert nach dem neuerlichen Eklat Einblicke und Antworten.
Die Rapid-Fans sorgten beim Derby für einen Eklat
Was ist passiert?
Ohne konkreten Auslöser, wie nach einem Countdown, flogen aus dem Rapid-Sektor ab der 89. Minute für mehrere Minuten Leuchtraketen aufs Feld und auch auf die gegenüberliegende Tribüne. Dazu wurden Böller gezündet.
Schiedsrichter Hameter musste unterbrechen, danach schritt die Polizei ein. Im Anschluss wurden die verbleibenden Spielminuten absolviert.
Wie reagiert Rapid?
Als erste Maßnahme wurde beschlossen, künftig darauf zu verzichten, die 1.600 Karten für Rapidler im Austria-Sektor zu beantragen.
Der Auswärtssektor wird beim Derby aus Sicherheitsgründen bewusst freigelassen.
Eklat beim Derby durch Rapid-"Fans"
Wie geht es weiter?
Der Senat 1 gibt Rapid nach der Anzeige eine Woche Zeit für eine Stellungnahme. Frühestens am Montag (23. Februar) wird es ein Urteil geben.
Rapid könnte danach in Berufung gehen.
Ist es fix, dass die Bewährungsstrafe schlagend wird?
Nein, aber sehr wahrscheinlich, weil die Vergehen eindeutig vom Rapid-Sektor ausgegangen sind. Konkret muss Rapid nach einem Schuldspruch bei drei Top-Heimspielen (gegen Austria, Salzburg, Sturm oder LASK) den gesamten Fanbereich (Block West plus Nebenbereiche) sowie den gegenüberliegenden Sektor sperren – damit dort kein „alternativer Fansektor“ eingerichtet werden kann.
Diese Strafe gab es bereits 2025 gegen Salzburg – das 0:2 vor nur 11.000 Fans war der Auftakt zur Meistergruppe.
Welche Strafe droht zusätzlich für den Derby-Eklat?
Eine Geldstrafe von maximal 150.000 Euro. Dazu kann es eine Teil-Sperre des Stadions geben, oder eine Sperre des Fansektors bei Auswärtsspielen.
Punkteabzüge stehen als Option in der ÖFB-Rechtspflegeordnung, die Vereine haben aber beschlossen, Liga-Geisterspiele als schärfste Konsequenz einzusetzen.
Der Austria droht eine geringe finanzielle Buße, wegen unerlaubter Pyro.
Wie gelangt so viel Pyrotechnik in die Fansektoren?
Experten sagen, dass nahezu alles, was unbedingt ins Stadion soll, auch irgendwie reingebracht wird. Selbst Leibesvisitationen wären kein Allheilmittel: Leuchtstifte oder Böller sind so klein, dass sie auch in Unterhosen – etwa durch weibliche Fans – in den Sektor geschmuggelt werden.
Die Wiener Polizei sieht das strenger und verweist auf „die Verantwortlichen dieser Veranstaltung“.
Rapid-Fans sorgten für Ausschreitungen
Welche Alternativen gäbe es beim Fan-Einlass?
Detektoren wie an Flughäfen – was aber Zusatzkosten brächte. Der Einlass könnte bei verschärften Kontrollen zeitlich früher angesetzt werden. Dann bräuchte es Exekutivbeamte, die für die Sicherheit des Ordnerdienstes garantieren, wenn (teilweise gewaltbereite) Fans mehrere Stunden in der Kälte warten müssten.
Was ist seit den Massenschlägereien 2024 passiert?
In den 15 Monaten mit vier Derbys ohne Auswärtsfans haben Rapid, Austria und Bundesliga viele, viele Stunden investiert, um gemeinsam neue Lösungen zu finden. Alle Beteiligten stimmten überein, dass echte Verbesserungen das gemeinsame Ziel waren. Einige Neuerungen haben gefruchtet, wie die verstärkten Fangnetze und Zäune, die in beiden Stadien installiert wurden.
Am Ende war die viele Arbeit aber de facto umsonst.
Spielt der Machtkampf im Block West eine Rolle?
Ja, seit einiger Zeit fordern die kooperierenden Fanklubs „Lords“ und „Lions“ die „Ultras“ und ihre bereits über Jahrzehnte anhaltende Führungsrolle im Block heraus. „Lords“ und „Lions“ gelten als „erlebnisorientiert“ und sind am ehesten darauf aus, bewusst rote Linien zu überschreiten.
Im Spätherbst machten „Lords“ und „Lions“ gegen Steffen Hofmann Stimmung. Dem Geschäftsführer wurde der Misserfolg der Profis vorgeworfen (für diesen Bereich trägt eigentlich Sportchef Markus Katzer die Verantwortung).
In Erinnerung ist eine Kampagne der „Lions“ gegen Co-Trainer Thomas Hickersberger wegen schlechter Standardsituationen (!).
Mit Hickersberger wurde Rapid in zehn Jahren sechs Mal Vizemeister, nach seinem Abgang 2023 gab es keine Top-3-Platzierung mehr.
Wie bilanziert die Polizei nach 117 Anzeigen?
Die Polizei wird aktiv, wenn die Veranstalter die Situation im Stadion nicht mehr im Griff haben. Dabei werde erst auf Dialog, dann auf Deeskalation, zum Schluss auf Durchsetzung gesetzt. Über Maßnahmen entscheide der Kommandant vor Ort.
Eine Person wurde durch einen Böller verletzt, eine Polizistin (abseits des Stadions) durch Pyrotechnik.
21 strafrechtliche und 96 verwaltungsrechtliche Anzeigen wurden ausgestellt.
Was passiert beim nächsten Derby in Hütteldorf?
Sofern nicht drei andere Top-Heimspiele davor zugelost werden, droht die – selbst verschuldete – ultimative Demütigung für Rapid-Fans: Ohne eigenen Fansektor könnten die Rapidler von den rund 2.000 Austrianern aus dem Allianz Stadion gesungen werden.
Nachdem es am Sonntag keine Ausschreitungen durch Austria-Fans gab, wird der Erzrivale nicht darauf verzichten, eigene Fans in Hütteldorf in den Auswärtssektor zu lassen.
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