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Sport Fußball
12/17/2021

Hintergrund: Wie Trainer Canadi in Altach hintergangen wurde

Der beurlaubte Trainer berichtet von Spieler-Absprachen hinter seinem Rücken. Der Verein bestätigt das.

von Andreas Heidenreich

Sechs Niederlagen am Stück und der letzte Tabellenplatz. Für gewöhnlich reicht das im harten Fußballgeschäft, um der Öffentlichkeit gegenüber einen Trainerwechsel zu argumentieren. Auch im Falle des SCR Altach und Damir Canadi würde vermutlich niemand nachfragen oder versuchen, hinter die Kulissen zu blicken. Der 51-Jährige wurde am Freitag beurlaubt.

Die offiziellen Statements klingen wie fast immer in Fällen wie diesen. Die Geschichten, wie und warum es sportlich nicht funktioniert haben könnte, bleiben meist hinter dem Vorhang. Nicht diesmal. Jene, die Canadi selbst erzählt, ist auch für jahrelang im Fußball Engagierte schwer zu glauben.

Spielpläne

Bereits vor dem letzten Spiel der Herbstsaison, dem 1:2 der Altacher in Ried, sei ein Spieler auf ihn zugekommen und habe ihm mehrere Folien überreicht. Dokumente mit dem Inhalt, wie seine Mannschaft im Spiel sowohl mit als auch ohne Ball agieren soll. Allerdings: Canadi selbst hat diese Pläne nicht erstellt. „Wie wir dann herausgefunden haben, haben sich Teile der Mannschaft vor den Spielen getroffen und von zwei Spielern visualisierte Anleitungen erhalten, wie sie spielen sollen.“

Dass Altacher Spieler ihren eigenen Trainer so hintergehen, sei offenbar bereits seit Wochen so gewesen. Wer die beiden Spieler sind, ist Canadi bewusst.

„Ich weiß mittlerweile, dass Jan Zwischenbrugger und Atdhe Nuhiu referiert haben“, sagt der Ex-Coach. Die Beteiligten dürften in der Woche vor dem letzten Spiel auch vernommen haben, dass der Trainer von der Sache Wind bekommen hat. Wenige Minuten vor dem Ende des Abschlusstrainings habe sich Jan Zwischenbrugger dann auch für das Spiel in Ried verletzt gemeldet, so Canadi.

Bei allen Spielern kann die Aktion freilich nicht für Begeisterung gesorgt haben. Zwei Legionäre, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, dürften angenommen haben, dass die von den Spielern überreichten Pläne von Canadi stammen würden. So oder so ist die Geschichte nicht unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit geblieben.

Dass Canadi mit den betroffenen Spielern nicht mehr weiterarbeiten würde, war klar. Dies habe er dem Klub unter der Woche auch klargemacht und gleichzeitig den Kauf von vier bis fünf neuen Spielern angeregt.

Warum sich der Verein gegen seinen einst langjährigen Erfolgstrainer und nicht gegen die betroffenen Spieler entschieden hat? Canadi: „Die Verträge von Zwischenbrugger und Nuhiu wurden kürzlich um zweieinhalb bzw. eineinhalb Jahre verlängert. Meiner läuft im Sommer aus. Ich denke, da hat auch die wirtschaftliche Seite mitgespielt.“

"Nichts schönzureden"

Kein Dementi gibt es von Seiten des Klubs. Altachs Sportdirektor Werner Grabherr sagt: „Es gibt in dieser Causa nichts schönzureden“, holt jedoch aus: „Es hat sich aus einer guten Intention heraus etwas entwickelt, was den Spielern aus den Fugen geraten ist.“ Diese seien mittlerweile auch einsichtig.

Was die gute Intention gewesen sei? „Es hat von Saisonbeginn an Teamsitzungen gegeben, wo die Spieler auch Grafiken erarbeitet haben und sich als Mannschaft noch einmal auf die Spiele eingeschworen haben. Was sich daraus entwickelt hat und was am Ende dasteht, ist nicht zu entschuldigen.“

Die Angelegenheit sei intern auch noch nicht vom Tisch, sagt der Sportchef, der aktuell mit der Suche nach einem Nachfolger beschäftigt ist. Bis zum Trainingsstart am 7. Jänner will man den neuen Mann präsentiert haben. Ob der Auserwählte zu beneiden ist, bleibt abzuwarten.

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