Wiedersehen am Wörthersee: 2017 besiegte Salzburg Rapid mit 2:1. Die Wiener warten seit 1995 auf den Cupsieg.

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Sport | Fußball
05/01/2019

ÖFB-Cup-Finale: Eine Millionen-Chance für Rapid

Es geht heute in Klagenfurt gegen Salzburg um einen Fixplatz in der Europa League und zehn Millionen Euro extra Einnahmen.

Vor 100 Jahren wurde der ÖFB-Cup gegründet. Um so viel wie heute (16.30 Uhr) ist es in einem österreichischen Pokal-Endspiel aber noch nie gegangen.

Sieben Fragen und Antworten zum Duell Salzburg gegen Rapid in Klagenfurt:

Warum ist der Cupsieg heuer so wichtig?

Vergangene Saison hat Österreich mehrere Plätze gutgemacht und die Tschechen von Rang 11 der UEFA-Fünfjahreswertung verdrängt. Deshalb ist der Cupsieger erstmals direkt für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert. Weil der Meister und der Vizemeister in der Champions League starten, würde nach einem Cupsieg von Salzburg der Ligadritte von diesem Schnellzug nach Europa profitieren. Mittlerweile ist die Bundesliga zwar auf Rang 12 zurückgefallen – das Zuckerl für den Cupsieger gibt es aber auch 2020.

Wie viele Millionen würde der Titel Rapid bringen?

Während Salzburg ohnehin mit einer Gruppenphase planen kann (wenn nicht noch der Meistertitel verschenkt wird), würde bei Rapid der erste (und letzte) Titel in der Ära Krammer alles verändern: Bereits Anfang Mai könnte ein schlagkräftiger Kader für die Europa League im September zusammengestellt werden. Bei möglichen Abgängen könnte das Argument Gruppenphase helfen, noch ein Jahr in Hütteldorf anzuhängen. Diese Saison hat Rapid in der Europa League mehr als zehn Millionen Euro brutto verdient. In dieser Größenordnung könnte (je nach Gruppengegner) wieder geplant werden.

Wie viel hat sich seit 2017 verändert, als sich beide Teams ebenfalls im Finale gegenüberstanden?

Nicht nur der Pokal, der am Dienstag in Wien vorgestellt wurde, ist neu.

Die Trainer hießen beim 2:1-Sieg von Salzburg Óscar und Djuricin, die Torhüter Walke und Strebinger waren vor 20.200 Zuschauern Ersatz. Bei Salzburg werden nur Lainer und Samassékou wieder einlaufen. Bei Rapid ist mit Dibon, Schwab und Murg zu rechnen. Auer (damals Sechser) wäre wohl der Bolingoli-Ersatz.

Was hat sich vor dem Finale getan?

Ausgerechnet Salzburgs Dauerläufer, Titelsammler und Kapitän Andreas Ulmer, 33, hat sich gegen den WAC (1:2) eine Muskelverletzung zugezogen. Trainer Marco Rose gab dem Linksverteidiger im Frühjahr keine Pausen. Kritik daran wehrt der Deutsche ab: „Ulmers Körper hätte das stemmen können. Manchmal passiert das eben so.“ Eine Überlegung ist, Mittelfeldspieler Schlager links hinten verteidigen zu lassen.

Zu Rapids (ebenso wichtigem) Linksverteidiger Boli Bolingoli meint Trainer Didi Kühbauer nach der glimpflich ausgegangenen Verletzung gegen Hartberg (3:4): „Wir versuchen alles. Ob Boli spielen kann, ist ungewiss.“

Was planen die Trainer?

„Wir haben die große Chance, in einem Spiel Großes zu erreichen“, meint Kühbauer, der beim (bislang letzten) Cupsieg 1995 für Rapid spielte. Rose will vor seinem Abgang nach Gladbach noch das Double: „Glaubt mir, wir wollen diesen Titel unbedingt. Auch für uns ist ein Cup-Finale nicht der Alltag.“

Beim Favoriten muss lediglich in der Verteidigung auf die Verletzungen von Ulmer und Innenverteidiger Pongracic reagiert werden. Bei Rapid ist mehr offen: Wird Knasmüllner (wie gegen den LASK) für mehr Stabilität und Ljubicic geopfert? Wird im Sturm wie beim 2:0 im Februar auf die Technik von Pavlovic gesetzt, oder auf die Wucht von Badji? Kühbauer fordert jedenfalls „Kompaktheit“.

Rückt der Schiedsrichter in den Fokus?

Trotz der Aufregung um die vielen Schiedsrichter-Fehler wurde ein Final-Debütant nominiert: Manuel Schüttengruber. Die Rapidler fühlten sich diese Saison vom Oberösterreicher zwei Mal benachteiligt: Gegen Sturm (1:1) wurde ein Hofmann-Foul um einen Meter in den Strafraum verlegt, in Altach (2:2) wurde bei einem regulären Sonnleitner-Treffer ein Abseits gepfiffen. Für Salzburg war Schüttengruber zuletzt ein Glücksbringer: 13 Siege in Folge, Torverhältnis 45:6 für die Bullen.

Für welche Sektoren gibt es noch Karten?

Mehr als 22.000 Tickets sind abgesetzt. Das ist aus mehreren Gründen bemerkenswert: Auf der ÖFB-Homepage war am Tag vor dem Finale weiterhin eine Erklärung online, warum im Viola Park gespielt wird.

 

Werbung für die Partie im Wörthersee-Stadion gab es vom Verband kaum. Und zusätzliche (leere) Sektoren wurden erst zum Ticket-Erwerb geöffnet, als der Rest des Stadions beinahe ausverkauft war. Rapid rechnet mit zumindest 18.000 Fans in Grün, Salzburg mit 2.000 Anhängern.