© REUTERS/STRINGER Argentina

Sport Fußball
11/26/2020

"Fühle mich nicht wohl": Wie Maradona sich und seine Familien zerstörte

Die letzten Worte Maradonas könnten für viele Situationen seines Lebens Gültigkeit haben. Auch seine Familien hatten zu kämpfen.

von Bernhard Hanisch, Günther Pavlovics

Diego Maradona kämpft mit den Tränen. Seine Hand knetet einen Rosenkranz, so als könnte der als letztes Mittel noch die Wende bringen. Und er nimmt es hin. Fassungslos, bewegungslos und vor allem reaktionslos. Es ist das WM-Viertelfinale 2010 in Südafrika. 0:4 – die Deutschen haben kein Erbarmen, schmeißen Argentinien in Kapstadt aus dem Turnier.

Ob befähigt oder nicht, Maradona musste Argentiniens Teamchef werden, pure Göttlichkeit reichte als Qualifikation. Ein Sinnbild, die treffsichere Beschreibung des Diego Maradona: Der Ballkünstler, der angebetete Held, scheitert am Rande des Rasens, lässt zu, was mit ihm geschieht. Wie so oft. Gründlich und kläglich. In seinem neuen Hauptberuf, der nichts anderes verlangt als ewig Diego Maradona zu sein.

Die letzten Worte

"Ich fühle mich nicht wohl." Das sagte er am Mittwoch nach dem Frühstück. Es waren seine letzten Worte, um 11.30 Uhr war er tot. Wohlgefühlt hat sich Maradona nur auf dem Fußballplatz, dort kickte der Zauberer seine Eskapaden in die Vergessenheit.

Mit dem Ende seiner Karriere 1994 verlor er zusehends den Boden unter den Füßen. Als Trainer war er mit Ausnahme seiner Teamchefzeit meist nur Aufputz für reiche Chefs unbedeutender Klubs in Arabien oder Mexiko.

2000 während seines Drogenentzugs auf Kuba lernte er Fidel Castro kennen. Die Freundschaft auch mit anderen linken Politikern aus Lateinamerika, wie Chavez, Maduro und Morales, passte politisch zum Underdog aus dem Armenviertel aus Buenos Aires. Sein skurriler Auftritt vor zwei Jahren in Weißrussland ließ ihn aber nur noch als bezahlte Marionette dastehen.

Auch privat lief alles aus dem Ruder. Maradona gerierte sich als Familienmensch, was ihn nicht hinderte seine Familie zu ruinieren. 1989 heiratete er seine langjährige Freundin Claudia Villafañe, die in seiner Nachbarschaft im Armenviertel Villa Fiorita aufgewachsen war und die eine gute Partie war, weil ihr Vater ein Taxi besaß. Aus dieser Verbindung stammen zwei Töchter: Dalma (33) und Giannina (31).

Doch schon zuvor ging aus einer Beziehung in Neapel Diego Armando jr. (34) hervor. Acht Kinder von sechs Frauen sind bekannt, erst im Frühjahr erkannte er die Vaterschaft dreier Kinder aus Kuba an. Dort weilte er zwischen 2000 und 2005 für Drogenentzugstherapien. Die Ehe mit Claudia Villafañe wurde 2004 geschieden.

Giannina heiratete ein paar Jahre später den Fußballer Sergio Aguero und machte Diego mit Sohn Benjamin zum Großvater. Doch als sich der Stürmerstar vor sieben Jahre von Giannina scheiden ließ, wurde er zum Feindbild.

Abkehr von den Töchtern

Im letzten Jahr aber hat er sich auch von den Töchtern entfernt. Giannina schrieb nach der intimen Feier zum 59. Geburtstag: "Sie bringen ihn langsam von innen um – und er merkt es nicht." Ihr Vater habe auf einem Stuhl gesessen und sei wie weggetreten gewesen, ihm sei Flüssigkeit aus der Nase gelaufen, später habe er erbrochen. Doch niemand habe sich um ihn gekümmert, bis sie selbst eingeschritten sei und den Vater niedergelegt habe. Maradona teilte daraufhin in seiner Videobotschaft mit, dass er seinen Töchtern nichts zu vererben gedenke: "Ich werde alles spenden."

Diego Maradona died at age 60

Vor sieben Jahren erzählte Maradona von einem Telefongespräch mit dem damals vier Jahre alten Enkel Benjamin. "Damit er sich keine Sorgen macht, hab ich ihm gesagt, dass sein Opa für immer an seiner Seite sein wird – bis zum Tod." Das einzige Familienmitglied, das bei Maradonas Tod in der Villa war, war sein Neffe Johnny Esposito.

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