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Sport Fußball
06/27/2012

Gurkerl, Eiergoalie, Bananenflanke

Der Fußball ist auch ein Geschmacksträger. Das beweisen die vielen Fachausdrücke aus dem Reich der Küche.

von Christoph Geiler

Die EM macht wieder deutlich: Fußball geht auch durch den Magen. Ohne die Zutaten und Beilagen aus der Welt der Küche hätte die EM sogar einen ziemlich faden Beigeschmack, oder?

Ab jetzt geht’s bei diesem Turnier also um die Wurst. Vor dem Semifinale Italien gegen Deutschland, oder Pasta gegen Bratwurst, stellt sich die zentrale Frage: Wird den Anhängern Schmalkost serviert oder gibt es einen Leckerbissen für alle Taktik-Feinschmecker? Der deutsche Bundestrainer Joachim Löw, der bei der Aufstellung bekanntlich seinem Bauchgefühl vertraut, sucht wie jeder Coach nach dem richtigen Erfolgsrezept. Nur er entscheidet, wer auf der Ersatzbank schmoren muss, dafür muss er auch die Suppe auslöffeln, falls seine Aufstellung ein Schuss in den Ofen sein sollte.

Aber auch das Spielfeld ist ein gefundenes Fressen für alle Kulinarik- und Küchen-Liebhaber. So sind Tore seit jeher das Salz in der Suppe und Fallrückzieher und Fersler echte Schmankerln. Flanken können entweder butterweich sein oder messerscharf kommen, einige Kicker spielen einen richtigen Topfen, andere einen Käse, manche sind einfach nur für die Würschte. Stürmer versemmeln gerne eine Chance, Regisseure spielen gerne den Zuckerpass, Torhüter pfeffern den Ball mitunter nur blind nach vorne, manche Teams formieren sich zu einem Abwehrriegel,einige sind schlichtweg Jausengegner.

Bei einem harten Schuss ist ordentlich Dampf dahinter und Verteidiger, die jemanden von hinten nieder grätschen, sind heißgelaufen. Fußballer können Unruheherde (Arnautovic) sein, oder wie Topf und Deckel zusammenpassen (Balotelli und Cassano) und jener alles andere als schlafmützige Torhüter, der schuld ist, dass aus Josef Hickersberger der Färöer-Pepi geworden ist – einen Beinamen, den er übrigens überhaupt nicht verputzen kann – hatte überhaupt Hauben-Niveau. Ein Blick auf die Speisekarte des Fußballs.

Bananenflanke

Ein krummes Ding, das vor allem Tormänner fürchten. Der ehemalige HSV-Star Manfred Kaltz gilt als Erfinder der Bananenflanke. Schuld an diesem UFO, diesem unberechenbaren Flugobjekt, ist der Magnus-Effekt, der den Ball in der Luft seltsam um die eigene Achse rotieren lässt.

Eiergoalie

Kaum ein Tormann dieser Welt, der in seiner Karriere nicht schon einmal von den gegnerischen Anhängern so verspottet worden wäre. Hierzulande gibt es sogar noch die verschärfte Variante des Eies – das berühmte Steirertor.

Gurke

Der technokratische Ausdruck der Deutschen wird dieser genialen technischen Einlage nicht gerecht: Beinschuss. In Österreich kennt den Ball, der durch die Beine des verdatterten Gegenüber gespielt wird, jeder nur als Gurkerl.

Löffelchen

Der Elfmeter, mit dem Italiens Andrea Pirlo im Viertelfinale den englischen Torhüter ordentlich auf die Schaufel genommen hat, heißt in Italien Cucchiaio– also Löffelchen. Made in Italy ist diese genial-gefährliche Variante des Penalty, bei der der Schütze den Ball nur locker lässig mitten aufs Tor schupft, allerdings deshalb noch lange nicht. Der Tscheche Antonin Panenka gilt als Erfinder des Löffelchen, er hat auf diese Weise 1976 im EM-Endspiel gegen Deutschland getroffen, weshalb der Cucchiaio auch Panenka-Elfmeter genannt wird.

Biscotto

Ein süßer Begriff für eine pikante Angelegenheit: In Italien wird eine Ergebnis­absprache Biscotto genannt, übersetzt Keks. Historischer Hintergrund: Bei den alten römischen Pferderennen hatten listige Reiter den Rössern der Gegner bisweilen vergiftete Kekse verabreicht, um als Erste ins Ziel zu kommen. Bei dieser EM gingen die Diskussionen um einen Biscotto zwischen Spanien und Kroatien irgendwann nur mehr auf den Keks.

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