"Hochrisiko-Milieu" für Missbrauch: Hat der Fußball ein Problem?

FC Bayern Muenchen vs. TSG 1899 Hoffenheim - 1. Bundesliga
"Sport drückt bei Fehlverhalten zu oft ein Auge zu". Zu dieser und anderen Erkenntnissen kam die Fifpro in ihrem Bericht.

Die internationale Spielervereinigung Fifpro hat in einem Bericht dem institutionalisierten Fußball erhebliche Defizite bei der Prävention von und dem Umgang mit Missbrauch von Spielerinnen und Spielern attestiert. "In jedem Fall kann es keinen Zweifel daran geben, dass der Fußball ein weit verbreitetes Problem hat", teilte die Organisation am Dienstag mit. Der Fußball sei "ein Hochrisiko-Milieu".

"Für viele in der Fußballbranche sind sexuelles Fehlverhalten, Belästigung und Missbrauch ungewohnte und sogar unangenehme Themen", heißt es in dem Bericht. "Bislang haben sich fast alle Sportverbände schwer damit getan, dieses Thema richtig anzugehen."

In der zehnseitigen Analyse wird unter anderen darauf hingewiesen, dass die Verlockung des Geldes durch den populären Fußball Machtmissbrauch fördere. Schutzbedürftige junge Menschen aus ärmeren Verhältnissen seien dem leicht ausgeliefert. Die Fußball-Institutionen wie Verbände, Ligen und Vereine seien auf solche Fälle strukturell nicht vorbereitet und mehr damit beschäftigt, ihren Ruf zu verteidigen.

"Es wird viel von 'Null-Toleranz' im Fußball gesprochen, sei es in Bezug auf rassistische Diskriminierung oder sexuellen Missbrauch", wird in der Untersuchung festgestellt. "In der Praxis sehen wir jedoch das Gegenteil: Zu oft drückt der Sport bei Fehlverhalten ein Auge zu."

Die Fifpro fordert unter anderen einen Kulturwandel bei den Institutionen: "Verbände, Ligen und Vereine müssen daher dringend und aktiv eine Reihe von kulturellen Problemen im Fußball angehen." Dabei muss vor allem der Schutz von Opfern im Mittelpunkt stehen.

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