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07.12.2018

Ö-Topf: Die Bundesliga streitet um das Geld

Ein Admira-Antrag sieht das Ende der Österreicher-Förderung vor. Der Bundesliga droht ein Rechtsstreit.

Die Bundesliga lädt Freitagabend zur Weihnachtsfeier. Von besinnlicher Stimmung wird aber keine Rede sein, nicht einmal in den frommen Wünschen bei den geplanten Ansprachen.

Stattdessen droht ein Riesenwickel, oder „das totale Chaos“, wie es ein Involvierter nennt. Bereits um 11 Uhr beginnt eine von der Admira beantragte außerordentliche Klubkonferenz. Thema: Die geheime Abstimmung über eine Neuverteilung der erst seit Saisonbeginn neu verteilten TV-Gelder.

Der Antrag, der dem KURIER vorliegt, wurde von Admira, LASK und dem WAC vorangetrieben und benötigt acht von zwölf Ja-Stimmen. Die meisten „kleinen“ Vereine sympathisieren mit einer Änderung. Offen dagegen sind vor der Sitzung nur Rapid und Sturm.

Derzeit werden die jährlichen TV-Einnahmen (32,75 Millionen brutto) zu 30 Prozent an alle Klubs gleichmäßig (sogenannter Sockelbetrag) aufgeteilt, noch einmal 30 % gibt es leistungsabhängig für erspielte Punkten. Weitere 20 % werden nach Zuschauern aufgeteilt und die letzten 20 % gibt es abhängig von den Einsatzminuten österreichischer Spieler.

„Es geht uns um die Solidarität“, sagt Admira-Präsident Philip Thonhauser. Der Finanz-Abstand wäre zu groß geworden. Für den neuen Schlüssel würde auch auf den Ö-Topf verzichtet werden, von dem ausgerechnet die Südstädter bis zur Verpflichtung von fünf Legionären im Sommer am meisten profitiert haben. Manager Amir Shapourzadeh erklärt den radikalen Schwenk: „Aus unserer Sicht ergibt die Förderung von Österreichern, die älter als 23 Jahre sind, ohnehin keinen Sinn. Einen Bonus für Talente bis 22 würden wir aber unterstützen.“ Im Antrag ist ein „neuer Ö-Topf“ aber nicht vermerkt, der müsste also extra verhandelt werden.

2,13 Millionen maximal

Konkret soll es ab Sommer 2019 einen erhöhten Sockelbetrag von je 1,92 Millionen geben. Ö-Topf- und Zuschauer-Bonus fallen weg. Je nach Platzierung gibt es maximal 11 Prozent Plus oder Minus. Der Meister bekommt insgesamt also 2,13 Millionen, der Absteiger immerhin noch 1,71 Millionen.

Zum Vergleich: Rapid rechnet diese Saison mit mehr als drei Millionen an TV-Geldern, auch wegen der Führung in der Zuschauerwertung. Geschäftsfürther Christoph Peschek sagt: „Für diesen Kompromiss gab es intensive Verhandlungen.“ Die Hütteldorfer hätten im Gegenzug auf die TV-Eigenvermarktung verzichtet.

Die Bundesliga will und darf sich zu den Plänen nicht äußern. Seit die Plattform 90minuten.at am Mittwoch vom Admira-Antrag berichtet hat, ist auch der ÖFB alarmiert. Der Fußball-Bund zahlt 900.000 Euro in den Ö-Topf, Thonhauser meint: „Das soll auch weiterbestehen.“ ÖFB-Generalsekretär Thomas Hollerer warnt: „Der Ö-Topf ist ein wichtiger Baustein zur Nachwuchsförderung. Sollte mit der Bundesliga der wichtigste Partner wegfallen, muss über alles diskutiert werden.“

Wenn die rund fünf Millionen von Sky aus dem Ö-Topf rausfallen, ist zu befürchten, dass Akademie-Talente weniger Chancen auf eine Profikarriere haben. Seit der Saison 2004/’05 gilt der Ö-Topf als Erfolgsmodell: Damals waren nur 56,5 Prozent der eingesetzten Spieler Österreicher, 2018 waren es 76,1 Prozent.

Wie kam es dazu? Der damalige Bundesliga-Chef Frank Stronach wollte den Nachwuchs fördern, indem das U-21-Team als „Tiger Team“ in der zweiten Liga mitspielt. Stronach-Stellvertreter und Mattersburg-Chef Martin Pucher suchte nach einer Alternative und fand den Ö-Topf: Die Vereine bekommen mehr Geld je mehr Spieler sie einsetzen, die für das österreichische Nationalteam spielberechtigt sind. Wer allerdings (so wie Salzburg) mehr als sechs Legionäre auf dem Spielbericht stehen hat, erhält nichts.

Liga der Legionäre?

Sollte am Freitag das Aus für den Ö-Topf besiegelt werden, ist folgendes Szenario realistisch: Wattens, der Winterkönig der 2. Liga, hat keinen starken Nachwuchs, aber eine Kooperation mit Juventus. Nach dem Aufstieg könnten ohne Rücksicht auf Ö-Topf-Gelder elf günstig in Tirol geparkte Talente des Weltklubs einlaufen.

„Ich hätte nicht gedacht, dass so viel Arbeit auf mich einprasselt“, seufzt Wacker-Präsident Gerhard Stocker, der sich nach dem Tod von Hans Rinner zum Liga-Boss wählen hat lassen. Vielleicht sind es die vielen Probleme bei Wacker, die ihn ruhig bleiben lassen: „Ich kann den Argumenten der Kleinen wie der Großen etwas abgewinnen. Ich will als Brückenbauer helfen.“

Das wird nötig sein, denn es droht ein Rechtsstreit. Für Rapid steht (als Nr. 1 in der Fan-Wertung und mit vielen Österreichern) eine Million Euro auf dem Spiel. Peschek: „Es muss Rechts- und Planungssicherheit geben. Wenn das aufs Spiel gesetzt wird, ist Rapid mit einem Plan B vorbereitet.“