Rapid-Trainer Hoff Thorup im ersten Interview: "Ein 1:0 ist ein wunderschönes Resultat"
Rapid-Trainer Hoff Thorup bei der Arbeit
Chefcoach Johannes Hoff Thorup sprüht vor Energie und Ideen. Zurück in Wien wird von Rapid im zweiten Testspiel am Sonntag gegen Györ geübt.
Davor nahm sich der 36-jährige Däne Zeit für ein ausführliches KURIER-Interview.
KURIER: Welche Verbindung hatten Sie zu Österreich?
Johannes Hoff Thorup: Ich war mit Norwich im Sommercamp am Wilden Kaiser in Tirol, großartig! Als Zehnjähriger war ich in Wien. Und dazwischen sehr oft Skifahren – in Sölden, Ischgl, Maria Alm und Westendorf. Die Lebensqualität in Wien war ein Argument für Rapid, weil ich meine Frau und die beiden Töchter bei mir haben will.
Wie erleben Sie Rapid?
Ich glaube, dass Rapid sehr gut geführt wird. Auch der Kader ist gut. Aber zu viele Spieler haben nicht performt. Ich glaube, mit mehr Klarheit in der Spielidee und Hilfe durch die Trainer kann es viel besser werden.
Welche Eindrücke haben Sie vom Kader gesammelt?
Ich hatte Zweifel, ob nach neun Spielen ohne Sieg das Selbstvertrauen reicht. Ich war überrascht und beeindruckt, dass der Kader von Anfang an mit viel Vertrauen und vollem Fokus dabei war. Wir hatten einen großartigen Start, weil auf hohem Niveau trainiert wird und die Spieler so offen sind für meine Ideen.
Rapid-Trainer Hoff Thorup
Reichen die zwei Wochen bis zum Cupviertelfinale in Ried für die Änderung zu Ihrem Spielstil mit viel Risiko?
Wir wollen nicht zu viel sofort ändern. Es gibt eine Differenz zwischen Test- und Pflichtspielen: Jetzt nehmen wir bewusst mehr Risiko, weil wir wissen wollen, was bereits geht. Natürlich dürfen die Spieler in Ried dann auch einmal den Ball wegschießen.
Warum gibt es jeden Vormittag ein Meeting über 15 Minuten mit Videos?
Um die Spieler darauf zu fokussieren, was wir gleich tun und warum wir das üben.
Es gibt viele neue Inhalte, Sie reden sehr viel. Kann es zur Überforderung kommen?
Vielleicht. Am wichtigsten ist, jeden Spieler genau kennenzulernen: Manche lernen vom Videomeeting am meisten, manche am Rasen, manche brauchen ein Vier-Augen-Gespräch. Da bin ich gerade dabei, das im Detail herauszufinden. Ich mache sicher nicht alles richtig, aber die Fußballersprache ist universell – sie verstehen mich.
Routinier Grgic sagt, „wir waren im Herbst kein eingeschworener Haufen“. Orten Sie Gruppenbildungen?
Es gibt großen Respekt füreinander, keine zu großen Egos. Die unterste, größte Fläche unserer Pyramide ist das Zusammenleben. Es ist großartig, dass wir im Beruf täglich mit anderen Kulturen zusammenarbeiten dürfen, voneinander lernen. Es hat sicher nicht an Charakter gefehlt im Herbst. Vielleicht eher daran, dass vier, fünf Spieler als Führungsfiguren herausragen sollten. Es braucht immer Anführer, die haben nichts mit ihrem Alter zu tun.
Bleibt Matthias Seidl der Kapitän?
Ich kann nicht kommen und einfach ohne Grund den Kapitän austauschen. Das wäre unfair. Ich möchte noch mehr sehen, vielleicht kommen neue Spieler in eine Gruppe der Kapitäne, die mehr zu sagen haben.
Rapid-Trainer Hoff Thorup
Was verstärkt den Teamspirit am meisten?
Erfolg! Deswegen war das 1:0 gegen Ferencvaros so wichtig: Jeder Sieg stärkt den Glauben an unsere Ideen. Siegermentalität ist sehr wichtig für einen Klub wie Rapid.
Sie haben die 32 Spiele analysiert. Wo war der Bruch? Viele Spieler meinen, im Derby.
Ich weiß nicht, was intern passiert ist. Aber was mir aufgefallen ist, war das größere Risiko in den ersten Spielen. Nach den Niederlagen wurde versucht, weniger Risiko zu nehmen, einfacher zu spielen. Und von einigen Spielern war die Leistung nicht mehr gut.
Ein Problem war die Sechserposition. Das wird auch im 4-3-3 eine Schlüsselposition.
Genau. Wir brauchen mindestens einen Spieler im Mittelfeldtrio, der uns wichtige Zweikämpfe gewinnt und Bälle zurückgeholt. Wir haben viele Optionen. Das kann auch Börkeeiet sein, wie etwa gegen Ferencvaros.
Sie schätzen Tobias Gulliksen. Wie wollen Sie dem Rapid-Rekordeinkauf helfen?
Er muss genauer wissen, wo er hin soll und was er dort mit dem Ball tut – dann kann er seine Stärken ausspielen. Und: Er muss die physische Seite in Österreich annehmen. Ich weiß, dass er das könnte, weil ich ihn in Schweden genau beobachtet habe.
Sie denken offensiv. Warum mögen Sie ein 1:0 dennoch lieber als ein 5:4?
Weil wir angreifen wollen, dabei aber auch an die Defensive denken müssen. Wenn du vier Tore kassierst, hast du viel falsch gemacht. Mit Nordsjaelland haben wir offensiv gespielt, aber die Zahl der Gegentore stark reduziert – das ist mir wichtig.
Wer sind Ihre Vorbilder?
Allegri hat mich beeindruckt, wie oft er bei Juventus mit der Defensivarbeit das wunderschöne Resultat von 1:0 schaffte. Mit dem Ball war es Ten Haag mit Ajax, Spalletti mit Napoli, aktuell Fabregas mit Como. Für diese große Fußballwelt wollen wir unsere Spieler ausbilden.
Verfolgen Sie eine idealistische Spielidee?
Vermutlich schon. Aber in fünf Jahren werde ich nicht der von heute sein. Man muss an Trends dranbleiben, sich verändern. Was bleibt: Ich bin immer der Trainer, der den Spielern sagt, dass wir für einen Stil stehen und den Ball haben wollen. Das macht ihnen wie den Fans mehr Spaß, als wenn du hinten nachläufst oder dauernd etwas änderst. Unterhaltung ist wichtig.
Wie schalten Sie ab?
Das ist schwierig, weil ich dauernd an Fußball denke. Selbst wenn Freunde zu Gast sind. Manchmal muss mich beim Dinner meine Frau darauf aufmerksam machen.
Sie hätten jetzt acht Monate als Fan zuschauen können.
Ich würde gerne mit Bier und Würstel im Stadion stehen und einfach zuschauen, aber das schaffe ich nicht mehr. 15 Jahre mit zu viel Fußball haben das zerstört.
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