Aus dem vollen Haus gegen West Ham wird ein Geisterspiel. Am Samstag folgt gegen Altach der Abschied von den Rapid-Fans

© APA/EXPA/FLORIAN SCHROETTER

Sport Fußball
11/19/2021

Krisenstab bei Rapid rund um das Trainer-Debüt von Steffen Hofmann

Während gegen Altach die Wende gelingen soll, geht es in Hütteldorf zwischen der Rückkehr zu Geisterspielen, Sponsor-Deals und einem Millionenschock rund.

von Alexander Huber

„Wir haben den Krisenstab einberufen.“ Geschäftsführer Christoph Peschek macht kein Geheimnis daraus, dass es seit den ersten Lockdown-Gerüchten bei Rapid drunter und drüber geht. Als wären die Rückkehr der Geisterspiele, ein Millionenschock, eine abgesagte Hauptversammlung und ein neuer Sponsor nicht schon genug, kommt es beim vorerst letzten Spiel mit Fans gegen Altach auch noch zum Trainer-Debüt von Rekordspieler Steffen Hofmann.

Hofmanns Premiere

Mit einem 4:1-Sieg und einem Tor im 540. Pflichtspiel hat Steffen Hofmann am 20. Mai 2018 seine Karriere gegen Altach beendet. Gegen Altach gibt der im Duett mit Thomas Hickersberger agierende Interimstrainer sein Debüt als Profi-Coach. „Die Fans werden ein leiwandes Spiel sehen. Wir haben einen guten Spirit und einen Plan“, verspricht er. Die Statistik spricht dafür: Seit der Deutsche 2002 nach Wien kam, haben sieben Rapid-Trainer ihr Liga-Debüt gewonnen und nur einer verloren (siehe unten).

Neuer Stil

„Die Stärke bei Umschaltmomenten soll bleiben, aber wir wollen mehr Ruhe im Ballbesitz“, kündigt Hofmann an. „Dafür gibt es klare Vorgaben.“ Kitagawa wollte beim neuen Stil dabei sein, fehlt aber nach der Geburt seines ersten Kindes. Talent Moormann dürfte in der Innenverteidigung Max Hofmann ersetzen. Der mit J+J geimpfte Kapitän (ein Stich) wurde von der Behörde als K1-Person in Quarantäne geschickt.

Neuer Zugang

Zwischen all den Enttäuschungen und Verletzungen wurde Ex-Trainer Kühbauer (teils verständlicherweise) immer grantiger. Hofmann versucht es mit einem neuen Zugang. Der 41-Jährige gibt sich ungewohnt locker, optimistisch und humorvoll: „Ich habe keine Sekunde daran gedacht, dass wir verlieren könnten. Wir sind Rapid, haben tolle Jungs. Wir werden gewinnen, fertig.“

Zu der von Sportchef Barisic eingeräumten Macht, über die Aufstellung die Letztentscheidung zu haben, scherzt der Deutsche: „Es ist doch schön, etwas entscheiden zu dürfen. Zuhause macht das jemand anderer.“

Millionenschock

Am Donnerstag kommt West Ham zum Schlager in der Europa League nach Hütteldorf. Erstmals seit dem Europacup-Hit gegen die Glasgow Rangers 2018 (1:0) war das Stadion restlos, also auch der Gästesektor, ausverkauft. Es folgte das UEFA-Urteil, dass aus London keine Fans anreisen dürfen. Während Rapid mit der UEFA noch abklärte, ob diese Karten noch einmal – an Rapidler – verkauft werden dürften, war mit dem Lockdown samt Geisterspielen alles anders: Rund eine Million Umsatz könnte ersatzlos weg sein.

Vergangenes Jahr hat Rapid im Europacup rund drei Millionen verloren, weil sich der Sportligenfonds nur auf die Meisterschaft beschränkt hat. „Da die Ticketeinnahmen schon verbucht sind und zusätzlich Catering wie Sicherheitsdienst bestellt sind, gibt es gute Argumente, dass wir diesmal eine Rückzahlung bekommen“, hofft Peschek.

Keine Hauptversammlung

Hauptversammlungen sind für die Verantwortlichen in Krisenzeiten kein Honiglecken. Die kritischen Fragen der Mitglieder im Stadion sind im Lockdown aber nicht erlaubt: Der Termin Montagabend muss auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Damit gibt es auch noch keine Abstimmung über den Fan-Antrag, innerhalb eines Jahres ein „SK Rapid Frauenteam“ zu gründen.

Frisches Kryptogeld

Mit Crypshark steigt erstmals eine „digitale Wechselstube für Kryptowährungen“ im großen Stil in Österreichs Fußball ein. Der neue Premiumsponsor hätte einen (nicht ganz so zahlungskräftigen) Ersatz für OMV darstellen können. Ex-Boss Rainer Seele ließ ausrichten, dass mit Jahresende das Engagement des Mineralöl-Konzerns auslaufen wird. Nach dem Wechsel an der OMV-Spitze und Rekordgewinnen gibt es in Hütteldorf aber neue Hoffnung auf eine Verlängerung.

Zu den Verhandlungen mit Wien Energie, den mit Saisonende auslaufenden Vertrag als Hauptsponsor zu verlängern, sagt Peschek: „Wir sind in guten Gesprächen.“

Ligastart der Rapid-Trainer

Die zehn Coaches seit der  Hofmann-Verpflichtung 2002 und ihr erstes Ligaspiel:
 
Josef Hickersberger 4:0-Sieg (im Jahr 2002/gegen Sturm)
G. Zellhofer 2:0 (2006/Mattburg)
P. Pacult 1:1 (2006/Salzburg)
Z. Barisic 3:0 (2011/Innsbruck)
P. Schöttel 2:0 (2011/Admira)
Z. Barisic 2:2 (2013/Austria)
M. Büskens 5:0 (2016/Ried)
D. Canadi 1:2 (2016/Salzburg)
G. Djuricin 3:0 (2017/Altach)
D. Kühbauer 1:0 (2018/Mattburg)

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