Martin Stranzl ist der beste Zweikämpfer der deutschen Liga.

© EPA/JONAS GUETTLER

Bilderbuchkarriere
10/28/2014

Stranzl: Der beste Frühpensionist des Landes

Der Gladbach-Kapitän wollte schon zwei Mal aufhören, verteidigt mit 34 aber besser als je zuvor.

von Alexander Huber

Einmal geht’s noch. Eigentlich wollte Martin Stranzl seine Karriere ja schon 2013 beenden. Um der Familie zuliebe ins Burgenland heimzukehren. Dann verlängerte er seinen Vertrag bei Mönchengladbach bis 2014. Nach Verhandlungen mit dem Familienrat wurde schließlich noch ein Jahr, bis Sommer 2015, angehängt. Und jetzt scoutet die Borussia in ganz Europa nach einem Nachfolger, hofft aber, dass bei Stranzls allerletzten Verträgen aller guten Dinge drei sind: Eine Verlängerung bis zum Saisonende 2016 wird der Bundesliga-Zweite dem 34-Jährigen im Winter anbieten.

Eine Unterschrift ist nicht ausgeschlossen, denn Stranzls Sohn Elias findet sich ebenso wie Tochter Hannah im deutschen Schulsystem zurecht. Jugendliebe und Ehefrau Elke, die auf einem Tattoo als Schutzengel Stranzls Brust ziert, gefällt’s am Niederrhein. Das Burgenland kann warten.

Dass die Gladbacher Jahr für Jahr alles in Bewegung setzen, um ihren Abwehrchef umzustimmen, ist verständlich. Sonntagabend verzweifelte auch Bayerns Goalgetter Robert Lewandowski an der Zweikampfstärke des Innenverteidigers. "So ist Stranzl unersetzlich", titelte das Fachmagazin kicker, wählte den Güssinger zum zweiten Mal in dieser Saison ins "Team der Runde" und schrieb nach dem 0:0 gegen die Münchner: "Wieder einmal überzeugte Stranzl als Borussias Abwehrchef".

Gladbach-Trainer Lucien Favre sieht das genauso. Die üblichen Rotationen des Schweizers machen nur vor einem Namen halt – Stranzl verteidigte in allen 15 Pflichtspielen über 90 Minuten. Dem nicht genug, die Zahlen in den Datenbanken deuten auf den besten Stranzl aller Zeiten hin: Mit 80 Prozent gewonnener Zweikämpfe ist er die Nummer eins in der Bundesliga. Vor Defensiv-Weltmeistern wie Boateng oder Hummels.

Besonders hart einsteigen muss der 1,91 Meter große Athlet dafür nicht: Nur sieben Zweikämpfe wurden in den bisher neun Bundesligaspielen nach Fouls oder Handspielen von Stranzl abgepfiffen. Zum Vergleich: Selbst gefoult wurde der Routinier bereits neun Mal.

Allzu viel reden will Stranzl darüber nicht, Interviews gibt er nur, wenn es unbedingt nötig ist.

Dieser Rücktritt hält

Nur einem helfen die ganzen Bestwerte nicht. Marcel Koller wird seine Teamchef-Ära ohne Stranzl-Einsatz beenden. Eine der ersten Dienstreisen hatte den Schweizer zum Verteidiger geführt, um ihn zum Comeback zu überreden. Doch dieser ist nicht nur auf dem Spielfeld konsequent. "Das Fass ist voll" erklärte er schon im November 2009 nach einem Streit mit Ex-Teamchef Constantini und beendete die Teamkarriere (56 Einsätze) für immer.

Ausgeschlossen ist auch, dass Stranzl jemals in den Archiven der österreichischen Liga aufscheinen wird. Mit 16 nach München ausgezogen, um bei 1860 Karriere zu machen, war die heimische Liga nie ein Thema. Nur 2011 wollte Ex-Rapid-Trainer Pacult Stranzl verpflichten. Dass Sportdirektor Hörtnagl damals wegen finanzieller Bedenken bremste, führte zum endgültigen Bruch der beiden Rapidler. Tatsächlich verhandelte Langzeitmanager Thomas Böhm stets lukrative Engagements aus. Egal, ob bei Stuttgart, Spartak Moskau oder nun bei Gladbach. Stranzl kann sich sein Hobby – schnelle Autos, am liebsten von BMW – also leisten.

Und er bastelt in dieser Branche schon an der zweiten Karriere. In Düsseldorf wurde mit einem Freund "2.0 Automotive GmbH" gegründet. Martin Stranzl steht der Edel-Autowerkstatt als Prokurist vor.

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