Rapid-Neustart: Bei den Baustellen muss Trainer Hoff Thorup improvisieren

Chefcoach Hoff Thorup (l.) und Assistent Arac beim ersten Rapid-Training
Trainer Johannes Hoff Thorup hat klare Ziele, aber auch mit Ausfällen im Rapid-Kader zu kämpfen. Der Däne kommuniziert viel und denkt ungewöhnliche Lösungen an.

Bei minus drei Grad konnten zwei Rapidler bei der ersten Einheit des Jahres herausstechen. Nein, Matthias Seidl und Furkan Demir waren nicht so viel besser als sonst, aber die kurzen Hosen der beiden Dauerläufer fielen in der Riege der sonst vermummten und gut eingepackten Kicker im Prater doch auf.

Johannes Hoff Thorup verstärkte sich nach dem Aufwärmen lieber mit einer Haube. Der Däne hatte bei seiner offiziellen Präsentation im geheizten Stadion angekündigt, dass er den Spielern „von Tag eins an Antworten für alle Fragen auf dem Feld“ liefern will, und kommunizierte dementsprechend intensiv.

Lob verteilte der 36-Jährige auf Englisch ebenso wie Tadel. „Are you tired?“, fragte Hoff Thorup laut, als einige Rapidler zu zögerlich mit einer Übung begannen.

Die vielen flachen Pässe aus einer Viererkette heraus wird es bei Rapid ab sofort immer geben, bei der Zusammensetzung einer Stammelf muss der Neue aber improvisieren.

Vor allem die linke Seite ist eine Baustelle.

Linksverteidiger Horn wird nach einer Knie-Arthroskopie erst Ende des Monats fit, Flügelstürmer Dahl nach seiner gegen Nikosia erlittenen Muskelverletzung vielleicht knapp früher.

Außerdem ist noch nicht klar, ob der Leihvertrag von Stürmer Antiste abgeändert oder beendet werden kann.

Nur Leihlösung möglich

Freies Kapital, um ohne Abgänge einzukaufen, ist nach der sehr teuren letzten Transferwoche im Sommer laut KURIER-Informationen nicht (mehr) da.

Lösungen per Leihe könnte es im Laufe des Jänners geben, Abgänge von Kaderspielern mit bislang wenigen Einsätzen ebenso.

Hoff Thorup wurde frühzeitig informiert und ist offen für ungewöhnliche Lösungen. So soll der ausgebildete Innenverteidiger Ahoussou als Linksverteidiger vorspielen.

PK SK RAPID PRÄSENTATION DES NEUEN CHEFTRAINERS JOHANNES HOFF THORUP

Noch ein Co

Einen Zugang wird es noch vor dem Abflug ins Trainingslager in Spanien am Samstag geben: Ein weiterer Co-Trainer unterschreibt demnächst. Es ist nicht der frühere Chelsea-Star Michael Essien – der Ex-Assistent von Hoff Thorup ist bei Nordsjaelland gebunden.

Neu kommen soll bald auch noch eine Fachkraft, die Spielern aus anderen Kulturkreisen das Ankommen in Wien erleichtern wird.

Bereits mitgekommen ist hingegen der 40-jährige Däne Alan Arac.

Aufsteiger Pavlovic 

Aufgestiegen von einer Interimslösung im Spätherbst ist Luka Pavlovic: Der 34-jährige Serbe denkt so wie der Däne an ein offensives 4-3-3 mit viel Ballbesitz, Dominanz und starkem Positionsspiel.

Kurios: Videoanalyst Daniel Schmitt kehrt nach dem Rauswurf unter Ex-Coach Stöger zurück, um wieder gemeinsam mit Linus Braun zu analysieren.

Torwarttrainer bleibt Jürgen Macho, der bei seinem „Zweitjob“ als Coach für Defensivstandards und der Verhinderung von Gegentoren aus ruhenden Bällen überzeugte.

PK SK RAPID PRÄSENTATION DES NEUEN CHEFTRAINERS JOHANNES HOFF THORUP

Abschied von Kulovits

Neben Daniel Seper muss auch Stefan Kulovits gehen, der seinen Traum vom Cheftrainer bei einem kleineren Verein starten soll. Sportchef Markus Katzer sagt: „Kulo ist zuletzt nicht gut weggekommen, aber er ist hochloyal. Er will jetzt auch nicht mehr dabei sein, um das neue Team mit neuer Energie starten zu lassen.“

Zum Aus von Peter Stöger meint Katzer: „Es ist nicht nur um die Ergebnisse gegangen. Der Fußball hatte am Ende nichts mehr zu tun mit unserer Spielidee, und was wir vorhatten. Das Ziel muss sein, länger mit den Trainern zusammenzuarbeiten.“

Katzer versucht auch, Druck wegzunehmen: „Wenn mit Hoff Thorup die Ergebnisse am Anfang nicht gleich so passen, werden wir nicht nervös werden.“

Große Erwartungen 

Hoff Thorup weiß allerdings, dass es mit dem Cupviertelfinale in Ried und dem Heimspiel gegen Hartberg gleich um alles geht: „Ein großer Klub in einer großen Stadt hat auch große Erwartungen. Ohne große Erwartungen wäre ich nicht hier. Druck gehört dazu. Aber die Spieler sollen frei davon spielen.“

Den Modus mit der Top-6-Teilung kennt Hoff Thorup aus Dänemark in ähnlicher Form und nennt ihn „strange“, also eigenartig.

Aber die Meistergruppe wäre logischerweise auch von Tabellenplatz sieben weg das klare, große Ziel.

Hoff Thorup als Rapid-Trainer

Präsentiert: Hoff Thorup als Rapid-Trainer 

Perfektes Englisch

Erstmals in Hütteldorf wurde vom Trainer nicht deutsch gesprochen. In perfektem Englisch erklärte Hoff Thorup: „Mein Weg ist sehr strukturiert. Wir wollen immer viele Chancen erarbeiten, und das nicht durch Zufall.“

Immer wieder erwähnte der neue Cheftrainer, dass er zwar offensiv denkt, aber auch die Defensive dazugehört: „Das habe ich bei Norwich mit viel Risiko im Spiel nach vorne nicht so gut hingekriegt.“

Ob er vor der Bundesliga als Falle für offensiven Fußball gegen meist reaktive Teams gewarnt worden sei? „Ich weiß, dass die Mehrheit mit Fünferketten lauert. Aber wenn man diese Ketten in Bewegung setzt und knacken kann, hat man einen großen Vorteil.“

Bestens bekannt sind Hoff Thorup durch früheres Scouting Amane und Gulliksen. Mit Cvetkovic suchte der Neue noch in der Kälte auf dem Rasen Mittwochabend das Gespräch.

Es ist keine Zeit zu verlieren.

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