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Sport Fußball
06/27/2021

Lästermaul Arnautovic und der Regenbogen: Die 10 größten EM-Aufreger

Nicht nur Tore sorgten bisher bei der EURO für Gesprächsstoff, sondern auch Rassismus, Toleranz und Fingerspitzengefühl.

von Peter Gutmayer

Das Achtelfinale ist im Gang, in zwei Wochen steigt das Finale und etwas mehr als die Hälfte der EM ist vorbei. Zeit, um auf das bisherige Turnier zurückzublicken. Die ersten beiden EM-Wochen hatten viel zu bieten – Aufreger auf und neben dem Rasen, Enttäuschungen, Überraschungen und natürlich einen ganz großen Schock-Moment. 36 Spiele gab es in der Gruppenphase, über den ganzen Kontinent auf elf Stadien verteilt. Dazu die Spannung und die Rechenspiele bei den Parallel-Partien zum Schluss – da konnte man schon einmal den Überblick verlieren.

Der KURIER erinnert an zehn der aufregendsten Momente der bisherigen EURO 2020.

  • Zusammenbruch: Der Schock wegen Eriksen

Im dritten Spiel der EURO wurde es still im Stadion von Kopenhagen und zu Hause vor den TV-Geräten. Dänemarks Christian Eriksen hatte in der Partie gegen Finnland einen Herzstillstand erlitten, er musste reanimiert werden.

Die emotionalen Bilder seiner Mitspieler gingen um die Welt. Mittlerweile ist klar: Eriksen geht es wieder gut. Er hat einen ICD-Defibrillator bekommen und erholt sich im Kreise seiner Familie. Der Schock in Dänemark ist längst der Euphorie gewichen. Die Mannschaft wird von den Fans getragen – und spielt für Eriksen.

  • Farbenspiele: Der Regenbogen-Streit

    Kaum hatte sich die Aufregung etwas gelegt, rückte ein anderes Thema in den Mittelpunkt – die Regenbogenfarben als Zeichen für Vielfalt und Toleranz. Zunächst untersuchte die UEFA, ob DFB-Keeper Manuel Neuer weiter mit seiner bunten Kapitänsschleife spielen darf. Er darf. Was nicht erlaubt wurde: dass die Arena in München vor dem Ungarn-Spiel in Regenbogenfarben beleuchtet wurde. Weil die UEFA die Aktion als politisch einstufte. Statt München zeigten sich am Spielabend zahlreiche andere Stadien in Deutschland im bunten Gewand. Die Fans beim Spiel erhielten Fahnen und FFP2-Masken im Regenbogen-Style.

    • Bruchlandung: Mit dem Paragleiter ins Stadion

    Komplett in die Hose ging in München eine andere Aktion. Vor dem Spiel Deutschland – Frankreich wollte ein Greenpeace-Aktivist mit einem motorisierten Gleitschirm im Stadion landen. Um gegen EM-Sponsor VW zu protestieren. Problem: Er blieb an einem Stahlseil hängen und geriet ins Taumeln. Er rauschte nur knapp an der Tribüne vorbei und verletzte zwei Männer. Das hätte weit schlimmer ausgehen können. Mit einem Abschuss durch eine Spezialeinheit zum Beispiel.

    • Kniefall: Das Zeichen gegen Rassismus spaltet

    In der Black-Lives-Matter-Bewegung spielt der Kniefall eine zentrale Rolle. Als Zeichen gegen Rassismus gehen viele Spieler vor dem Anpfiff auf die Knie. Viele, aber nicht alle. Die Russen etwa sehen die Geste politisch motiviert. Die UEFA erlaubt sie – als Engagement gegen Rassismus. Auch die Zuschauer haben unterschiedliche Meinungen. In manchen Stadien gibt es vermehrt Pfiffe, etwa in Budapest oder St. Petersburg, in anderen wird applaudiert.

    • Flaschenkinder: Ronaldo löst Boom aus

    Weiter geht es mit einem Cristiano. Ronaldo hat zwischenzeitlich einen wahren Boom ausgelöst. Bei einer Pressekonferenz schob er, der extrem auf gesunde Ernährung achtet, die Coca-Cola-Flaschen demonstrativ zur Seite. Dafür gab es prompt eine Rüge der UEFA, handle es sich doch um einen wichtigen Sponsor. Der Getränke-Riese wird es verkraften, zumal in den kommenden Tagen einige Spieler den Spieß umdrehten. Sie rückten die Getränkeflaschen in die Mitte und baten sogar um einen Werbevertrag. Paul Pogba hingegen räumte die Bierflaschen ab. Das sei erlaubt, weil er Moslem ist und keinen Alkohol trinkt, meinte die UEFA. Es handelte sich jedoch um alkoholfreies Bier.

    • Lästermaul: Arnautovic schimpfte sich ins Out

    Aufregung gab es auch um ÖFB-Star Marko Arnautovic. Der freute sich nach seinem Tor zum 3:1-Endstand in der ersten Partie gegen Nordmazedonien so sehr, dass er seinen Emotionen freien Lauf ließ und wild drauflos schimpfte. Nicht einmal David Alaba konnte ihn beruhigen. Die UEFA ermittelte, sogar ein Turnier-Ausschluss stand im Raum. Schließlich gab es ein Spiel Sperre, Arnautovic durfte sich gegen die Niederländer unfreiwillig ausruhen.

    EURO 2020: TRAINING DES ÖFB-TEAMS IN SEEFELD
    • Kunststöße: Traumtore von Schick und Modric

    Die schönsten Momente im Fußball sind immer noch die Tore. Und einige Spieler haben auch bei dieser EURO spektakulär getroffen. Der Tscheche Patrik Schick etwa beförderte den Ball aus knapp 50 Metern ins Netz – wahrscheinlich jetzt schon das Tor des Turniers. Aber auch Kroatiens Luka Modric per Außenrist oder Italiens Manuel Locatelli haben es ordentlich krachen lassen.

    • Torheiten: Helden und Deppen im Strafraum

    Manchmal passieren aber auch Missgeschicke – bei dieser EM häufiger als bei jeder anderen zuvor. In der Gruppenphase fielen schon acht Eigentore, 2016 waren es insgesamt nur drei. Besonders spektakulär haute sich der slowakische Tormann Martin Dubravka den Ball gegen die Spanier ins eigene Gehäuse. Ein EM-Höchstwert wurde auch bei Strafstößen erreicht (bisher 14). Dass sechs davon nicht verwandelt wurden, ist ebenfalls Rekord.

    • Der 109er: Ronaldo bricht alle Rekorde

    Wer Elfmeter verwandeln kann, ist Cristiano Ronaldo. Bei dieser EM hat er schon drei versenkt, insgesamt hält er damit bei fünf Treffern. Bemerkenswert: Mit seinem 109. Länderspieltor hat er den Weltrekord des Iraners Ali Daei geknackt. Bei Welt- oder Europameisterschaften hat er aktuell 21 Mal getroffen – Platz eins. Und noch ist er ja nicht ausgeschieden.

    • Puskas bebt: Volle Ränge in Budapest

    Budapest ist aktuell das einzige volle Stadion bei der EM. Die Bilder von 68.000 Fans in der Puskas-Arena sorgen in Zeiten von Corona für Staunen, teilweise auch für Entsetzen. Auf jeden Fall sind sie extrem ungewohnt. Genauso wie die Geräuschkulisse für die Spieler, die einander bei so einer Lautstärke plötzlich auf dem Platz nicht mehr so gut verstehen. Das nutzen die Franzosen jedenfalls als Ausrede für das 1:1 gegen die Ungarn.

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