© Franz Gruber

Sport Fußball
10/13/2019

Marc Janko über Licht und Schatten des Nationalteam-Erfolges

"Es kann nicht sein, dass sich Politiker immer dann mit Sportlern und Mannschaften ins Bild rücken, wenn es etwas zu feiern gibt."

von Marc Janko

Nach dem Sieg und der Niederlage der Slowenen kann man die Formulierung kommunikationstechnisch nun endlich richtig anwenden: „Die Richtung stimmt“. Nämlich dieses Mal wirklich.

Aber der Reihe nach: Der Druck war groß, und die etwas zerfahrene Anfangsphase verdeutlichte rasch und eindrücklich die Wichtigkeit dieser Partie. Verlieren verboten galt gleichermaßen für beide EURO-ambitionierten Auswahlen. Mit so einem Rucksack spielt es sich halt nicht so leicht, wie man meinen würde. Wer bei solch einer Ausgangslage dennoch ein Fußballfest erwartete, wurde schnell aus seinen Träumen gerissen.

Zu laute Kritik

Möglicherweise bin ich von Befangenheit nicht vollends freizusprechen, aber ich kann die eine oder andere kritische Stimme ob der Art des Sieges nur bedingt nachvollziehen. Es ist immer wieder interessant zu beobachten, wie schnell in Österreich die Bäume in den Himmel wachsen. Es scheint, als würden manche in diesem Land den Kahlenberg immer noch mit dem Zuckerhut verwechseln. Denn nicht nur das Ergebnis war an diesem Abend positiv zu bewerten.

Dem Team ist doch vielmehr hoch anzurechnen, dass ihm nach dem missglückten Start in die Quali mit zwei Niederlagen der Turnaround aus eigener Kraft gelungen ist. Und das – hört, hört! – ohne Hilfe eines Psychologen. Shalom, Markus.

Ebenso die Reaktion auf das 0:1 zeigt mir, dass vieles in dieser Mannschaft stimmt, sie lebendig ist und die notwendige Mentalität zeigt. All das, liebe Kritiker, ist nicht selbstverständlich. Ebenso nicht selbstverständlich ist, wie z.B Martin Hinteregger seine ganz persönliche Antwort auf dem Platz nach dem zuletzt wenig rühmlichen „Afterhourgate“ gab. Antizipation, technische Beschlagenheit, gepaart mit Kaltschnäuzigkeit waren die Zutaten für den extrem wichtigen Führungstreffer Marke Traumtor. Auch nicht selbstverständlich ist, wie Valentino Lazaro trotz mangelnder Spielpraxis performt und das so wichtige 1:1 erzielt hat.

Ja, mit Sicherheit gab es schon attraktivere Spiele im altehrwürdigen Ernst-Happel-Stadion. Doch am Ende des Tages zählen in so einer heiklen Phase einer Quali ausschließlich die drei Punkte gegen einen direkten Konkurrenten. Punkt.

Geforderte Politiker

Übrigens liebe Politik: Die Betonung bei „altehrwürdig“ liegt auf alt, also tut endlich was! Das Land braucht ein Nationalstadion, eine Multifunktionsarena, und das idealerweise in Österreichs größter Stadt mit dem mitunter besten Öffi-Netz der Welt, nämlich in Wien.

Es kann nicht sein, dass sich Politiker immer dann mit Sportlern und Mannschaften ins Bild rücken, wenn es etwas zu feiern gibt. Man muss dem Sport generell – ich rede nicht nur vom Fußball – verbunden bleiben und helfend zur Seite stehen, wenn es darum geht, Infrastruktur für Trainings- und Wettkampfbetrieb zu schaffen. Wenn man ständig den Anspruch hat, etwas gewinnen zu wollen, dann muss ein anderes Bewusstsein einkehren.

Ich weiß nicht, wie oft wir z.B. in meiner Nationalteamkarriere bei Platzwarten darum bitten und betteln mussten, dass Trainingsplätze gemäht und bewässert werden.

Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein müssten für eine Landesauswahl, die sich professionell auf ein Spiel vorbereiten will. Wenn am Sonntag gegen Slowenien noch ein „Dreier“ eingefahren wird, gibt’s für uns ziemlich sicher bald was zu feiern.

Man darf gespannt sein, wer sich dieses Mal dann wieder auf die VIP-Tribüne verirren wird und sich dort ablichten und feiern lässt.

Marc Janko, 36, spielte 70-mal für Österreich und erzielte 28 Tore. Aktuell ist er Fußball-Experte bei Sky.

Twitter: @JankoMarc

Instagram: @marcjanko

Facebook: @MarcJanko

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