Sport | Fußball
06.10.2017

ÖFB-Team schlägt Serbien nach starker Leistung

Trotz Teamchef-Abschied, ÖFB-Krise und WM-Out feiern die Österreicher einen tollen 3:2-Sieg gegen den Tabellenführer der Gruppe D.

Es war ein Abschied ohne Pfiffe. Einer der erkennen ließ, Teamchef Marcel Koller hat noch immer Kredit beim Publikum. Dennoch, es ist beschlossene Sache, der Schweizer gab seinen letzten Auftritt im Wiener Prater. Nicht unbedingt ein Heimspiel, zu unüberhörbar war die mehrheitlich serbische Präsenz auf den Rängen. Einer schaute zu: Star-Trainer José Mourinho. Lediglich interessiert, ohne Hintergedanken.

Und es war selbst für den kühnsten Rechenkünstler der endgültige Abschied des österreichischen Nationalteams aus der WM-Qualifikation. Wales hatte zuvor in Georgien das Notwendigste getan, 1:0 gewonnen.

Was dennoch nicht stattfand: Eine nach zahlreichen Absagen völlig umgekrempelte Elf gab sich nicht der Chancenlosigkeit hin.

Österreichs Mannschaft bestimmte das Geschehen gegen Tabellenführer Serbien, angetrieben von einem bemühten, aber zunächst glücklosen Arnautovic, hinten relativ gut abgesichert von einer Viererkette, die es in dieser Zusammensetzung noch nie gegeben hat.

Angriffslustig

Es hätte tatsächlich eine rundum zufriedenstellende, höchst unterhaltende Vorstellung einer stets zielstrebigen, einsatzfreudigen und spielerisch starken Mannschaft werden können. Hätte nicht jene Krankheit ihre hemmende Wirkung gezeigt, die in der gesamten Qualifikation zu einer chronischen geworden war: der Verwertung von Tormöglichkeiten. Es gab sie in Hülle und Fülle, es fehlte die nötige Konsequenz.

Also entsprach der Spielverlauf der Befürchtung. Wöbers Kopfballabwehr verlor ihren befreienden Sinn, der Ball landete vor den Füßen von Milivojevic – Flachschuss aus 20 Metern, und das 0:1 war die Rechnung für zwei zuvor vergebene Gelegenheiten.

Unbeirrt

Das Konzept ging nicht verloren. Österreichs Spieler wirkten von der Last des Qualifikationsdrucks befreit, spielten alleine in der ersten Halbzeit sechs Chancen der hochkarätigen Sorte heraus und verwerteten davon leider nur eine. Burgstaller, nach Vorlage von Danso (25.).

Viel wurde in den vergangenen Tagen gejammert. Vom mangelnden Fortschritt, von fehlender Klasse, vom regelrechten Absturz in finstere Zeiten. Aber es war ein Lebenszeichen, ein Aufbegehren einer neuformierten Mannschaft, die Spieler wie Alaba oder Harnik nicht vermissen ließ.

Arnautovic sollte sich mit einem Treffer zum 2:1 belohnen. Der Mann mit serbischen Wurzeln verzichtete auf den Jubel. Weil den Serben der Ausgleich durch Matic (83.) gelang und Schaub spät (89.) traf, gewann das Nationalteam sein letztes Heimspiel in dieser WM-Qualifikation. Am Montag folgt der Abschluss der Ära Koller in Moldau.

Es darf wieder einmal leise gehofft werden im ständigen Auf und Ab des österreichischen Fußballs.

Marcel Koller verließ das Spielfeld. Jedenfalls begleitet von Applaus.

Österreich - Serbien 3:2 (1:1)

Wien, Ernst-Happel-Stadion, 42.400, SR Pavel Kralovec/CZE

Tore: 0:1 (11.) Milivojevic 1:1 (25.) Burgstaller 2:1 (76.) Arnautovic 2:2 (83.) Matic 3:2 (89.) Schaub

Österreich: Lindner - Bauer, Danso, Dragovic, Wöber - Grillitsch (77. Lazaro), Baumgartlinger, Ilsanker, Kainz (61. Schaub) - Arnautovic, Burgstaller (82. Gregoritsch)

Serbien: Stojkovic - Ivanovic, Nastasic, S. Mitrovic - Rukavina (69. Ljajic), Milivojevic, Matic, Kolarov - Tadic, A. Mitrovic, Gacinovic (87. Prijovic)

Gelbe Karten: Ilsanker, Wöber, Burgstaller, Bauer, Dragovic bzw. keine

Österreich-Gruppe D

9. Runde:

Freitag, 06.10.2017

Georgien - Wales

0:1

(0:0)

Tiflis, Tor: Lawrence (49.)

Irland - Moldau

2:0

(2:0)

Dublin, Tore: Murphy (2., 19.). Rote Karte: Gatcan (Moldau/90.)

Österreich - Serbien

3:2

(1:1)

Wien, Tore: Burgstaller (25.), Arnautovic (76.), Schaub (89.) bzw. Milivojevic (11.), Matic (83.)

Tabelle:

1.

Serbien

9

5

3

1

19:10

9

18

2.

Wales

9

4

5

0

13:5

8

17

3.

Irland

9

4

4

1

11:6

5

16

4.

Österreich

9

3

3

3

13:12

1

12

5.

Georgien

9

0

5

4

8:13

-5

5

6.

Moldau

9

0

2

7

4:22

-18

2

Arnautovic: "Wir hätten fast alle unsere Spiel gewinnen sollen von den Chancen her"

Marcel Koller: "Ich glaube, es sind immer auch Kleinigkeiten. Wir haben heute die Tore geschossen und hatten noch viele Möglichkeiten. Schon in den ersten zehn Minuten hatten wir zwei Riesenchancen. Die Serben schießen einmal aufs Tor, und der ist drin. Wir haben defensiv sehr diszipliniert gespielt. Wir haben das gut hinbekommen, Heinz Lindner hat dann auch gute Paraden gezeigt."

Über die gesamte Qualifikation: "Du musst bei jedem Spiel beißen, kratzen, jeden Meter musst du beackern. Wenn du das nicht machst oder nicht machen kannst, wird es schwierig. In unserer Gruppe waren Wales, Irland, die auch vom Körperlichen kommen. Es war eigentlich immer eng, es war nie so, dass wir abgeschossen wurden. In Serbien hatten wir Chancen, in Wales, in Irland. Wir haben dann auch individuelle Fehler gemacht, die der Gegner ausgenützt hat. Es war sehr schön bei den Fans jetzt noch. Es ist eine wunderschöne Atmosphäre."

Florian Kainz: "Der Plan ist heute aufgangen. Wir haben sehr viel hochwertige Chancen herausgespielt, leider aber in der ersten Hälfte zu wenig genutzt. Man hat gesehen, dass wir von der ersten Minute an da waren, dass wir wollten. Aber es ist klar, dass wir noch mehr Tore hätten machen müssen. Jetzt wollen wir das letzte Spiel auch noch gewinnen."

Marko Arnautovic: "Ich glaube, ich habe ihn (den Ball vor dem 3:2; Anm.) nicht berührt. Damit hab ich den Tormann getäuscht, ich gebe das Tor Louis Schaub. Wir haben sehr viele Chancen gehabt. Ich denke, dass wir verdient das Spiel gewonnen haben. Wir spielen Fußball, um Spiele zu gewinnen, deswegen freuen wir uns natürlich über die drei Punkte. Jetzt haben wir noch ein Spiel, das wollen wir auch gewinnen, um die WM-Qualifikation gut abzuschließen. Die Qualifikation war unglücklich. Wir hätten fast alle unsere Spiel gewinnen sollen von den Chancen her. Schade, dass wir nicht dabei sind."

Maximilian Wöber: "Ich glaube, ein besseres Match für das Debüt hätte man sich nicht vorstellen können. Es war ein richtig geiles Spiel heute. Es ist ein unglaubliches Gefühl, eine andere Anspannung. Es erinnert mich ein bisschen an mein erstes Match für Rapid. Ich freue mich, dass ich das Trikot meines Landes tragen darf. Am Ende habe ich schon etwas Krämpfe bekommen, das ist vielleicht auch der ungewohnten Position geschuldet."

Slavoljub Muslin (Teamchef Serbien): "Die Österreicher waren trotz der vielen Ausfälle besser, hatten mehr Chancen und haben deshalb verdient gewonnen. Es tut uns leid, dass uns heute die Qualifikation nicht gelungen ist. Jetzt wollen wir das am Montag schaffen. Wir haben am Schluss mehr Risiko genommen, weil ein Unentschieden nicht gereicht hätte. Deswegen ist es so gekommen."