Warum Rapid beim neuen Trainer Hoff Thorup Geduld brauchen wird
Rapid-Trainer Johannes Hoff Thorup
Mit vier neuen Trainern gibt es viel Bewegung in der Bundesliga. Rapid hat sich für Johannes Hoff Thorup entschieden. Der Däne steht für einen vollkommen anderen Ansatz als Peter Stöger, was die Frage aufwirft, ob Rapid als Verein – wie von Markus Katzer betont – wirklich eine klare Spielidee hat.
Der erste Auftritt von Hoff Thorup bei der Pressekonferenz war spannend. Anders als bei vielen Trainerbestellungen verwendete er weniger Floskeln und lieferte mehr Substanz. Er eiert nicht herum und hat klare Antworten auf die Fragen nach seinen Ideen. Er weiß, wie Topmannschaften in den Ligen agieren müssen: mit vollständiger Kontrolle über das Spiel in allen Phasen.
Idealismus statt Pragmatismus
Rapid steht jedenfalls ein Wandel bevor: Vom pragmatischen Ansatz unter Peter Stöger geht es zu einer klaren, idealistischen Spielidee. In der Pressekonferenz betonte Johannes Hoff Thorup, dass ihm besonders im Ballbesitz Dominanz und Kontrolle im Spiel wichtig sind.
Wie sich das schon bald bemerkbar machen wird? Während Stöger im Spielaufbau oft auf lange Bälle vom Torwart setzte und dabei im eigenen Drittel wenig Risiko einging, erwarte ich, dass Rapid unter Hoff Thorup auch unter Druck des Gegners versuchen wird, im Spielaufbau Lösungen zu finden. Er ist offenbar eine risikofreudige Persönlichkeit und sieht als solche bei diesem Ansatz mehr Chancen, als Gefahren – das gefällt mir. Fakt ist aber auch: Das funktioniert im Fußball nicht von heute auf morgen. Es wird bei diesem Spielaufbau auch Fehler, Ballverluste und daraus resultierende Gegentore geben. Es ist Hoff Thorup zu wünschen, dass Verein und Fans die nötige Geduld dafür aufbringen.
Die Spieler werden ihm anfänglich auf jeden Fall folgen. Aber auch hier bleibt es ein Balanceakt, denn in erster Linie verlangen Spieler nach Lösungen, um Spiele zu gewinnen. Es braucht also Erfolgserlebnisse.
Die erste ernsthafte Prüfung steht Ende Jänner im Cup-Spiel gegen die SV Ried an, die den Spielaufbau von Rapid mit aggressivem Pressing unter Druck setzen wird.
Eine Woche später folgt das Ligaspiel gegen Hartberg, in dem es um den Kampf um die Top-6. Dieses Duell wird ganz anders, denn Rapid muss gegen einen tief stehenden Block und eine Fünferkette Chancen herausspielen und gleichzeitig die Konter des Gegners abwehren.
Reflektiert statt reserviert
Risikofreudig ist Hoff Thorup nicht nur in Sachen Spielidee, sondern auch bei seiner Kommunikation. Wie er bei der Pressekonferenz betont hat, ist es sein Ziel, die meisten Chancen und Tore in der Liga zu erzielen. Ein Vorhaben, das er bei seinem vorherigen Verein, Norwich City, mit der zweithöchsten Anzahl an Toren, fast erreicht hat. Durch diese klare und ambitionierte Zielformulierung legt er selbst die Latte hoch und hat kein Problem damit, daran gemessen zu werden. Viele Trainer verhalten sich diesbezüglich gerade bei ihrem Erstauftritt viel reservierter.
Dominik Thalhammer, ehemaliger Frauen-Teamchef und Leiter der ÖFB-Trainerausbildung, analysiert für den KURIER aktuelle Fußballthemen.
Was die Defensivarbeit und die vielen Gegentore bei seiner letzten Station in Norwich betrifft, hat Johannes Hoff Thorup zugegeben, dass er dies „mit viel Risiko im Spiel nach vorne nicht so gut hingekriegt“ habe. Auch öffentliche Eingeständnisse wie diese vernimmt man unter Trainern selten. Dabei zeugt gerade diese Aussage von einem gesunden Maß an Selbstreflexion.
Fakt ist: Das Profil von Johannes Hoff Thorup sticht unter den vier neuen Bundesliga-Trainern hervor und verspricht frische Impulse und spannende Wochen.
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