Austria gegen Rapid: Warum es in Favoriten keinen Favoriten gibt

Die Austria ist im Aufwind und liegt vor Rapid. Für das Sonntagsduell muss das aber nichts bedeuten - wissen Derby-Routiniers wie Trainer-Debütant Hoff Thorup.
Positiv: Die Trainer Helm (l.) und Hoff Thorup

Wer ist denn nun der Favorit in Favoriten vor dem 348. Wiener Derby? Die Austria, weil sie einen guten Start ins Frühjahr hingelegt hat und in der Tabelle vor dem Erzrivalen Rapid liegt?

Trainer Stephan Helm winkt aufgrund der mittlerweile gewonnen Erfahrung ab. „Ein Derby muss man entkoppeln von der jeweiligen Situation. Ich habe schon die unterschiedlichsten Konstellationen erlebt, am Ende begegnen einander die zwei Teams fast immer auf Augenhöhe.“

FUSSBALL / BUNDESLIGA / ADMIRAL BUNDESLIGA / 11. RUNDE FUSSBALL - BUNDESLIGA: FK AUSTRIA WIEN - WSG TIROL

Rapid-Sportchef Markus Katzer stimmt zu: „Vielleicht stehen die Chancen für die Austria minimal besser, aber das sagt für ein Derby genau gar nichts aus.“

Geschäftsführer Steffen Hofmann erinnert sich: „Ich bin als Favorit und als Underdog zur Austria gefahren – ausgegangen ist es meist genau umgekehrt.“

Eine Wiederholung der feurigen Helm-Ansprache von Salzburg wird es nicht geben: „Die ist nicht nötig, ein Derby ist Motivation genug.“ 

Johannes Hoff Thorup legt sich die Latte für seine erste Derby-Ansprache bewusst hoch: „Ich bereite eine zum Pushen und eine zum Beruhigen vor. So wie die guten Trainer möchte ich dann exakt fühlen, was die Spieler von Anpfiff mehr benötigen.“

Routinier zum Anlehnen

Bei Austria-Routinier Aleksandar Dragovic beginnen die Augen ohnehin zu leuchten, wenn er aufs Derby angesprochen wird: „Ein Derby spielt man nicht, das gewinnt man. Oder man sollte es gewinnen.“ Die jungen Spieler an seiner Seite dürfen sich durchaus an seine Schultern anlehnen, sie sollten auch an seinen Lippen hängen, wenn er Anweisungen gibt. „Für sie dürfen wir das Derby auch nicht zu groß machen. Sie sollen lernen, dürfen auch Fehler machen.“

Fußballspieler im lila Trikot während eines Spiels der Admiral Bundesliga.

Rapid sieht der 34-Jährige als „angeschlagenen Boxer – die sind besonders gefährlich.“ Hoff Thorup lächelt: „Ich weiß genau, was er meint. Aber sind wir wirklich angeschlagen, wenn ich an die zweite Hälfte gegen Hartberg denke?“

Der Däne hofft, dass die Steigerungen im Match und im täglichen Training nach elf sieglosen Pflichtspielen endlich in einen Erfolg münden. „Das würde das Momentum auch komplett verändern“, sagt Katzer mit Blick auf das enge Rennen für die Meistergruppe.

Die Austria hat in Salzburg Selbstvertrauen getankt, mit Wiesinger kommt eine Alternative für die Defensive zurück.

In der Offensive, so Helm, verfüge man über einige Spieler, „die auch Qualitäten als Allrounder besitzen“. So möchte man das Fehlen eines klassischen Mittelstürmers als Zielspieler kompensieren. Hoff Thorup ist Eggestein aufgefallen: „Er achtet sehr gut darauf, wie er nach Ballgewinnen positioniert ist.“

AUT, Unterwegs in Oberösterreich, SV Oberbank Ried - SK Rapid, Österreichischer Fußball-Bund, UNIQA ÖFB Cup, Viertelfinale

Vom 4-3-3 zur Dreierkette 

Das 4-3-3-System von Rapid, meint Dragovic, könne der Austria sogar entgegenkommen. Wobei Helm differenziert: „Hoff Thorup denkt aus einem 4-3-3 heraus, kann aber jederzeit diese Formation verändern.“ Etwa mit einer Dreierkette im Ballbesitz und Bolla als aufgerückten Flügelstürmer.

Die Politik nannte dies einst situationselastisch.

Antiste hängt in der Luft

Elastisch ist auch der Rapid-Kader gestaltet: Den wieder fitten Horn und Rückkehrer Yusuf Demir („besser drauf als erwartet“) dürfte Hoff Thorup als Joker einplanen.

Nosa Dahl trainiert wieder voll mit und soll noch im Februar sein Comeback geben.

Dafür musste Katzer bei Leihstürmer Antiste einen Rückschlag hinnehmen. Sassuolo will zwar nicht, dass der Franzose auf der Tribüne sitzt, ist aber noch immer nicht bereit, die Kaufpflicht umzuformulieren. Die Causa wird sich noch hinziehen.

Kommentare