Nach dem Hymnen-Protest bei der WM: Irans Fußballer sangen wieder

FIFA World Cup Qatar 2022 - Group B - Wales v Iran
Vor dem Duell gegen Wales hielt sich nur einer zurück, die Iraner feierten einen emotionalen Sieg. Aufregung um Fan mit Protest-Shirt.

Vor dem zweiten Spieltag in Gruppe B war zunächst einmal für Waliser eine gute Nachricht überbracht worden. Ihre bunten Hüte, die den Veranstalter zunächst zu sehr an die verbotenen Regenbogen-Farben erinnert haben, waren diesmal erlaubt.

Doch mit Spannung war vor allem erwartet worden, wie die iranischen Fußballspieler diesmal handeln würden. Die Fußballer, die in der Heimat unter Druck von beiden Seiten (Regime und Protestierenden) stehen, hatten sich vor dem ersten Spiel gegen England dazu entschieden, bei der Hymne der Islamischen Republik nicht mitzusingen - wie zuvor schon bei Testspielen. 

Diesmal wurde wieder gesungen, wenn zum Teil auch verhalten. Alle elf Akteure bewegten am Freitag in Al-Rajjan relativ regungslos und ohne große Leidenschaft ihre Lippen. Im Publikum war ein Fan mit Iran-Fahne zu sehen, der währenddessen bitterlich weinte. Einer der schärfsten Kritiker, Sardar Azmoun, hielt sich vorsichtig zurück.

Nach dem Hymnen-Protest bei der WM: Irans Fußballer sangen wieder

Deutschland-Legionär Sardar Azmoun (Mitte) hielt sich zurück

Wieviel Druck auf den Iranern bei dieser WM lastet, war zu sehen, als dieser beim ersten Tor in Minute 98 von ihnen abfiel. Emotionaler Jubel, keine Rede mehr von Jubelboykott. Beim 2:0 in der 101. Minute schienen alle Dämme zu brechen. Ausgewechselte Spieler feierten mit den Fans in den ersten reihen, die Spieler freuten sich gemeinsam.

Nach dem Match wurde Trainer Carlos Queiroz von den Spielern in die Luft geworfen. Er hatte vor dem Spiel versichert, man könne sich auf Fußball konzentrieren, das 2:6 gegen England sei "abgehakt".

Nach dem Spiel nannte er das Ergebnis eine "Nachricht für die ganze iranische Gesellschaft".

Nächstes emotionales Spiel

Am 2.12. geht es in einem emotionalen und hochpolitischen Spiel in Doha gegen die USA. Dieses WM-Prestige-Duell hatte der Iran 1998 in Frankreich mit 2:1 gewonnen. Jetzt haben es die Iraner selbst in der Hand, um den Aufstieg zu kämpfen.

Auch wenn Trainer und Goalgetter mehrmals darauf verwiesen haben, sich jetzt ausschließlich auf Fußball konzentrieren zu wollen - momentan wird sich vermutlich kaum ein iranischer Spieler zu 100% auf Fußball konzentrieren können. 

Dennoch Proteste

Im Stadion war Fußball nicht für alle Zuschauer im Vordergrund. Während der iranischen Hymne protestierten Fans mit Buhrufen und Pfiffen, einige Menschen brachten Botschaften des Protests gegen die Unterdrückung im Iran mit ins Stadion.

Die Security hat vor Beginn des Spiels Wales - Iran am Freitag im Ahmad bin Ali-Stadion in Al Rayyan einen Fan aus dem Stadion eskortiert, weil er auf einem Shirt Unterstützung für die Protestierer gegen die Regierung im Iran dokumentiert hatte. Laut Augenzeugen trug der Mann ein Shirt mit der Parole der Anti-Regierungs-Proteste "Frauen, Leben, Freiheit".

Warum der Fan tatsächlich aus dem Stadion geführt wurde, war zunächst unklar. Die Pressebeauftragten im Stadion für die FIFA beantworteten eine Anfrage zunächst nicht, eine Stellungnahme des Stadionsmanagers wurde für später angekündigt. Ein Sprecher des Organisationskomitees verwies auf die Liste der in den Stadien verbotenen Gegenstände und Symbole, machte aber keine Angaben, welches verbotene Symbol der Fan gezeigt hatte. Die Regeln verbannen Symbole mit "politischen, beleidigenden oder diskriminierenden Botschaften".

Eine andere Anhängerin aus dem Iran, die ebenfalls die Proteste gegen die Regierung unterstützt, erzählte, dass sie ein T-Shirt an der Security vorbei ins Stadion gebracht habe, dass aber ihre Freunde wegen deren T-Shirts mit der Botschaft "Women Life Freedom" abgewiesen wurden.

Kommentare