Hoff Thorup: "Rapid sollte meine Macht beschneiden"
Rapid-Trainer Hoff Thorup
Alexander Wrabetz ist nach einer kurzen Nacht bereits im Trainingszentrum. Der Rapid-Präsident wollte trotz Opernball die Vorbereitungen auf das 348. Wiener Derby am Sonntag aus der Nähe beobachten und tauscht sich mit dem Trainer aus.
Rapid-Trainer Hoff Thorup bei der Arbeit
Vor sechs Wochen haben sich die immer noch in der Krise steckenden Hütteldorfer mit Johannes Hoff Thorup bewusst für einen Chefcoach entschieden, der nicht nur den Profikader im Blick hat. Das wird auch beim KURIER-Lokalaugenschein, zu dem der Däne vor seiner Derby-Premiere eingeladen hat, deutlich.
Einzige Bedingung des 36-Jährigen: Kein Wort über die trainierten taktischen Details.
Mischung aus zwei Ex-Trainern
Nach der Einheit gibt es von Hoff Thorup 40 Minuten lang Klartext. Der Neue erinnert an eine Englisch sprechende Mischung der Ex-Trainer Barisic und Klauß.
Mit Barisic verbindet Hoff Thorup das Herz für den Nachwuchs („Warum sollte in fünf Jahren nicht jeder dritte Kaderspieler aus der Akademie kommen? Wir haben eine gute“) und das Faible für Ballbesitzfußball: „Ein Verein wie Rapid muss den Fans viel bieten. Auf Dauer geht das mit einem destruktiven Ansatz nicht.“
Johannes Hoff Thorup beim Rapid-Training
„Hatte Norwich nicht“
Mit Klauß hat Hoff Thorup das strukturierte Arbeiten gemein (Issiaka Ouedraogo ist als zusätzlicher Assistent am Rasen), sowie den großen Optimismus: „Ich sehe viel Qualität. Innenverteidiger mit so einem Spielaufbau hatte ich bei Norwich nicht.“
Obwohl der Ex-Klub in der hochgerüsteten zweiten englischen Liga einen wesentlich teureren Kader hat.
Geprägt wurde Hoff Thorup bei Nordsjaelland, wo der Familienvater vom Nachwuchscoach zum Cheftrainer aufstieg.
Den heutigen Leipzig-Stürmer Conrad Harder ließ Hoff Thorup in zwei Nachwuchsteams, sowie bei den Profis debütieren – dann ging es schnell um 20 Millionen nach Lissabon: „Talente müssen – wenn sie die Qualität haben – so schnell wie möglich nach oben. Es geht um die Entwicklung, nicht um Ergebnisse im Nachwuchs.“
Zu viel Hin und Her
Der ganzheitliche Blick von Hoff Thorup führt zu einer unerwarteten Ansage im KURIER-Gespräch: „Rapid sollte meine Macht beschneiden.“
Was er damit meint? „Vereine, die langfristig erfolgreich sind, übernehmen für viele Bereiche die Verantwortung und geben dem Chefcoach viel vor. Sie lassen beim Trainerwechsel keine grundsätzlichen Änderungen zu.“
Rapid-Trainer Hoff Thorup
Der Däne hat nach 50 Tagen den Eindruck, dass das stetige Hin und Her in Hütteldorf der Hauptgrund sei für mittlerweile fünf Jahre abseits der Top-3.
Als Beispiel führt er die Verletzungsmisere an, auch wenn aktuell „nur“ Tilio Muskelprobleme hat: „Ich lasse anders trainieren als mein Vorgänger, davor waren die Belastungen wieder anders. Viele Änderungen erhöhen das Risiko.“
„Unabhängig von mir“
Hoff Thorup ermutigt deshalb den Verein, also in erster Linie Sportchef Markus Katzer, dazu, gemeinsam Leitlinien zu definieren, die lange Bestand haben. Konkret: „Von der Spielphilosophie über den Weg der Talente zu den Profis, den gemeinsamen Anwesenheitszeiten im Trainingszentrum, bis hin zum Umgang mit Verletzten – das alles sollte Rapid vorgeben, unabhängig vom Namen des Trainers.“
Als aktuelles Detail erzählt Hoff Thorup, dass einige Spieler überrascht wären, wie sehr ihm (abseits vom üblichen Team-Frühstück ab 8 Uhr) die gemeinsame Zeit wichtig wäre: „So denke ich über professionellen Fußball, der Verein unterstützt das.“
Sein Ausblick: „Ich möchte, dass es Rapid nach mir besser geht als jetzt. Und dass der Verein danach nicht viel ändern muss.“
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