Krisenerprobt: Southampton-Coach Ralph Hasenhüttl 

© EPA/Dave Thompson/NMC/Pool

Sport Fußball
08/09/2020

Hasenhüttl: "Ich weiß, wie es ist, ein unbekanntes Virus zu haben"

"Tagebuch": Englands Trainer des Monats Juli vergisst seine Rückschläge nicht.

von Wolfgang Winheim

Ralph Hasenhüttl wurde in der englischen Premier League als erster Österreicher zum Manager des Monats gekürt! Vor Kapazundern wie Pep Guardiola, José Mourinho und Jürgen Klopp. Auch vom FC Bayern wurde diese Wahl mit Interesse registriert. Zumal es dessen Boss Uli Hoeneß war, der Hasenhüttl die Teilnahme am Trainerkurs an der Sporthochschule Köln ermöglicht hatte. Ehe dem Steirer mit den Außenseiterklubs Aalen und Ingolstadt jeweils der Aufstieg und mit Leipzig die Qualifikation für die Champions League gelang.

Dabei drohte die Trainerkarriere zu enden, nachdem sie gerade erst so richtig begonnen hatte. Ralph Hasenhüttl verzweifelte. Er war im Sommer 2012 mit hohem Fieber ans Bett gefesselt vom Hantavirus, das Ärzte nicht gleich als solches erkannten. Er büßte in wenigen Tagen 15 Kilo ein.

Der schwerste sportliche Rückschlag erfolgte im Herbst des Vorjahres: Ein 0:9 mit dem FC Southampton daheim gegen Leicester. In der südenglischen Hafenstadt, von der aus 1912 die Titanic ihre verhängnisvolle Fahrt gestartet hatte, herrschte Untergangsstimmung. Doch der Klub hielt am Steirer fest. Und wurde für das unerwartete Vertrauen belohnt.

Mehr noch: Unter Regie des einstigen Virus-Opfers wurde Southampton nach der Corona-Pause zum Favoritenschreck. Hasenhüttl trickste sogar Wundertrainer Guardiola taktisch aus.

KURIER: Vier Punkte gegen die zwei Klubs aus Manchester – wie ist die sensationelle Aufholjagd zu erklären? Wie konnten Sie Ihr Team nach dem 0:9 aufrichten?

Ralph Hasenhüttl: Wir haben an unseren Defiziten gearbeitet. Sehr, sehr konsequent! Den Lockdown nutzten wir zur ausführlichen Analyse. Die Spieler haben daheim sehr diszipliniert gearbeitet und ihr Programm durchgezogen. Deshalb waren wir nach dem Wiederbeginn in allen Belangen besser.

Angesichts Corona: Kamen Erinnerungen an Ihre heimtückische Virus-Erkrankung wieder hoch?

Ich weiß definitiv, wie es sich anfühlt, ein Virus zu haben, gegen das es keine Medizin gibt. Mir ging es mit dem Hantavirus sehr schlecht. Niere, Lunge und Herz waren angegriffen. Natürlich ist man da sensibilisiert.

Wie haben Sie die Corona-bedingte Zwangspause verbracht?

Mit meiner Familie in München.

Wurden Sie und die Spieler oft auf Corona getestet?

Jede Woche zwei Mal.

War ein Trainingslager in Österreich angedacht?

Ursprünglich wäre im Juli ein Trainingslager in Seefeld geplant gewesen.

Fotos von überfüllten südenglischen Stränden haben Kopfschütteln ausgelöst. Erlaubte Ihren Spielern der Stress nach dem Re-Start Strandaufenthalte?

Mittlerweile hat sich die Situation wieder normalisiert. Die Menschen sind insgesamt vorsichtiger geworden. Meine Spieler machen jetzt drei Wochen Urlaub. Da ist Zeit für Strand und Sonne.

Die englische Premier League gilt finanziell wie sportlich als die Nummer 1 unter allen Topligen. Teilen Sie diese Ansicht?

Ja, das war auch der Grund, warum ich diese Herausforderung hier unbedingt machen wollte.

Laut deutscher Medien hat Liverpools Meistermacher Klopp eine hohe Meinung vom Österreicher Hasenhüttl. Kommt’s gelegentlich zum Gedankenaustausch?

Wir schätzen uns gegenseitig sehr. Man gratuliert sich und wünscht sich alles Gute. Manchmal stacheln wir uns gegenseitig an. Durch die Premier-League- Teammeetings haben wir viel mehr Kontakt als vorher.

Quer durch Europa kam es vor leeren Tribünen zu vielen Auswärtssiegen. Erhöhen Geisterspiele die Chancen kleinerer Klubs?

Sie erhöhten die Chancen von Trainern, mehr zu coachen. Es war zu beobachten, dass diese Teams dann auch erfolgreicher waren. Es verändert doch einiges.

Wohin wird sich der Fußball entwickeln? Ist bei Athletik und Tempo überhaupt noch eine Steigerung möglich?

Fußball wird noch strukturierter werden und immer weniger dem Zufall überlassen. Das bedeutet, wer nicht akribisch an jedem Detail arbeitet, wird abgehängt werden. Die besten Fußballer werden nur noch erfolgreich sein, wenn sie auch sehr gut vorbereitet in Spiele gehen, weil heute jeder Qualität hat.

PS: Die Frage nach dem Teamchef-Job, die sicher auch einmal Peter Stöger, Adi Hütter oder Andreas Herzog gestellt werden wird, erübrigt sich bei Hasenhüttl. Southampton hat ihn bis 2024 vertraglich gebunden. Auch will er noch täglich aktiv auf dem Trainingsfeld stehen. Kurzum: Der ehemalige Stürmer (GAK, Austria Wien, Salzburg, Köln) fühlt sich noch zu jung für das Amt eines Bundestrainers.

Hasenhüttl wird am heutigen 9. August 53 Jahre alt.

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