Trotz starkem Remis gegen Deutsche: Was den ÖFB-Frauen noch fehlt

Nach drei Niederlagen in Folge feierte Österreich einen Achtungserfolg gegen Deutschland. Weshalb das Team den Erfolgen von 2017 und 2022 hinterherhinkt.
Women's World Cup - European Qualifiers - Austria v Germany

Trotz der schwierigen Phase im österreichischen Frauen-Nationalteam ist das Interesse für den Frauenfußball ungebrochen. 4.300 Fans in Ried wurden für ihre Treue belohnt. Ungeachtet des Achtungserfolges (0:0) im zweiten Spiel gegen Deutschland sucht man im Team und in dessen Umfeld nach Erklärungen für den Leerlauf zum Start der WM-Qualifikation. An die EM-Erfolge von 2017 (Halbfinale) und 2022 (Viertelfinale) erinnern nur noch Rückblicke.

Was ist danach passiert?

Die Professionalisierung 

Seit 2017 hat sich der internationale Frauenfußball rasant professionalisiert. Große Männerklubs begannen groß zu investieren und bessere Infrastruktur zu schaffen, in Ländern wie Spanien oder England wurde auch die Sichtbarkeit verbessert

Österreich hat nur bedingt mitgemacht. Hier passierten erst in den vergangenen Jahren wichtige Schritte, etwa bei der Wiener Austria.

Die Liga 

Durch die geringe Professionalität hinkt auch das Niveau der Bundesliga nach. Mit der Reform und der Teilung in Meistergruppe und Qualigruppe hat man nun aber mehr attraktive Spiele auf Augenhöhe geschaffen.

Die fehlende Breite 

Österreichs Erfolge 2017 und 2022 kamen eigentlich ungewöhnlich zustande: mit einer starken Spitze ohne breite Basis. Immerhin spielen mittlerweile mehr Mädchen Fußball. Doch vor allem der Übergang zwischen 13 und 18 Jahren sei schwer, glaubt auch Ex-Teamkapitänin Viktoria Schnaderbeck. Mit der Frauen-Akademie in St. Pölten gibt es nur eine lizenzierte ÖFB-Akademie im Land. „Es wäre toll, wenn es mehr geben würde, geografisch besser aufgeteilt“, sagt Schnaderbeck. Es sei zudem schade, dass man im ÖFB nicht mehr Positionen für diese Themen geschaffen habe. International sei das der Fall. Schnaderbeck hofft hier auf die Frauensportförderung, die in den Landesverbänden je eine Position ermöglicht, die sich des Nachwuchses annimmt.

Die Ausfälle 

Die fehlende Breite ist vor allem jetzt sichtbar, wo mit Sarah Zadrazil, Manuela Zinsberger, Lilli Purtscheller, Marie-Therese Höbinger und Katharina Naschenweng wichtige Schlüsselspielerinnen fehlen. Insbesondere Zadrazil, die Stabilität, Laufbereitschaft und Zweikampfstärke ins Spiel bringt, die als Dreh- und Angelpunkt immer anspielbar ist, fehlt im Spiel gegen, aber vor allem mit dem Ball. Zinsberger wird im Tor solide durch Mariella El Sherif ersetzt, doch fehlt mit ihr eine erfahrene Persönlichkeit in wichtigen Situationen - auch abseits des Platzes.

Die Offensive 

Während die Defensive zuletzt phasenweise stabil war, fehlte die Torgefahr. „Es ist auch eine Qualitätsfrage, ob man in diesen Situationen die richtigen Entscheidungen trifft und wenige Chancen effizient nutzt“, sagt Schnaderbeck.

Die Spielidee 

Das hohe Pressing kann situativ ein guter Mechanismus sein, um stärkere Teams zu ärgern. Doch ein tiefer Block hatte zuletzt etwa gegen Deutschland für mehr defensive Stabilität gesorgt. Gegen Teams auf Augenhöhe ist das Pressing ein probates Mittel, doch über 90 Minuten ist es dem Team bisher nicht gelungen, es sind immer wieder Lücken entstanden. Doch dass das Trainerteam rund um Alexander Schriebl die Taktik auch im gegebenen Fall anpassen kann, hat man am Samstag in Ried gegen Deutschland gesehen.

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