Sport | Fußball
03.09.2017

ÖFB-Team: "Auf diesem Niveau ist es vielleicht zu wenig"

Gesenkte Köpfe, große Enttäuschung und eine klare Bilanz der Spieler nach dem 0:1 in Cardiff.

Beim Schlusspfiff richteten sich die Köpfe der Österreicher zu Boden, manche sanken erschöpft und enttäuscht auf die Knie. Aus und vorbei, ein Russischkurs bleibt ihnen erspart. Marcel Sabitzer, der zwei Chancen vergeben hatte: "Ich finde, dass wir phasenweise nicht schlecht gespielt haben. Wenn du aber die Chancen nicht reinmachst, wird es schwer." Wales gewann dank größerer Effizienz: "Auf diesem Niveau musst du auch aus dem Nichts ein Tor machen."

Auch Martin Hinteregger war trotz persönlich starker Leistung enttäuscht: "Es ist so bitter. Die Chancen waren ja da, wir hätten 1:0 in Führung gehen müssen, Wales hat es dann gemacht, deswegen haben wir verloren. Beim Gegentor war es eine Fehlerkette von uns. Vielleicht haben die Waliser es um ein Stück mehr gewollt, denn fußballerisch haben wir das gut hingekriegt." Die WM-Teilnahme in Russland schreibt er ab: "Es ist eine Riesenenttäuschung, wir haben uns mehr erwartet."

Aleksandar Dragovic ärgerte sich, auch, weil er vor dem Gegentor nicht klären konnte: "Aus einer Halbchance haben sie ein Tor gemacht, das ist auch Klasse. Wir haben teilweise gut gespielt, Wales hat nach der Pause umgestellt und mehr Druck gemacht. Es soll einfach nicht sein. Wenn man die Chancen nicht macht..."

KURIER-Noten für die Teamspieler:

Team-Noten: Zu viel Durchschnitt in Cardiff

1/12

Heinz Lindner: Hat sich bei seinen Abschlägen mit dem Fuß nach wie vor nicht verbessert. Zwei landeten schon in der ersten Halbzeit im Out. Dazu leitete er mit einem ungenauen Todespass auf Danso kurz vor der Pause beinahe die Führung der Waliser ein. Hatte nur wenige Schüsse zu parieren. Zumindest beim Gegentor kann man ihm nichts vorwerfen. Bleibt dennoch ein Unsicherheitsfaktor im Team. KURIER-Note: 3

Stefan Lainer: Ließ zumindest über seine rechte Seite nicht viel anbrennen. Nach vorne aber immer wieder fehlerhaft, da muss man mehr verlangen dürfen. KURIER-Note: 4

Aleksandar Dragovic: Hatte bei hohen Bällen gegen Sam Vokes anfangs Mühe. Auf dem Boden aber ballsicher und stark im Spielaufbau. Auch nach Seitenwechsel stark in Zweikämpfen. Hätte vor dem Gegentor besser mit dem Fuß als mit dem Kopf klären sollen. KURIER-Note: 4

Sebastian Prödl: Leistete sich bis zu seiner Verletzung und Auswechslung keinen Fehler. KURIER-Note: 2

Martin Hinteregger: Gab wie schon in Dublin einen starken linken Außenverteidiger. Strahlte Sicherheit aus, war im Spielaufbau jederzeit anspielbar und versuchte auch, in der Offensive Marko Arnautovic zu unterstützen. KURIER-Note: 2

Julian Baumgartlinger: Über die vollen 90 Minuten war er Österreichs Bester. Gewann viele Zweikämpfe, hatte ein sehr gutes Stellungs- und Positionsspiel und bereitete die zwei besten Chancen der Österreicher mit Traumpässen in die Tiefe vor. KURIER-Note: 2

Stefan Ilsanker: Machte gemeinsam mit Kapitän Baumgartlinger das Zentrum zu und arbeitete stark gegen Ramsey. Gewohnt ballsicher und kopfballstark vor der Abwehr. KURIER-Note: 3

Marcel Sabitzer: Obwohl seine rechte Seite vor der Pause vernachlässigt wurde, kam er zwei Mal zum Abschluss. Er zeigte dabei aber nicht die nötige Entschlossenheit. Nach der Pause tauchte er völlig unter. KURIER-Note: 4

David Alaba: Auf der 10er-Position bis zur Pause sein bisher bestes Länderspiel. Bewegte sich viel besser als sonst zwischen Abwehr und Mittelfeld des Gegners, drehte sich geschickt und setzte die Flügel Arnautovic und Sabitzer gut ein. Als die Waliser nach dem Seitenwechsel die Zwischenräume verdichteten, kam er nicht mehr zur Geltung. KURIER-Note: 3

Marko Arnautovic: Wie Alaba nur vor der Pause richtig stark. Da machte er viel Dampf über seine Seite und hätte auch nach Traumpass von Baumgartlinger die Führung erzielen müssen. Nach der Pause erhielt er kaum noch Bälle und Räume, um sich weiterhin entfalten zu können. KURIER-Note: 3

Martin Harnik: Hing vor der Pause total in der Luft. Mit dem Rücken zum Tor Bälle zu behaupten, ist nicht sein Spiel. Die Bälle, die er braucht, bekam er nie. Kam nur zu einer Torchance und wurde wie Sabitzer zu spät ausgetauscht. KURIER-Note: 4

Kevin Danso: Ersetzte ab der 27. Minute Sebastian Prödl. Der 18-Jährige zeigte nur kurz Nervosität, wirkte dann staubtrocken und furchtlos in Zweikampf- und Kopfballduellen. Dann leitete sein verunglückter Klärungsversuch das Gegentor ein und machte sich somit ein Top-Debüt zunichte. KURIER-Note: 3

David Alaba erkannte Parallelen zu anderen WM-Quali-Spielen: "Wir haben ja des Öfteren solche Spiele nicht für uns entschieden. Es geht auf diesem Niveau um Kleinigkeiten, die Spiele entscheiden." Der Bayern-Star zeigte sich sehr enttäuscht: "Es ist bitter, weil wir in der ersten Hälfte sehr gut gespielt haben. Auf diesem Niveau ist es vielleicht zu wenig."

Arnautovic fordert Aussprache

Marko Arnautovic sprach Klartext: "Es ist ja nicht zum ersten Mal. Es geht die ganze Quali schon so. Keine Ahnung, was uns verfolgt. Wales hatte gar nichts, und dann kommt so ein Schuss daher. Wir hatten genug Möglichkeiten, auch ich muss die eine Chance verwerten. Es ist einfach ein Wahnsinn."

Man müsse schonungslos die Ereignisse der vergangenen Monate aufarbeiten, forderte der West-Ham-Legionär. "Wir werden uns zusammensetzen und darüber reden, denn man muss über Fehler reden. Das tut natürlich jedem weh", erklärte der Wiener. Auch die noch nicht lange zum Stamm zählenden Kicker seien nun gefordert, ihre Sicht der Dinge darzulegen. "Ich will von jedem eine Meinung haben, nicht nur von den Älteren, auch von den Jungen, von den Neuen, die dabei sind. Die sollen auch ihre Gefühle herzeigen, weil sie das gut von außen sehen."

Arnautovic kündigte an, die ÖFB-Kollegen bei dieser Gesprächsrunde auf ein erfolgreiches Finish einer verkorksten Qualifikation einzuschwören, beginnend mit dem Heimmatch am Dienstag gegen Georgien. "Ich werde meine Mannschaft motivieren in den nächsten Tagen, um mit voller Motivation gegen Georgien zu spielen."

Dabei hatte der Wiener bei seiner Topchance in der ersten Hälfte die Führung auf dem Fuß. "Ich muss das Tor machen", gab Arnautovic zu und haderte auch mit fehlendem Spielglück. "In der EM-Qualifikation hat alles geklappt, da war fast jeder Schuss ein Treffer, und jetzt will der Ball einfach nicht reingehen."

Das ärgerte nicht nur den ÖFB-Internationalen - auch ein mitgereister Anhänger verkraftete die bittere Niederlage nur schwer, weshalb sich Arnautovic nach dem Schlusspfiff länger mit ihm unterhielt. "Ich habe gesehen, dass er irgendwie ausgerastet ist gegenüber mir. Dann bin ich hingegangen, um zu reden. Ich habe gesagt, es tut uns genauso weh wie euch", erzählte Arnautovic und betonte: "Wir hatten immer eine gute Beziehung zu den Fans."

Die Zeit der klärenden Gespräche scheint angebrochen, was Teamchef Marcel Koller begrüßt. "Wenn man Spiele nicht gewinnt, kommt der Frust raus. Unmittelbar nach dem Match fallen laute Worte, die man nicht gleich persönlich nehmen muss. Grundsätzlich ist es wichtig, dass Spieler miteinander sprechen. Wenn ich ein Problem mit einem Mitspieler habe, versuche ich das zu besprechen und fresse es nicht in mich hinein", sagte der Schweizer, als er nach der bevorstehenden mannschaftsinternen Unterredung gefragt wurde.

Wales - Österreich zum Nachlesen

Bis zu 1,046 Millionen Menschen haben im ORF die 0:1-Niederlage in Wales gesehen. Im Schnitt verfolgten 980.000 Zuseher bei 36 Prozent Marktanteil (39 bzw. 49 Prozent in den jungen Zielgruppen) die zweite Hälfte des WM-Qualifikationsspiels. Das gab der ORF bekannt.

Sebastian Prödl fällt für das Georgien-Match am Dienstag in Wien verletzungsbedingt aus. Wie der Verband mitteilte, erlitt der Watford-Legionär am in Cardiff eine Muskelverletzung im Oberschenkel. Für ihn wurde U21-Kapitän Philipp Lienhart vom SC Freiburg nachnominiert.