ÖFB-Ass Campbell: "Ich will zeigen, wo wir hinwollen"
Eileen Campbell
Eileen Campbell ist in den letzten Jahren zu einer Führungsfigur im österreichischen Nationalteam avanciert. Die 25-jährige Vorarlbergerin spielt seit 2024 in Deutschland (zunächst Freiburg und seit Sommer bei Union Berlin) und verpasste verletzungsbedingt die ersten beiden Spiele in der WM-Qualifikation gegen Norwegen und Slowenien, die jeweils mit 0:1 verloren gingen.
KURIER: Wie war die Rückkehr ins Team?
Sehr schön. Wenn man einen Lehrgang verpasst, hat man die Mannschaft gefühlt ein halbes Jahr nicht gesehen.
Wie haben Sie die Stimmung im Team wahrgenommen nach den Niederlagen zum Auftakt der WM-Quali?
Überraschend gut. Es ist gut, dass zwischen den Lehrgängen ein wenig Zeit liegt, in der man reflektieren kann. Jetzt kann man die Dinge aufarbeiten ohne viele Emotionen. Es warten schwere Spiele auf uns, der Start war nicht optimal, aber vielleicht bringt das jetzt die nötige Motivation.
Sie studieren neben Ihrer Tätigkeit bei Union Berlin auch Psychologie. Was ist das Wichtigste nach so einem Dämpfer wie dem 0:1 gegen Slowenien?
Man muss sich immer selbst reflektieren und überlegen: Wie viel kann ich selbst dazu beitragen, dass es besser wird? Da sind auch die Aspekte neben dem Platz wichtig: Wie gehe ich voran? Welche Körpersprache habe ich am Platz, im Training? Wir hatten einen gewissen Umbruch im Team und auch den Jungen will ich zeigen, welche Werte wir vertreten und wo wir hinwollen. Wir können nicht ändern, was passiert ist, aber wir können beeinflussen, was vor uns liegt. Wir haben noch die Rückspiele gegen Norwegen und Slowenien, wo wir an Stellschrauben drehen können. Und im schlimmsten Fall bleiben uns die Play-offs.
Was nehmen Sie sich selbst in diesen Spielen vor?
Ich will Euphorie auf den Platz bringen. Ich denke, dass ich mittlerweile eine Rolle eingenommen habe, wo ich vorangehen muss. Ich will mein Rundherum anstecken und mit voller Intensität und Überzeugung in die Spiele gehen.
Ist es ein Prestigeduell?
Das ist es. Und auch deshalb wollen wir uns bestmöglich verkaufen.
Sie spielen selbst in Deutschland, sehen, wie dort gearbeitet wird. Kann man als österreichische Fußballerin manchmal neidisch sein, was in anderen Ländern möglich ist?
Ja, das macht schon was mit einem. Im Vergleich zu Österreich wird in anderen Ländern der Jugendbereich schon mehr gefördert, das ergibt dann auch eine größere Breite aber auch Qualität – schon in jungen Jahren. Ich sehe auch die Entwicklung in Österreich, aber es gibt viel Luft nach oben. Wir müssen auch mit der Liga den Anschluss finden.
Entwicklung hängt auch oft mit den Erfolgen des Nationalteams zusammen ...
... auf jeden Fall. Und wir sind uns dieser Verantwortung sehr wohl bewusst. Es ist ein Teufelskreis. Wenn man nicht zu den Topnationen aufschließen kann, kann man nicht mithalten. Wenn man nicht mithält, wird man nicht gefördert. Wenn man nicht gefördert wird, gewinnt man nicht.
War für Sie immer klar, dass Sie eines Tages nach Deutschland gehen?
Ich habe nie darüber nachgedacht, wegzugehen– bis ich ins Nationalteam aufgenommen wurde und dort Erfolg hatte. Ich bin jetzt wirklich froh, dass ich den Schritt gewagt habe. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Für einen Sportler gibt es nichts Schöneres.
Im Sommer sind Sie zu Union Berlin gewechselt und haben gesagt, dass der Verein ein spannendes Projekt in Sachen Frauenfußball ist. Wie war das gemeint?
Der Verein tut viel für den Frauenfußball. Das Besondere ist, dass die Vereinsführung zwischen Männer- und Frauenfußball keinen Unterschied macht. Wir haben die gleichen Bedingungen. Wir spielen immer im Stadion, wo auch die Männer spielen, im Durchschnitt vor 7.000 Fans, die Fankultur gefällt mir auch.
Können sich da österreichische Vereine etwas abschauen?
Sicher. Wobei ich finde, dass wir auch in Österreich eine gute Richtung eingeschlagen haben. Etwa mit der Austria oder bei uns in Altach. Aber es ist schade, dass man etwa so einen Verein wie Neulengbach scheinbar nicht erhalten kann, der so wichtig im Frauenfußball war. Das ist derselbe Teufelskreis wie der, über den wir vorher gesprochen haben. Wenn Erfolge ausbleiben, bist du einfach nicht mehr konkurrenzfähig.
Was nimmt sich das ÖFB-Team in den beiden Spielen gegen Deutschland vor?
Unser Ziel ist es jetzt, nicht Gruppenletzter zu werden. Da werden auch die Deutschland-Spiele entscheidend sein. Wir wollen gut dagegen halten und so wenige Gegentore wie möglich kassieren. Das kann viel bewirken in Hinblick auf die nächsten Spiele. Es ist auf jeden Fall machbar, die Tabellensituation zu verbessern. Priorität ist es, gegen Slowenien zu gewinnen und gegen Norwegen zu punkten.
Hat das Trainerteam die Mittel, um diese Ziele zu erreichen?
Ja, wir gehen jedes Mal mit einem Plan ins Spiel. Wir fühlen uns gut vorbereitet und sind motiviert und gut gelaunt. Es gilt jetzt auch, die Wogen zu glätten, die im letzten Lehrgang entstanden sind.
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