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Winheims Tagebuch
09/04/2021

Happel, Baric, Herzog und Co.: Was Israel mit Österreich verbindet

Seit 1991 ist Israel UEFA-Mitglied. Es gab in der Vergangenheit auch heiße Duelle mit Österreichern, die gegenwärtig das Sagen im Team haben.

von Wolfgang Winheim

Terroristen waren im Münchner Morgengrauen bei israelischen Olympia-Sportlern eingedrungen. 18 Stunden später hoben zwei Hubschrauber mit den Geiseln an Bord ab. Vom Mini-Balkon meines Quartiers gleich neben dem olympischen Dorf aus konnte ich die Helikopter fliegen sehen und zugleich im Radio hören, wie aufgeregt optimistisch von einer Rettungsaktion berichtet wurde. Um Mitternacht gab ein deutscher Regierungssprecher in einer Pressekonferenz gar Entwarnung. Ein tragischer Irrtum.

Am Sonntag, 5. September, dem 49. Jahrestag des Anschlags, wird der Opfer (elf tote Israelis, ein deutscher Polizist) gedacht. Auf Sky ist eine Doku zu sehen.

Der palästinensische Terrorakt hat nicht nur die Sportwelt verändert. Seit München ’72 werden überall Gepäckstücke durchleuchtet. Muss auf jedem Flughafen jeder Passagier durch den Scanner.

Ungeachtet der internationalen Empörung über den Terror von München lehnte die arabische Welt sportliche Vergleiche mit Israelis beharrlich ab. Ihre Fußballer waren isoliert. Auf Antrag von Verbänden (darunter Deutschland und Österreich) nahm die UEFA konträr zur Geografie Israel schließlich 1991 in Europas Wettspielgemeinschaft auf. Worauf es zu Qualifikationspartien gegen Österreich unter ungewöhnlichen Begleitumständen kam.

Happels Abschied

Am 28. Oktober 1992 war das erste WM-Qualifikationsspiel Österreich – Israel zugleich das letzte Match unter dem von Lungenkrebs schwer gezeichneten Teamchef Ernst Happel. 17 Tage nach dem 5:2-Sieg starb der 66 Jahre alt gewesene legendäre Wiener.

Am 6. Juni 1999 ließ sich Österreich, diesmal in der EM-Quali in Tel Aviv, deklassieren. 0:5. Obwohl der heutige Rapid-Sportdirektor Zoran „Zoki“ Barisic als Debütant und Abwehrchef noch zu den Lichtblicken zählte.

Am 27. Oktober 2001 galt Österreich in Tel Aviv im WM-Quali-Spiel als Außenseiter. Gleich acht Stammspieler (darunter der heutige Rapid-Trainer Didi Kühbauer sowie Sky-Analytiker Walter Kogler) hatten Teamchef Otto Baric ( 13.12.2020/Corona) wegen Terrorbedenken abgesagt. Ohne sie qualifizierte sich eine Verlegenheitself fürs Play-off gegen die Türkei – als Andreas Herzog in Minute 90 per Freistoß zum 1:1 traf. Derselbe Herzog, der 18 Jahre später Israels Teamchef werden sollte.

Herzog verhalf, kritisiert von israelischen Medien, dem Legionär Erhan Zahavi zum Team-Comeback. Worauf Zahavi am 24. März 2019 zum Österreicher-Schreck wurde. Mit drei Toren beim 4:2.

Israels Sportdirektor Willibald Ruttensteiner hatte nach Herzog mit dem Olympia-Silbernen Markus Rogan und dem 1990er-WM-Goalie Klaus Lindenberger weitere Landsleute geholt. Lindenberger als Tormanntrainer, Rogan als Mentalcoach.

Herzog saß eine zehntägige Quarantäne in einem Hotelzimmer ab („Immerhin mit Meerblick“). Dem ehemaligen Schwimmstar Rogan indes stand das Wasser bis zum Hals. Obwohl Covid-positiv, gelangte Rogan auf dem Ben-Gurion-Flughafen – alle Covid-Regeln ignorierend -– in einen Jet. Panikartig setzte sich der Sportpsychologe Richtung USA ab.

Austria 3

Ruttensteiner hatte sich in Israel mit neuen Konzepten so viel Anerkennung erarbeitet, dass man den Flop mit Rogan verzieh. Und der Sportdirektor wurde nach Herzogs Heimkehr auch Teamchef. Worauf der „doppelte Willi“ Rupert Marko als Co-Trainer engagierte. Der Ex-Teamstürmer hatte in Osttirol eine dramatische Covid-Infektion rasch und gut überstanden.

Nach einem 4:0 gegen Färöer flog das Austria-Trio Ruttensteiner-Marko-Lindenberger mit Zahavi und Co. vom Nordatlantik neun Stunden Richtung Tel Aviv. So lang wie zum Match gegen Österreich war ein israelisches Team zuvor noch nie zu einem Heimspiel unterwegs gewesen.

Zur WM im (gas)reichen arabischen Katar hätten die Israelis von allen Mitgliedsländern der europäischen Fußball-Union die kürzeste Anreise. Hätten ... Denn insgeheim hoffen Veranstalter und FIFA, dass es beim Konjunktiv bleibt. Wollen doch auch 49 Jahre nach München ’72 die meisten Moslems noch immer nicht gegen Israelis spielen, geschweige denn für sie WM-Gastgeber sein.

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