Alfred Hörtnagl (2. vo. li.) nimmt seinen Hut, 13 weitere Personen werden ihm folgen. 

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Sport | Fußball
06/19/2019

Kündigungen, Verkäufe, Sparkurs: Wie es mit Wacker weiter geht

Dem Zweitligisten stehen nur 850.000 Euro für das Profiteam zur Verfügung. Ohne Unterstützung droht der Rückzug in den Amateurfußball.

Am Dienstag erst sorgte Gerhard Stocker bei einem Funktionärskollegen aus der Tipico Bundesliga wieder für Kopfschütteln und baffes Erstaunen. Als der Präsident des FC Wacker Innsbruck seinem Amtskollegen nämlich vorrechnete, mit welchem Budget der Traditionsverein nun nach dem Abstieg das Auslangen finden muss. "Es glaubt ja keiner, unter welchen Voraussetzungen wir hier seit Jahren arbeiten. Alle sagen: Das ist nicht möglich, so kann man nicht überleben."

Der zehnfache Meister hat aktuell in der zweiten Liga einen Etat von knapp drei Millionen Euro Liga. Das hört sich nach mehr Geld an, als es tatsächlich ist. Allein die Miete des Tivolistadions fällt mit ungefähr einer Million Euro ins Gewicht. Zieht man dann noch die Kosten für die 16 Nachwuchs- und Damenmannschaften sowie die Ausgaben für Administration und Aufwand (Reisen zu Auswärtsspielen) ab, bleiben für den Profikader gerade noch 850.000 Euro übrig.

Mit diesem Spieler-Budget befindet sich der FC Wacker Innsbruck in der zweiten Bundesliga im hintersten Feld. "Uns ist es teilweise nicht einmal möglich, die Kollektivverträge zu bezahlen", gesteht Sportdirektor Alfred Hörtnagl. "Einige spielen bei uns praktisch gratis."

14 Kündigungen

Unter diesen Voraussetzungen ist es nahezu unmöglich, weiterhin Profifußball zu betreiben. Das verdeutlichte Präsident Gerhard Stocker am Mittwoch bei der sogenannten "Zukunftspressekonferenz", in der es um die Neuausrichtung bzw. die Zukunftsszenarien des Vereins ging. Sollte sich die Situation nicht verbessern, sollte das Budget in den kommenden drei Monaten nicht noch um eine Million Euro aufgestockt werden, dann "werden wir in allen Bereichen zurück fahren müssen", erklärt Gerhard Stocker. Heißt übersetzt: Wacker wird einige seiner Mannschaften auflösen und sich im Worst Case in Zukunft sogar komplett in den Amateurfußball zurück ziehen.

Eine erste Konsequenz hat der Klub inzwischen bereits gezogen: Der FC Wacker kündigte mit Stichtag 30.Juni die 14 Mitarbeiter der Geschäftsstelle. Darunter befindet sich auch Sportchef Alfred Hörtnagl. Die Profimannschaft und der aktuelle Trainerstab rund um Thomas Grumser sind von den Kündigungen nicht betroffen. "Wir haben alle unter menschenunwürdigen Zuständen gearbeitet", sagt Präsident Stocker.

Die Folgen

Aber wie soll's nun mit dem Traditionsverein weiter gehen? Was werden und sollen die kommenden Wochen bringen? Wo sieht der Verein seine Zukunft?

  • Neuausrichtung

Die Innsbrucker haben sich davon verabschiedet, bald wieder der höchsten österreichischen Spielklasse anzugehören wollen. Lange Tradition hin, vergangene Erfolge her - die Zukunft des FC Wacker liegt in der Ausbildung und Förderung junger Spieler. Nach dem Aufstieg des Lokalrivalen Wattens in die Bundesliga bleibt den Innsbruckern freilich auch nichts anderes übrig. "Ein Aufstieg in die Bundesliga ist für Wacker schlicht nicht möglich", weiß Alfred Hörtnagl, "das hat keinen Sinn, weil die Rahmenbedingungen fehlen. Wacker muss sich neu positionieren als Plattform für junge Spieler."

  • Entschuldung

Als Gerhard Stocker den Verein vor zweieinhalb Jahren übernahm, plagten den Verein noch ärgere Finanzsorgen. Knapp zwei Millionen, so berichtet der Präsident, hätten damals gefehlt. "Wir sind zweieinhalb Jahre lang auf der Rasierklinge spazieren gegangen." Durch intensive Sparmaßnahmen und dank Spielerverkäufen konnte das Minus permanent reduziert werden, so dass Stocker nun sogar davon ausgeht, "dass der Verein mit 30.Juni entschuldet ist. Dann ist ein richtiger Neustart möglich. Wir haben es kaufmännisch im Griff."

  • Spielerverkäufe

So sehr Sportchef Alfred Hörtnagl für seine Visionen ("2020 spielt Wacker international") und seine Trainerentscheidungen (Maurizio Jacobacci, Thomas Grumser) kritisiert wird, mit seinen Spielerverkäufen ist er maßgeblich verantwortlich, dass es den FC Wacker heute überhaupt noch gibt und dass mit Stichtag 30.Juni die Altlasten abgearbeitet sind. "Wir haben in den zweieinhalb Jahren drei Millionen Euro an Transfererlösen generiert", rechnet Hörtnagl vor. In den kommenden Wochen sollen auch noch die letzten Spieler mit längerfristigen Verträgen (Christopher Knett, Daniele Gabriele, Stefan Peric) verkauft werden, das große Tiroler Talent Matthäus Taferner könnte zusätzlich Geld bringen.

  • Stadion

Um Kosten zu sparen wird der FC Wacker in der kommenden Saison nur einen Teil des Tivolistadions benützen. Bei Heimspielen sollen künftig nur zwei Tribünen geöffnet werden, die Nordtribüne mit den Ultra-Gruppierungen sowie eine der Längstribünen. Zudem überlegen sich die Innsbrucker, auf den riesigen VIP-Klub zu verzichten und in einen kleineren Raum zu übersiedeln. Allerdings sollen nicht alle Sponsoren von diesem Vorschlag angetan sein. Übrigens wird auch Bundesliga-Aufsteiger Wattens nur zwei Tribünen des Tivolistadions benutzen.

  • Sponsoren

Die wichtigsten Geldgeber der Vergangenheit halten dem Verein zwar die Treue, zum erwünschten Budget von vier Millionen Euro fehlt aber noch einiges. Auch deshalb veranstaltete Präsident Stocker am Mittwoch die "Zukunftspressekonferenz." Es ist bei Gott nicht das erste Mal, dass rund ums Tivolistadion solche Appelle zu vernehmen sind. "Aber im Gegensatz zur Vergangenheit geht es diesmal um vergleichsweise kleinere Brötchen", meint Stocker. "Ich hoffe, dass die Öffentlichkeit diesen Weg mit uns gehen will."

Bis September will der Präsident "rudern, was möglich ist." Sollte die Situation dann noch immer so aussichtslos sein, dann "werden wir die notwendigen Schritte einleiten." Und der FC Wacker könnte endgültig ins Abseits rücken.