Leidenschaftliches Remis der ÖFB-Frauen gegen Deutschland

Volksfeststimmung in Ried. Die Österreicherinnen hielten diesmal den Deutschen viel besser und länger Stand und feiern das Remis wie einen Sieg.
Women's World Cup - European Qualifiers - Austria v Germany

Vor 4.300 Fans im ausverkauften Stadion in Ried zeigten die ÖFB-Frauen, dass sie trotz aller Kritik für Begeisterung sorgen können. 

Mit einem 0:0 gegen Deutschland, die klar Führenden in der WM-Qualifikationsgruppe gab das Team von Alexander Schriebl ein klares Lebenszeichen. Acht Spiele hatte man bisher gegeneinander gespielt, achtmal hat Österreich verloren. Doch heute war es anders. Aller Kritik zum Trotz.

Geordnet und stabil

Wieder zeigten die Österreicherinnen eine gute erste Halbzeit, doch sie hielten die Intensität über die 90 Minuten durch. Sie präsentierten sich geordnet und stabil, mit mehr Ballbesitz, da die Deutschen die ÖFB-Frauen auch mehr zum Zug kommen ließen, nicht so hoch attackierten wie gewohnt und nicht so stark waren wie im Spiel in Nürnberg.

Auf der rot-weiß-roten Seite ersetzte eine starke Annabel Schasching die angeschlagene Sarah Puntigam als Kapitänin und als Sechserin. Und sie tat das wirklich stark. Wieder ging Österreich mit einer Fünferkette mit sehr hoch stehenden Außenverteidigerinnen (Chiara D'Angelo und Sarah Gutmann) ins Rennen. 

Die erste Chance hatte dennoch Deutschland. Jule Brand schoss aus kurzer Distanz über das Tor (3.). Doch dann zeigten die Österreicherinnen in mehreren Umschaltmomenten hintereinander, dass sie heute hier offensiv gefährlicher werden wollen als zuletzt in Nürnberg. Bei der ersten kam Eileen Campbell nicht mehr an den Ball (5.) und die neu in die Startelf gerückte Naika Reissner rutschte im Strafraum am Ball vorbei (6.). 

Volksfeststimmung in Ried 

Die Stimmung im ausverkauften Stadion war gut, auch Hunderte Fans mit Deutschland-Fahnen waren angereist. Österreichische und deutsche Fans bildeten hinter dem Tor gemeinsam einen Block "Queerer Football Fans". "Immer wieder Österreich"-Rufe und Jubel bei erfolgreichen Aktionen führten zur Volksfeststimmung am Rieder Volksfestplatz. Etwa bei defensiven Rettungsaktionen von Claudia Wenger (10.) oder mehrmals Torfrau Mariella El Sherif

Das Team Österreich saugte die Stimmung auf und wurde immer aktiver. Vor allem über Melanie Brunnthaler und Schasching, aber auch Campbell, die immer wieder Bälle in der Offensive behauptete. 

Den Deutschen fehlte das Tempo und gelang offensiv wenig. In der Defensive zeigten sich immer wieder Unsicherheiten. Der Matchplan der Österreicherinnen hingegen ging diesmal weit länger auf als zuletzt. Immer wieder kam es durch starke Aktionen im Mittelfeld zu guten Umschaltaktionen, doch die Chancen wurden nicht genutzt (26., 45.+1).

Leidenschaftlich verteidigt

Nach und nach spürten die Österreicherinnen dann in Hälfte zwei, dass heute etwas möglich ist. Vor allem, weil die Chancen, zu denen Deutschland kam, einfach nicht ins Tor gehen wollten. Am gefährlichsten eine Chance von Dallmann und Kett, als Verena Hanshaw auf der Linie klärte (69.), oder als El Sherif einen Kopfball parierte und der Nachschuss von Schüller an die Latte ging (71.). 

Deutschland, das heute nicht seine beste Leistung zeigte, wollte dennoch gewinnen, doch Minute für Minute verging, die Österreicherinnen verteidigten leidenschaftlich. Und als die eingewechselte Julia Hickelsberger im Konter allein auf Torfrau Berger zulief, zog Minge die Notbremse - und sah Rot (80.)

Keine der Chancen, die in den letzten 10 Minuten folgten, konnten die Österreicherinnen zu Fall bringen. Auch nicht der letzte Schuss von Linda Dallmann in der letzten Minute. Die Österreicherinnen holten ein verdientes Remis gegen Deutschland und die Fans feiern es wie einen Sieg. 

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