Sport | Fußball
27.03.2018

ÖFB-Generalsekretär Hollerer: "Wir wollen nach vorne schauen"

ÖFB-Generalsekretär Thomas Hollerer über die Liga-Reform und Versäumnisse in der Vergangenheit.

Es ist nach den personellen Wechseln an der Spitze wieder etwas Ruhe in den ÖFB eingekehrt. Auch Generalsekretär Thomas Hollerer richtet den Blick nach vorne, will die Fehler der Vergangenheit künftig vermeiden.

Neuer Teamchef, neue Aufbruchstimmung – hat die ÖFB-Spitze auch dieses Gefühl?

Thomas Hollerer: Ja. Wir haben eine neue sportliche Führung und dann mit der Nations League einen neuen Bewerb. Die Jahre 2018 und 2019 bieten sich an, sportlich wieder richtig durchzustarten.

Der Herbst war für den ÖFB keine Imagewerbung: Ablöse von Ruttensteiner und Koller, dazu entbehrliche Wortmeldungen mancher Landespräsidenten. Was ist schief gelaufen?

Natürlich ist in der Vergangenheit nicht alles optimal abgelaufen. Wir haben die Lehren gezogen. Es gibt zum Beispiel eine neue sportliche Struktur, damit diese Dinge nicht mehr so vorkommen können. Der alte Sportdirektor war ja der Chef des Teamchefs, stand dann ebenso in der Kritik. Die Struktur ist nun anders, weil der Sportdirektor in solchen Phasen für Kontinuität stehen soll.

In dieser Phase herrschte ein Vakuum, man hatte das Gefühl, der ÖFB könne seine Landespräsidenten nicht kontrollieren. Ist das künftig zu verhindern?

Wie gesagt, das ist zum Glück die Vergangenheit, wir wollen jetzt nach vorne schauen.

Stimmt schon, aber selbst die Spieler regten Reformen an.

Wie gesagt: Wir haben sehr wohl daraus gelernt, strukturelle und kommunikative Maßnahmen gesetzt. Es hat in der letzten Zeit keine Wortmeldungen, die damals zu berechtigter Kritik geführt hatten, in dieser Art gegeben. Weil wir Dinge entsprechend intern besprochen haben. Das ist für mich ein wichtiger Schritt.

Der ÖFB ist ein Verfechter des Förderalismus. Wird sich daran etwas ändern, um schneller zu Entscheidungen zu kommen?

Förderalismus ist auch im Fußball sehr wichtig, weil der ÖFB zentral all die Aufgaben in der Breite nicht erfüllen könnte. In diesem Zusammenhang ist essenziell, dass die hauptamtlichen Mitarbeiter dem Präsidium – wie bei einem Aufsichtsrat – die Sachverhalte so gut vorbereiten, dass eine sportpolitische Entscheidung schnell und fundiert möglich ist.

Kommen wir zur Ligareform: Der ÖFB ist verantwortlich für den Amateurbereich. Wie positiv blickt der Verband dem Sommer entgegen?

Der ÖFB ist ein Dach für den gesamten Fußball. Die Reform muss man in drei Teilen betrachten: 1. Liga, 2. Liga und der Amateurbereich. Die Reform wird nur dann ein Erfolg sein, wenn für alle drei Leistungsstufen gute Lösungen gefunden werden. Ein Start mit 16 Vereinen in der 2. Liga wäre aus meiner Sicht sehr wichtig. Wir haben genügend Bewerber.

Muss der ÖFB mehr Aufklärung leisten bei den Vereinen?

Natürlich. Aber es hat schon genügend Veranstaltungen gegeben. Und es werden weitere folgen. Die Zulassungs-Voraussetzungen für die 2. Liga sind abgeschwächt worden. Wenn ein Klub teilnehmen will, dann wird er auch können.

Wenn man Ihnen sagen würde, dass diese Reform nur eine Übergangsphase hin zu einer 16er-Profiliga ist – was antworten Sie dann?

Wenn dem so wäre, dann müssten wir in Österreich wahrscheinlich 20 Profi-Teams haben, damit ein ordentlicher Auf- und Abstieg möglich ist. Weil wir diese Anzahl derzeit nicht haben, wurde die Liga entsprechend reformiert.

Wäre so eine Trennung zwischen Profi- und Amateurbereich denkbar?

Denkverbote gibt es keine. Wenn so etwas käme, müsste man an der Durchlässigkeit arbeiten. Die kommende 2. Liga muss als Drehscheibe zwischen Amateur- und Profifußball gesehen werden, weil der Schritt von der 3. in die 1. Liga zu groß wäre. Aber die 2. Liga wird mancherorts jetzt schon schlecht geredet, bevor man ihr überhaupt eine faire Chance gibt.