Sport | Fußball
10.10.2018

Marko Arnautovic soll nicht mehr Team-Kapitän sein

Das ÖFB-Präsidium diskutierte über den Legionär, der am Freitag sein 75. Länderspiel bestreitet.

Marko Arnautovic. Ein Name, den man nur in eine Überschrift schreiben muss, damit ein Artikel im Internet zig-fach geklickt wird. Ein Spieler, der sich immer wieder in den Mittelpunkt dribbelt. Einmal aufgrund seines großen Könnens, dann wieder durch umstrittene Aktionen wie zuletzt in Zenica, als er sich nach der 0:1-Niederlage mit Bosniens Stürmerstar Edin Dzeko in einer Bar zu fortgeschrittener Stunde fotografieren ließ und damit die Öffentlichkeit aufregte.

Arnautovic selbst sieht die Causa gelassen. „Das ist wieder medial zelebriert worden. Als wäre ich irgendwo angetrunken gewesen. Doch das war ich nicht, es war auch nicht 3 Uhr in der Früh.“ Es sei ihm mittlerweile auch gleich, was über ihn gesagt werde. „Niemand hat das Recht, über mein Privatleben zu urteilen. Ich mache das auch nicht bei anderen Menschen. Ich war damals schon vom Nationalteam nach dem Spiel freigestellt, habe Dzeko lange Zeit nicht gesehen, das war die einzige Möglichkeit.“

Sportlich stets top

Arnautovic ist extravagant, er ist aber auch jener Spieler, der im Nationalteam in den letzten Jahren der konstant Beste war. „Ich will immer alles geben, habe immer den Anspruch, ich habe in den letzten Jahren schon so viel für das Nationalteam gemacht. Da geht es um Respekt.“

Für ÖFB-Präsident Leo Windtner ist die Sache mit dem Foto ebenso abgehakt. „Marko hat nicht bedacht, welche Sekundärfolgen dieses Foto hatte“, meinte er im Teamcamp in Bad Waltersdorf. Zumal sich dessen Verein West Ham über den mangelnden Schlaf des Spielers echauffieren hätte müssen, da vier Tage danach ein Liga-Match auf dem Programm stand.

In Bosnien trug Arnautovic die Kapitänsschleife, man könnte also davon ausgehen, dass er auch gegen Nordirland die Mannschaft auf das Feld führt. Wird er aber nicht. Auch weil sich in der letzten ÖFB-Präsidiums-Sitzung einige Mitglieder dagegen ausgesprochen haben, wie dem KURIER bestätigt wurde. So soll man angeblich diesen Wunsch auch an Teamchef Franco Foda herangetragen haben, wobei es sich keinesfalls um eine Weisung handelt, da man dazu nicht die Befugnis besitzt und sich auch nicht in die sportlichen Belange des Teamchefs einmischen möchte. Zumindest aber sorgten Arnautovic und die Kapitänsfrage im Präsidium für reichlich Diskussionsstoff.

Viele Leader

Arnautovic wehrt sich gegen Behauptungen, die Schleife wäre beim Bosnien-Spiel für ihn hemmend gewesen. „Die Schleife ist mir nicht zu groß. Aber auch ohne Schleife habe ich innerhalb der Mannschaft ein hohes Standing.“ Unbestritten hat das ÖFB-Team keinen Mangel an Führungsspielern und möglichen Kandidaten für die Rolle des Kapitäns – mit Baumgartlinger, Prödl, dem wohl am Freitag die Ehre zuteil wird, Alaba, Arnautovic oder Hinteregger.

Noch hat Foda seinen Kapitän für Freitag nicht offiziell bestimmt, wie selbst die Spieler bestätigen. Prödl: „Das war bisher kein Thema bei uns, daher habe ich auch keine Ahnung, wer Kapitän sein wird.“ Generell halten die Spieler selbst fest, dass das Thema aus ihrer Sicht ohnehin überbewertet wird, sie selbst gar nicht dermaßen beschäftigt wie die Öffentlichkeit.

Vor exakt zehn Jahren trug der mittlerweile 29-jährige Arnautovic erstmals das Teamtrikot, am Freitag spielt er zum 75. Mal für Österreich. „Wie viele Einsätze hat Andi Herzog?“, wollte er gestern wissen. 103. „Tut mir leid Andi, ich werde dich noch überholen.“

Auch ohne Schleife.