Entscheidung: Die berufliche Zukunft von Salzburg-Sportchef Ralf Rangnick liegt in Leipzig.

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Zukunftsfrage
10/23/2014

Dürfen zwei Red-Bull-Klubs im Europacup spielen?

Nur die UEFA kann über den gleichzeitigen Europacup-Auftritt von Salzburg und Leipzig entscheiden.

von Stephan Blumenschein

Ralf Rangnick, Sportchef von Salzburg und Leipzig, hat klargestellt, wo seine Zukunft liegt – nämlich beim deutschen Red-Bull-Verein, wenn dieser in die 1. Deutsche Bundesliga aufgestiegen sein wird. "Ich kann nicht Sportdirektor von zwei Vereinen sein, die dann womöglich beide international spielen", sagte Rangnick Ende August im TV-Sender Sky. Der 56-Jährige verwies auf die UEFA-Wettbewerbsregeln, die eine Doppelfunktion bei zwei Europacup-Teilnehmern ausschließen (siehe Faksimile).

Ein weiterer Aufstieg des deutschen Zweitligisten und Aufstiegskandidaten RB Leipzig wäre also gleichbedeutend mit einem Ende der Ära Rangnick in Salzburg. Das heutige Europa-League-Heimspiel gegen Dinamo Zagreb (21.05 Uhr, live ORFeins, Sky Sport) könnte also eines der letzten für den Deutschen in seiner Funktion als Salzburg-Sportchef sein.

Wettbewerbshüter

Ist es aber auch eines der letzten Europacup-Spiele für Salzburg? Diese Frage kann nur die UEFA beantworten, die die Causa aber erst prüfen wird, wenn sich die beiden Red-Bull-Vereine wirklich gleichzeitig für den Europacup qualifizieren sollten.

Für Europas Verband ist die Integrität der Bewerbe jedenfalls ein hohes Gut. Deshalb gibt es auch strenge Regeln, die ausschließen, dass zwei Vereine im Europacup spielen, die unter dem Einfluss eines Investors stehen.

Bei Red Bull werden aber schon seit einiger Zeit Vorkehrungen getroffen, mit denen der Konzern für dieses Zukunftsszenario durchaus gerüstet sein könnte.

Beide Vereine haben unterschiedliche Besitzstrukturen. Während Red Bull über die Salzburg Sport AG Eigentümer des österreichischen Bundesligisten ist, ist Leipzig ein eingetragener Verein ohne Besitzer. So konnte die 50+1-Regel umgangen werden, mit der die Deutsche Fußball-Liga verhindern will, dass Investoren Vereine übernehmen. Diese gilt aber nur für eine Kapitalgesellschaft, die es bei RB Leipzig aber nicht gibt.

Doppelgleisigkeit

Im Sommer wurden die Führungsebenen entflochten. Salzburgs Präsident Rudolf Theierl gehört nicht mehr dem Leipziger Vorstand an. Seine Salzburger Vorstandskollegen Volker Viechtbauer und Walter Bachinger haben in Leipzig allerdings noch Funktionen, sitzen im Aufsichts- und Ehrenrat.

Und es gibt weitere Überschneidungen. Ex-Rangnick-Berater Oliver Mintzlaff ist etwa nicht nur in Leipzig Vorstandsvorsitzender, sondern als Head of Global Soccer Commerce auch für Salzburg verantwortlich.

Auch die Rolle von Dietrich Mateschitz könnte ein Problem werden. Der Red-Bull-Boss hat zwar weder in Leipzig noch in Salzburg eine offizielle Funktion, aber als Geldgeber natürlich Einfluss auf Personalentscheidungen. Dies ist laut UEFA-Wettbewerbsregeln eigentlich untersagt. In diesen heißt es, dass niemand in der Lage sein darf, "auf irgendeine Art und Weise einen entscheidenden Einfluss auf die Entscheidungsfindung auszuüben".

Einen Präzedenzfall gibt es aber schon: 2013 wurde Österreichs Cupsieger Pasching, der damals von Red Bull finanziell und personell unterstützt wurde, von der UEFA geprüft und durfte gleichzeitig mit Salzburg am Europacup teilnehmen.

Sollte das im Fall von Salzburg und Leipzig anders sein, ist geregelt, welcher Red-Bull-Klub am Europacup teilnehmen darf: jener, der sich für den höherwertigen Bewerb qualifiziert hat (Champions League vor Europa League). Sollten beide für denselben Bewerb teilnahmeberechtigt sein, sind die Platzierung in der nationalen Liga und die UEFA-Entry-List entscheidend. Sind auch diese ident, ist schlussendlich das UEFA-Klubranking ausschlaggebend.

Die Antipathie rund um RB Leipzig

Auch Zagreb hat einen FC Liefering

Marcelo Brozovic gilt als der international gefragteste Spieler von Salzburgs heutigem Europa-League-Gegner Dinamo Zagreb. Arsenal soll sich um den 21-jährigen Mittelfeldspieler bemühen.

Brozovic hat aber auch schon für NK Lokomotiva Zagreb gespielt – wie ein Großteil der Kroaten bei Dinamo. Lok ist quasi der FC Liefering von Dinamo, also ein Klub, bei dem junge Spieler Spielpraxis sammeln sollen.

Mit einem Unterschied: Während Salzburgs Kooperationsverein in der zweithöchsten Spielklasse Österreichs spielt, gehören Dinamo und Lokomativa beide der höchsten kroatischen Liga an. Serienmeister Dinamo ist nach zwölf Runden Tabellenführer der Zehnerliga, der Partnerklub Tabellenfünfter.

Über 50 Jahre hatte NK Lokomotiva in den Niederungen des jugoslawischen und kroatischen Fußballs gespielt. Der Aufstieg begann 2006, als man das Farmteam von Dinamo wurde. Es folgten drei Aufstiege in Serie, von der vierten bis in erste Liga ohne Unterbrechung.

Der Durchmarsch war nur dank der Unterstützung Dinamos möglich. Offiziell wurde die Zusammenarbeit mittlerweile beendet, aber allein die Tatsache, dass derzeit noch immer sechs Dinamo-Spieler an Lok verliehen sind, beweist, dass es eine enge Verbindung zwischen den beiden Klubs gibt.

Die UEFA hat die Kooperation jedenfalls nicht gestört: In der Saison 2013/’14 durften sowohl Dinamo als auch Lokomotiva gleichzeitig am Europacup teilnehmen.