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Sport Fußball
09/02/2021

Glanzloser ÖFB-Sieg: Wieso die schwache Leistung nicht überraschend kam

Schon ohne personelle Ausfälle plagte sich Österreichs Team im Ballbesitz. Teamchef Foda ist auf Sicherheit bedacht.

von Andreas Heidenreich

Das Resultat zufriedenstellend, die Leistung ernüchternd. So kann man den 2:0-Sieg der Österreicher am Mittwoch gegen die Republik Moldau zusammenfassen. Allerdings: Den Reaktionen nach war ein Großteil der 633.000 ORF-Seher über den Auftritt des ÖFB-Teams dermaßen enttäuscht, dass sich nur wenige auch über die drei Punkte freuen konnten.

Woher die Ernüchterung rührt, ist klar: Nur gut zwei Monate ist es her, dass die Österreicher im EM-Achtelfinale den späteren Europameister Italien mit einer starken Leistung an den Rand einer Niederlage drängten.

Die Messlatte haben sich Österreichs Protagonisten also selbst hochgelegt. Allerdings: Dass der Ausflug nach Chisinau nicht zum fußballerischen Leckerbissen werden würde, musste man aufgrund gewisser Umstände sogar befürchten. Und damit sind weder die Ausfälle von Kalajdzic, Xaver Schlager, Baumgartlinger, Sabitzer und die Schonung von Alaba und Dragovic gemeint, noch die kurze Vorbereitungszeit.

Vielmehr war das Gezeigte nur eine Fortsetzung dessen, was die Österreicher jüngst in vergleichbaren Spielen offenbart hatten.

Und zwar in Bestbesetzung und mit Vorbereitung. Schon bei der EM gegen Nordmazedonien, im März gegen die Färöer und auch bereits im Herbst haperte es im Ballbesitz – vor allem gegen destruktive, tief verteidigende Gegner.

Oft am Ball

Das ist insofern besorgniserregend, weil die Österreicher sehr oft den Ball haben. Konkret waren es in den vergangenen drei Jahren im Schnitt 57 Prozent Ballbesitz (Quelle: Wyscout). Und: Es ist nicht davon auszugehen, dass sich an diesem Umstand allzu bald etwas ändern wird. Zum einen nicht, weil man davon ausgehen muss, dass die Gegner diese Schwäche erkennen und den Österreichern oft freiwillig den Ball überlassen. Zum anderen, weil mehr und mehr Spieler in rot-weiß-rot selbst dominant auftreten wollen. Sei es im Spiel gegen den Ball mit hohem und aggressiven Pressing oder, wenn am Ball sind.

World Cup - UEFA Qualifiers - Group F - Moldova v Austria

Man muss kein Prophet sein um zu erkennen, dass Österreichs Offensivspiel im bevorstehenden Jahrzehnt von zwei Namen getragen werden wird: Christoph Baumgartner und Yusuf Demir. Fodas Umgang mit Letzterem offenbart seine grundsätzliche Denkweise vom verhaltenen, auf Sicherheit bedachten Fußball.

Auf die Frage, wieso er den Techniker am Mittwoch nicht berücksichtigt hat, führte der Teamchef seine taktischen Überlegungen an. Er habe mit Flankenspiel auf Gregoritsch das dichte Zentrum des Gegners knacken und mit dem kopfballstarken Mittelstürmer auch deren Standardsituationen verteidigen wollen. Sprich: Foda hat die Stärken Moldaus mehr berücksichtig, als jene seiner eigenen Akteure im Allgemeinen und eines Barcelona-Spielers im Speziellen.

Die Folge dessen: Österreich konnte über 90 Minuten kaum klare Chancen herausspielen, auch wenn zwei Leistungsträger kurz nach Spielende in Chisinau davon nichts wissen wollten. Marko Arnautovic meinte, es habe nur die Chancenverwertung nicht gepasst, Martin Hinteregger sprach gar von sieben oder acht Toren, die man hätte erzielen können.

Kaum gute Chancen

Das zu widerlegen, ist relativ einfach. Österreich erreichte in der Statistik der zu erwartenden Tore („expected goals“), bei der die Qualität der Chancen anhand von Parametern wie Schuss-Entfernung, Winkel und Verteidiger zwischen Ball und Tor berechnet wird, den bescheidenen Wert von 1,25.

Diesen zu übertreffen gelingt mit guten Spielern, die auch aus Halbchancen Tore machen, sprich durch individuelle Qualität wie jene Christoph Baumgartners beim Tor zum 1:0 aus mehr als 22 Metern. Was wäre möglich, würde man diese Qualität weiter forcieren ... ?

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