Janko über Messis Abschied aus Barcelona: "Niemand spielt gratis"

KURIER-Kolumnist Marc Janko.
Fußball ist ein Geschäft, es geht um nackte Zahlen. Messi hat in Barcelona begeistert, aber auch finanziell profitiert.

Messis Tränen bei der Pressekonferenz waren echt, sein Abschied von Barcelona bereitet ihm sicherlich große Schmerzen nach all den Jahren. Hätte er aber unbedingt bei Barcelona bleiben wollen, dann hätte man auf kreativem Wege Mittel gefunden. Auch wenn es gesetzliche Rahmenbedingungen gibt, die einen Verbleib angeblich unmöglich machten. Wo ein Wille, da ein Weg. Das gilt für Barcelona, Messi und vielleicht ganz Spanien. Umgekehrt stelle man sich vor, Messi hätte sich hingestellt und verkündet, dass er auch für ein Butterbrot spielen würde, weil er dem Verein etwas zurückgeben möchte. Was wäre das für ein Erdbeben gewesen, er wäre auch abseits des Sports zur Legende geworden.

Aber ich möchte dieses Thema nicht nur auf Barcelona beschränken, denn das wäre viel zu kurz gegriffen. Beim Fan schwingt generell gerne das Bild von der großen Familie und vom Zusammenhalt mit. Es ist eine Wunschvorstellung einer heilen Welt. Am Ende des Tages gibt es aber in den allerseltensten Fällen Treue und Dankbarkeit. Und auch die vereinstreuen Spieler halten doch die Hand auf und wollen gut verdienen. Niemand spielt gratis, auch ein Messi nicht. Er hat in Barcelona begeistert, hat mit dem Klub viele Erfolge gefeiert, aber er hat auch profitiert und bis zu 70 Millionen pro Saison kassiert.

Alle profitieren vom System

Fußball ist ein beinhartes Geschäft, es geht um nackte Zahlen. Das gilt für beide Seiten, für die Spieler wie für die Vereine. Man darf sich nicht einer Illusion hingeben und stets das Wort „Vereinstreue“ bedeutungsschwanger vor sich hertragen. Ein Verein sieht in einem Spieler das Kapital, das es zu lukrieren gilt. In manchen Ligen werden die Spieler auch als Nummern betrachtet, als jederzeit auswechselbare Angestellte. Daher lastet auf den Spielern extrem viel Druck, wird Woche für Woche Leistung verlangt. Sie dürfen sich aber auch nicht beklagen, weil auch sie von diesem System profitieren.

Nicht nur im Profifußball, sondern generell in unserer Gesellschaft ist der Kontoauszug in den meisten Fällen zum Ausdruck der Wertschätzung geworden. Im Lockdown wurden die Kassiererinnen beklatscht, Lohnerhöhungen wurden versprochen. Geschehen ist danach aber nichts.

Marc Janko ist Fußball-Experte bei Sky – der 38-Jährige spielte 70-mal für das Nationalteam und erzielte 28 Tore.

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