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© APA/AFP/ALEJANDRO PAGNI / ALEJANDRO PAGNI

Sport Fußball
11/26/2020

Fans drangen bei Maradona-Totenwache in Regierungssitz ein

Die Polizei setzte Tränengas, Gummigeschosse und Wasserwerfer ein, um die aufgebrachten Fans zu zerstreuen. Maradona wurde im engsten Familienkreis beigesetzt.

Einen Tag nach seinem Tod ist der legendäre argentinische Fußballspieler Diego Maradona im engsten Kreis beigesetzt worden. Der Weltmeister von 1986 wurde am Donnerstag auf dem Privatfriedhof Jardín de Bella Vista in einem Vorort von Buenos Aires an der Seite seiner Eltern bestattet. An der Beisetzung nahmen nur seine Angehörigen und enge Freunde teil.

Auch Präsident Alberto Fernandez nahm Abschied von dem wohl berühmtesten Sohn des Landes. Er umarmte Maradonas Töchter Dalma und Gianinna und legte ein Trikot von Maradonas erstem Verein Argentinos Juniors und ein Kopftuch der Menschenrechtsgruppe "Großmütter der Plaza de Mayo" auf dem Sarg ab. Vizepräsidentin Cristina Fernandez nahm Maradonas Ex-Frau Claudia Villafane in den Arm und drapierte Rosenkränze auf dem Sarg.

Tausende Menschen waren zuvor in der Hauptstadt Buenos Aires am La Bombonera genannten Stadion seines früheren Klubs Boca Juniors und dem Obelisken im Stadtzentrum zusammengekommen, um ihres Idols zu gedenken. Auf elektronischen Anzeigetafeln über der Stadtautobahn und in U-Bahn-Eingängen war zu lesen: "Danke Diego".

"Er hat uns mit Freude überfüllt"

"Heute ist ein sehr trauriger Tag für alle Argentinier", sagte Staatschef Alberto Fernández im Fernsehsender TyC Sports. "Diego hat Argentinien in der Welt repräsentiert, er hat uns mit Freude erfüllt, und das werden wir niemals vergelten können." Der Präsident ordnete eine dreitägige Staatstrauer an.

Maradona wurde im Präsidentenpalast von Buenos Aires aufgebahrt. Am Donnerstag konnten die Argentinier von ihrem Idol Abschied nehmen. Der Sarg mit den sterblichen Überresten sei in der Nacht auf Donnerstag in einem Krankenwagen in die Casa Rosada gebracht worden, berichteten örtliche Medien. Tausende Menschen standen schon vor Sonnenaufgang Schlange, um Abschied von Maradona nehmen zu können. Familienangehörige und enge Freunde waren bereits vorher eingelassen worden. Nach dem Willen seiner Familie soll Maradona noch am Donnerstag auf einem privaten Friedhof in einem Vorort von Buenos Aires beigesetzt werden, wie lokale Medien berichteten.

Gewalttätige Auseinandersetzungen

Nicht alles verlief friedlich: Bei der Totenwache drangen Fans mit Gewalt in den Regierungspalast Casa Rosada ein. Einige kletterten über den Zaun vor dem Eingang und verschafften sich Zugang zur Casa Rosada, wie im Fernsehen zu sehen war. Offenbar befürchteten sie, nicht mehr zu dem Sarg ihres Idols vorgelassen zu werden, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Menge zu zerstreuen. Im Inneren des Regierungssitzes wurde Maradonas Sarg in einem anderen Raum in Sicherheit gebracht.

Auch auf den Straßen vor dem Regierungsgebäude im historischen Zentrum von Buenos Aires kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Aufgebrachte Fans schleuderten Steine und Flaschen auf die Polizei, die Beamten feuerten Gummigeschosse in die Menge und setzen Wasserwerfer ein.

Vor dem Eingang der Bombonera im Hafenviertel Boca zündeten Fans Kerzen an, legten Blumen nieder und hängten Rosenkränze auf. "Er ist eine Legende. Wir werden ihn vermissen", sagte eine Frau namens Patricia im Fernsehsender TN. Sie saß auf dem Boden, umarmte ihren Sohn und kämpfte mit den Tränen. "Er wird als der Größte in Erinnerung bleiben." Maradona-Fan Diego sagte: "Das ist ein harter Schlag. Er war der größte Spieler der Geschichte. So einen wie ihn wird es nie mehr wieder geben."

Bis zu einer Million Trauergäste

Am Donnerstag konnten die Argentinier im Regierungspalast Casa Rosada von Maradona Abschied nehmen. Diese Ehre war zuletzt Ex-Präsident Néstor Kirchner vor zehn Jahren zuteilgeworden. Inmitten der Corona-Pandemie rechnet die argentinische Regierung nun mit bis zu einer Million Trauergästen.

"Ich habe einen großen Freund und die Welt hat eine Legende verloren", schrieb das brasilianische Seleção-Idol Pelé (80) bei Twitter. "Ich hoffe, eines Tages können wir im Himmel zusammen Fußball spielen."

Nur ganz wenige Fußballer wurden wie Maradona und Pelé zu echten Ikonen ihres Sports. In Argentinien konnten sich die Fans im neuen Jahrtausend in Lionel Messi (33) verlieben - mit Maradonas fast väterlichem Segen. "Er verlässt uns, aber er geht nicht weg, weil Diego ewig ist", schrieb Messi auf Instagram. "Ich behalte all die schönen Augenblicke in Erinnerung, die ich mit ihm erlebt habe."

Diego Maradona died at age 60

Gesundheitliche Probleme

Im Jahr 1986 wurde Maradona mit Argentinien Weltmeister, sein mit der "Hand Gottes" erzieltes Tor während des Turniers steht in den Fußball-Geschichtsbüchern. Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge, im Finale als Kapitän mit Deutschland unterlegener Gegner, würdigte den Verstorbenen: "Mit Diego Maradona geht einer der größten Fußballer der Geschichte von uns. (...) Ich bin stolz, ihn auf dem Platz erlebt haben zu dürfen."

Immer wieder hatte der Superstar von einst nach dem Ende seiner aktiven Karriere mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Im Jahr 2000 diagnostizierten Ärzte ein Herzleiden, verursacht durch Kokainkonsum. Es folgten Entziehungskuren und eine Magenverkleinerung. Zuletzt wirkte Maradona aber wieder extrem angeschlagen. An seinem 60. Geburtstag vor vier Wochen mussten ihn Begleiter beim Gehen stützen.

Zurück nach Argentinien

Nach dem Ende seiner Profikarriere trainierte Maradona die argentinische Nationalmannschaft, Al-Fujairah SC aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und den mexikanischen Zweitligisten Dorados Sinaloa. Im vergangenen Jahr übernahm er schließlich den Erstligisten Gimnasia y Esgrima La Plata in seinem Heimatland Argentinien.

Argentina in mourning after Maradona died

Auch vor dem Stadion seines letzten Klubs kamen Maradonas Anhänger am Mittwoch zusammen, um Abschied zu nehmen. "Wir hatten das Glück, dass das Schicksal uns seine letzten Monate hier bei uns geschenkt hat", sagte ein Fan im Fernsehen. "Ich verspüre großen Schmerz. Ich kann es immer noch nicht glauben."

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