ÖFB-Team in den USA: Kaum jemand kennt wen, dennoch kommen 3.000 Fans
Konrad Laimer in Santa Barbara
Auf der Anzeigetafel des Harder Stadium, der Sportanlage der University of California Santa Barbara steht in großen Lettern: „Home of the Gauchos.“ Die Gauchos, das ist die Collegemannschaft hier, eine der besten im Land. An diesem Vormittag aber gehört die Bühne den Österreichern.
3.000 Fans haben sich Karten gesichert – kostenlos, aber begehrt. Der Rasen ist so eben und dicht wie ein Golfplatz, 25 Grad, kein Wind. Bessere Bedingungen für ein erstes Training auf amerikanischem Boden hätte man sich beim ÖFB nicht wünschen können.
Und dann auch noch musikalische Untermalung. Am Spielfeldrand spielt die Gaucho Pep Band. Und sie spielt nicht irgendwas – sie spielt „I am from Austria“. Rainhard Fendrichs Hymne, einstudiert von einer amerikanischen Universitäts-Blaskapelle in Kalifornien. Als Ralf Rangnick auf seinem Golfcart erscheint, steuert er den Wagen quer über den ganzen Platz direkt zur Band, steigt aus und bedankt sich lautstark. Einen Wunsch hätte er noch gehabt: Wieder Rainhard Fendrich. „Strada del Sole“, sagt der 67-Jährige. Dieser Wunsch bleibt unerfüllt.
Drew ist der Schlagzeuger der Band. Er hat sich vorab den Kader der Österreicher angesehen, erzählt er. „Aber leider sagt mir kein Name etwas. Ich bin kein Fußballfan und kenne daher keine Spieler.“ Er trommelt trotzdem, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt.
Ein Turnsackerl vom ÖFB
Beim Einlass haben die Fans ein Turnsackerl des ÖFB bekommen – darin ein Mannschaftsfoto mit allen Spielernamen. Eine Frau hält es hoch, schaut drauf und sagt: „Alaba is real well known.“ („Alaba ist wirklich sehr bekannt“). Mehr Namen braucht sie nicht.
Jordan ist zehn Jahre alt und weiß ein bisschen mehr. Er fällt sofort auf, weil er ein Österreich-Dress trägt, das er sich zwei Tage vorher im Internet bestellt hat. Welche Spieler er kennt? „Konrad Laimer von Bayern“, sagt er ohne Zögern. „Alaba auch. Und bei Borussia Dortmund spielt doch auch einer, oder?“ Sogar zwei. Sabitzer und Chukwuemeka. Jordan nickt, das wird er sich merken.
Tereza spielt selbst als Torfrau beim Santa Barbara Soccer Club. Sie hat sich vorgenommen, genau hinzuschauen, „wie die Torhüter arbeiten, wie sie mit der Abwehrkette kommunizieren.“ Dazulernen wird sie an diesem Tag leider nichts. Was sie zu sehen bekommt, ist Bewegungstherapie. Lockeres Laufen, Dehnen, ein bisschen Ballgefühl. Mehr ist nach einer rund 17-stündigen Anreise am Vortag nicht geplant. Tereza schaut trotzdem konzentriert zu.
Das ist das Bild dieses Tages: Kaum jemand hier kann mit mehr als drei oder vier Namen der österreichischen Spieler etwas anfangen. Und trotzdem ist der Empfang so herzlich, wie er nur sein kann.
Was der ÖFB verpasst hat
Die Gastgeber zeigen sich von einer Schokoladenseite. Ein paar offizielle Begrüßungsworte an die 3.000 Menschen wären da vielleicht auch nicht schlecht gewesen – ein Dankeschön, ein Satz darüber, wie froh man ist, in Santa Barbara ein Zuhause mit perfekten Bedingungen gefunden zu haben. Die Gelegenheit bleibt ungenutzt.
Autogramme und Selfies gibt es dann trotzdem in Hülle und Fülle. Ein weiblicher Fan nutzt die Gelegenheit und fragt jeden einzelnen ÖFB-Star, der an ihr vorbeikommt, wie er sich denn auf ein wichtiges Spiel vorbereite. Die Antworten sind so banal wie logisch: „Gut essen und schlafen“, oder „Musik hören.“
Der Sportchef, der nichts sagt
Während die junge Dame ihre Interviews führt, lauschen Journalisten den Worten von Peter Schöttel. Den Sportdirektor schickt der ÖFB immer dann als Gesprächspartner vor, wenn Spieler oder Trainer ihre Ruhe haben wollen – und sollen. Schöttel erfüllt diese Aufgabe stets sehr freundlich, pflichtbewusst, aber vor allem mit großer Sorgfalt, was die Auswahl seiner Worte betrifft. Selten ist man hinterher schlauer.
Das trifft insgesamt auch auf diese Trainingseinheit zu und wird in den nächsten Wochen nicht anders sein. Es war das einzige öffentliche Training, das die Österreicher in Santa Barbara absolvieren werden. Ab sofort finden alle Einheiten hinter verschlossenen Türen statt. Journalisten dürfen jeweils 15 Minuten zusehen. In diesen 15 Minuten wärmen sich die Spieler auf. Immer wieder lockeres Laufen, Dehnen und ein bisschen Ballgefühl. Taktik, Aufstellungsvarianten, Systemfragen? All das wird erst sichtbar, wenn der Schiedsrichter anpfeift.
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