Sport | Fußball
18.11.2018

Österreich siegt zum Nations-League-Abschluss

Valentino Lazaro rettet Österreichs Team in Belfast einen schmeichelhaften 2:1-Sieg gegen Nordirland.

Warum Österreichs Antreten im Windsor Park von Belfast nicht nur ein Fall für die Freunde nackter Statistik war? Weil ein Erfolg die Chancen erhöht hätte, als Vorzugsschüler unter den Gruppenzweiten vielleicht doch noch in das Play-off der Nations League zu rutschen? Zahlenspiele und im Kaffeesud lesen. Vom Abstieg war ohnehin keine Rede mehr.

Österreich kam nach Belfast, um das Länderspieljahr 2018 vor allem zu einem positivem Abschluss zu bringen und die von der UEFA ausgesetzte Siegesprämie in der Höhe von 1,5 Millionen Euro zu kassieren. Immerhin. Aber was vorerst tatsächlich geschah: eine Mannschaft, die in 45 Minuten so ziemlich alles vermissen ließ, schon in Ansätzen den Willen, gewinnen zu wollen. Am Ende sollte man doch als glücklicher Sieger vom Platz gehen.

KURIER-Noten für die Teamspieler:

KURIER-Noten für die Teamspieler

1/13

Heinz Lindner: Beim Gegentor ohne Chance, verhinderte aber ein weiteres schon in der Anfangsphase mit einer sehenswerten Parade. Ein weiterer souveräner Auftritt. KURIER-Note 2

Stefan Lainer: Viel Einsatz, viel Laufarbeit, wenig Effektivität nach vorne, doch verlässlich wie immer. Note 3

Aleksandar Dragovic: Absolvierte sein 70. Länderspiel mit viel Aufmerksamkeit und Einsatz. Rettete in letzter Sekunde gegen Davis, machte generell einen mehr als soliden Eindruck. Note 2

Martin Hinteregger: Der Innenverteidiger beging keinen groben Fehler, hatte aber in einigen Zweikämpfen viel Mühe mit den robusten Nordiren. Note 3

Andreas Ulmer: Ein Spiel irgendwie im Niemandsland. Offensiv nicht sehr auffällig, defensiv ohne Fehler. Note 3

Julian Baumgartlinger: Es war nicht der Abend des Kapitäns mit einigen Ballverlusten, einer davon führte zum 1:1. Er wandelte nach einer Gelben Karte in weiterer Folge auf dem schmalen Grat zum Ausschluss. Note 4

Stefan Ilsanker: Spielte 45 Minuten lang absolut unauffällig, das war aber sicher nicht der Grund, weshalb er mit Kreislaufproblemen seinen Arbeitssonntag vorzeitig beenden musste. Note: 3

Valentino Lazaro: Viel Potenzial besitzt er, wenig davon schöpfte er gestern aus. Eine ganz schwache Vorstellung sowohl offensiv als auch defensiv. Bis zur 93. Minute, als er mit einem Traumtor den Sieg sicherte.

Xaver Schlager: Der Salzburger war schon gegen Bosnien ein Spielbeschleuniger, und auch am Sonntag konnte er sich mit Laufarbeit, Zweikampfstärke und dem Tor zum 1:0 in Szene setzen. Sein Premieren-Treffer im Nationalteam. Note 2

David Alaba: Agierte wieder offensiver im Mittelfeld, setzte sich ab und zu in Aktion, blieb unterm Strich aber glücklos. Ein Freistoß und ein Schuss landeten auf der Tribüne. Note 3

Michael Gregoritsch: Wer als Solospitze nicht mit Bällen gefüttert wird, der verhungert irgendwann. Ihm fehlte jede Bindung zum Spiel, kein einziges Mal wurde er in irgendeiner Form gefährlich. Note 4

Peter Zulj: Fodas Lieblingsschüler kam zur Pause für den angeschlagenen Ilsanker, er hatte auch seine Ballverluste, leitete dafür aber das Tor von Schlager über die linke Seite ein. Note 3

Marko Arnautovic: Erlöste den glücklosen Gregoritsch, 20 Minuten Belastung waren seinem lädierten Knie zuzumuten. Zu mehr als einem emotionalen Duell mit McAuley reichte es für ihn persönlich aber nicht. Note: 3

Kein Zug zum Tor

Teamchef Franco Foda hielt fest am taktischen Korsett. 4-2-3-1 lautete das Rezept wie schon im Heimspiel gegen Bosnien-Herzegowina, einige personelle Zutaten veränderte er jedoch. So verharrte Arnautovic mit seinen Knieproblemen bis zur 71. Minute in der Lauerstellung. Auf der Bank. Michael Gregoritsch übernahm seine Position als Solospitze und blieb stumpf.

Alaba rückte links nach vorne ins Mittelfeld. Ebenfalls nur in der anfänglichen Betrachterrolle: Kainz, Schöpf und Zulj.

Hinten dicht halten und auf gefährliche Konter wollte man setzen. Ein guter Plan? Gegen robuste, aber eher biedere Nordiren war die Gefahr eines Gegentores jedenfalls überschaubar. Und nach vorne geschah wenig bis gar nichts. Als einzig gefährliche Tormöglichkeit der Österreicher ging vorerst ein Freistoß von Alaba (14.) in die langweilige Dramaturgie der Partie ein.

Es fehlte der Nachdruck, vermisst wurde der Zug zum Tor, und keine Spur vom Versuch, einmal mit einer schnellen Kombination dem gegnerischen Tor nahezukommen. Österreich Mannschaft zeigte Abwarte-Fußball ohne Eigeninitiative. Einzig der Salzburger Xaver Schlager – dritter Teameinsatz von Beginn an – ließ erkennen, dass er mehr wollte als nur nicht verlieren.

Kein Höhepunkt

So plätscherte die Partie durch die erste Halbzeit. Der Windsor Park war ausverkauft, aber eine Oase der Ruhe. Denn auch dem Gastgeber fiel wenig ein in dieser ersten Halbzeit. Zwei Freistöße, die ebenfalls magere Ausbeute. Die Liebe des nordirischen Sportpublikums galt an diesem Wochenende ohnehin dem Rugby-Team nach dem Sieg über Neuseeland. Selbst die erste Fußball-Liga dachte nicht daran, nur wegen eines Länderspiels eine Pause einzulegen.

Eigentlich konnte es nach dem Wechsel nur besser werden. Das Spiel im Allgemeinen, die Österreicher im Besonderen.

So wurde das erste wirklich gelungene Zusammenspiel prompt belohnt: Alaba und Zulj verstehen sich, Letzterer bringt seinen Pass hinter die Abwehr Nordirlands und Schlager trifft (49.)

Österreichs Führungstreffer lud ein zum offenen Schlagabtausch. Und stellte die Abwehr auf eine härtere Probe. Doch auch die Fehleranfälligkeit wurde größer. Als Baumgartlinger den Ball im Mittelfeld verlor, war der Grundstein für den Ausgleich gelegt. Evans kam zum Ball, sein Schuss wurde von Hinteregger ins von Lindner wieder gut behütete Tor abgefälscht. 1:1 (57.).

Es passierte, was nicht mehr erhofft wurde: Valentino Lazaro traf in der 93. Minute nach einem Arnautovic-Pass noch ins Kreuzeck.

Nations League B/Gruppe 3 - 6. Runde:

Sonntag, 18.11.2018

 

 

Nordirland - Österreich

1:2

(0:0)

Tore: C. Evans (57.) bzw. Schlager (49.), Lazaro (93.)

 

 

Tabelle:

1.

Bosnien-Herzegowina

4

3

1

0

5:1

4

10

*

2.

Österreich

4

2

1

1

3:2

1

7

 

3.

Nordirland

4

0

0

4

2:7

-5

0

**

*   = Aufsteiger
**  = Absteiger