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Sport Fußball
02/13/2019

Radja Nainggolan gegen Rapid - ein Typ zum Haareraufen

Der Star von Inter Mailand raucht, feiert und spielt am Donnerstag in der Europa League in Wien.

von Peter Karlik

Die Rauchschwaden in den Katakomben des Sportclub-Platzes verzogen sich Gerüchten zur Folge nur langsam. Roma-Star Radja Nainggolan muss sich schon vor dem Duschen die erste Zigarette angezündet haben. Am Donnerstag (18.55 Uhr, Liveticker auf KURIER.at) wird sich der Belgier in Hütteldorf zurückhalten müssen. Viereinhalb Jahre nach dem 4:1 im sommerlichen Testspiel gegen den Regionalligisten kehrt der Belgier mit Inter Mailand zum ersten Spiel des Sechzehntelfinales in der Europa League nach Wien zurück.

Eines hat sich seit 2014 nicht geändert: Der Mittelfeld-Spieler mit dem Spitznamen „Ninja“ ist immer noch eine der buntesten Figuren im internationalen Fußball. Das liegt nicht nur an seinen Tattoos, die ihm bis ans Kinn reichen. Seinen Rücken zieren Flügel mit Geburts- und Sterbedatum der Mutter. „Sie hatte nichts, aber sie hat mir alles gegeben. Sie hat mich gelehrt, für meine Träume zu kämpfen“, sagt Nainggolan. Sein indonesischer Vater hatte die Familie in Antwerpen verlassen als Radja und seine Zwillingsschwester Riana noch Kinder waren.

Die bessere Hälfte

Riana ist auch Fußballerin. Bis 2016 spielte sie für Roma, jetzt für das Futsal-Team San Giorgio. Ihretwegen trug Radja 2014 Schuhbänder in Regenbogenfarben – ein Zeichen gegen Homophobie. „Sie ist mit einer Frau zusammen. Für mich ist wichtig, dass du dich gut fühlst und lebst, wie du willst.“

Dieses Motto wird für den zweifachen Vater oft zum Problem. Abseits des Stadions will er oft Dinge, die sich nicht mit dem Leben eines Profi-Sportlers vereinbaren lassen. Als er 2018 für 38 Millionen Euro von Roma zu Inter wechselte, aber in den ersten Wochen verletzt war, besuchte er eine Diskothek nahe Bergamo. Natürlich wurde der 30-Jährige erkannt, Fotos und Videos verbreiteten sich. Als ihm ein Inter-Fan zu später Stunde riet, nachhause zu gehen, streckte ihm Nainggolan den Mittelfinger entgegen.

Das war kein guter Auftakt bei seinem neuen Klub, bei dem er bis heute nicht wirklich angekommen ist. Das hörte man auch auf einer Audio-Aufnahme, die nach Weihnachten abgefangen und veröffentlich wurde. „Mamma mia, ich bin in einem Schlachthof hier... Da Totti mein Freund ist, kann er mir vielleicht helfen, zu Roma zurückzukehren...“, sagte er.

Wenige Tage danach wurde er von Luciano Spaletti aus dem Kader gestrichen. Der Italiener war schon sein Coach bei der AS Roma und machte dort aus einem guten Kicker einen Weltklasse-Spieler. Spaletti zog Nainggolan ins zentrale Mittelfeld vor. Dort wurde Nainggolan zu einem Allrounder, der mit seinen Tacklings Bälle erobert, Pässe gibt und Tore schießt.

Die Einstellung

Angesprochen auf Beleidigungen durch Fans sagte er über seinen Teamgeist: „Die Mannschaft ist wie meine Familie. Wenn jemand meinen Teamkollegen beleidigt, werde ich ihn verteidigen. Ich gehe für meine Kollegen in den Krieg, egal ob wir siegen oder verlieren.“

Trotz der Erfolge fiel Nainggolan auch bei Roma durch Disziplinlosigkeiten auf. In der Silvesternacht 2017/’18 postete er ein Video, auf dem er rauchend und betrunken zu sehen ist. Daraufhin wurde er für ein Spiel aus dem Kader gestrichen und soll 100.000 Euro Geldstrafe bekommen haben. „Spieler, die keine Siegermentalität haben, können nicht in Rom bleiben“, polterte Sportdirektor Monchi.

Sein Lebenswandel war wohl auch der Grund für das Ende seiner Karriere im belgischen Team. Der sehr auf Disziplin achtende Teamchef Roberto Martinez nominierte Nainggolan nicht für die WM 2018, worauf dieser seine Team-Karriere beendete.

Mit einer starken Leistung gegen Rapid könnte Nainggolan seine Stellung bei Inter weiter verbessern. Am Samstag zeigte er beim 1:0 in Parma nicht nur wegen seines Assists zum Tor von Martinez seine beste Saisonleistung.