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Sport Fußball
10/03/2020

Adi Hütter: "Mit einem autoritären Stil wird's schwierig"

Der Eintracht-Coach über seine Tätigkeit in Frankfurt, den Trainerjob im Wandel der Zeit und das Phänomen Martin Hinteregger.

von Christoph Geiler

Wenn Adi Hütter in Frankfurt gerade wieder einmal Sehnsucht nach der  Heimat hat, dann zieht es ihn ins Lohninger.  Im edlen Restaurant am Mainufer, das von einer Pinzgauer Familie geführt wird, bekommt der Trainer der Eintracht dann österreichische Schmankerln wie Gröstl, Hollerkoch oder das gute alte Wiener Schnitzel serviert.

Zwei Tage vor dem Duell mit  Hoffenheim präsentierte der Vorarlberger in seinem Stammlokal seinen neuen Werbepartner, den Osttiroler  Wärmepumpenhersteller iDM, und stand dabei Journalisten aus Deutschland und Österreich Rede und Antwort. 

Adi Hütter über ...

Den Trainerjob

„Man sieht an den  ersten Trainerentlassungen auf Schalke und in Mainz gerade wieder, wie schnelllebig der Fußball ist.   Jetzt bin ich seit Sommer 2018 hier in Frankfurt und mit Lucien Favre schon der drittdienstälteste Trainer, der noch tätig ist. Das ist  eigentlich schon ein Wahnsinn, macht mich zugleich aber auch ein bisschen stolz.“

Kritische Phasen in seiner Trainerkarriere
„Zahlen und Fakten lügen nicht. Ich bin in den zwölf Jahren als Trainer erst einmal entlassen worden, und da war ich mit Altach auf Rang zwei. In Frankfurt war’s so:  Hätten wir in meiner ersten Saison  daheim gegen Hannover nicht gewonnen, hätte es unter Umständen  eng werden können, da war der Saisonstart insgesamt holprig. Der große Vorteil ist, dass man bei der Eintracht auf  Kontinuität setzt.  Ich habe auch in der letzten  Saison das volle Vertrauen gespürt, als wir in sieben Runden nur einen Punkt geholt haben. Manche Vereine agieren in so einer Situation kopflos und hirnlos und hauen den Trainer raus weil sie glauben, dass dann alles besser wird.“

Seinen neuen Dreijahresvertrag 

„Ein Dreijahresvertrag ist keine Garantie. Wenn wir in eine richtige Negativserie reinkommen, dann hilft mir der Dreijahresvertrag auch nichts. Aber es ist natürlich angenehmer zu wissen, dass großes Vertrauen da ist und man bei diesem Verein langfristig denkt und plant. Das beruhigt. “

Den öffentlichen Druck

„Der Druck ist bei der Eintracht immer  groß, weil hier die Erwartungshaltung ständig zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt wechselt. In der letzten Saison war einmal in der Zeitung zu lesen:  Kann Adi Hütter Abstiegskampf? Dann haben wir drei Partien gewonnen und es  war schon wieder vom Europacup die Rede. Ich sage: Wenn die Eintracht jedes Jahr einstellig ist, dann kann man von einer wirklich tollen Saison sprechen."
 

Der Spieler

Adi Hütter (*11.Februar 1970 in Hohenems) startete seine Karriere beim SCR Altach. Nach Stationen beim GAK, dem LASK und in Altach landete der Mittelfeldspieler 1993 bei Austria Salzburg. Mit den Salzburgern erreichte Hütter 1994 das UEFA-Cup-Finale (Niederlage gegen Inter Mailand) und wurde drei Mal Meister (1994, 1995, 1997).

Nach seinem Abschied aus Salzburg im Jahr 2000 spielte der Vorarlberger noch für den GAK und Kapfenberg, ehe er seine Fußballer-Karriere bei den RB Juniors ausklingen ließ. Hütter spielte 14 Mal für die österreichische Nationalmannschaft und erzielte dabei drei Tore.

Der Trainer

Hütter wechselte 2007 bei den RB Juniors vom Spielfeld auf die Trainerbank. Von 2009 bis 2012 betreute er den damaligen Zweitligisten Altach. Mit Grödig schaffte Hütter 2013 den Aufstieg in die österreichische Bundesliga und führte den Verein danach sensationell auf den dritten Rang. 2014 wurde der Vorarlberger von Salzburg verpflichtet und holte gleich auf Anhieb das Double.

Hütter verließ trotzdem den Verein und nahm im Herbst 2015 ein Angebot von Young Boys Bern an. Mit dem Traditionsverein gelang ihm 2018 der erste Meistertitel seit 32 Jahren.

Danach wechselte Hütter zur Eintracht. Gleich in seiner ersten Saison stand er mit den Frankfurtern im Semifinale der Europa League. Erst vor wenigen Tagen hat der 50-Jährige seinen Vertrag bis 2025 verlängert.

Das Trainergeschäft

„Es hat sich eigentlich alles verändert. Ich hatte praktisch nur Trainer, die wenig mit den Spielern geredet haben. Früher hat der autoritäre Stil mehr Erfolg gebracht, heute muss man mit den Spielern eine Beziehung aufbauen. Wenn du glaubst, du kannst mit einem autoritären Stil deine Ziele erreichen, dann wird’s schwierig. Das gilt übrigens auch für die Wirtschaft und viele andere Bereiche.   Jeder Mitarbeiter hat seine Ressourcen und entweder man lässt die links liegen oder  man saugt diese Fähigkeiten  auf und nimmt sie mit. Ich bin der Meinung, dass es viel mehr Sinn macht,  die Ideen der  Mitarbeiter miteinzubeziehen.“

"Hinteregger ist anders als alle anderen"

Die vielen österreichischen Legionäre in der Bundesliga

„Ich weiß nicht, ob den Leuten in Deutschland überhaupt bewusst ist, dass Österreich die meisten Legionäre in der Bundesliga stellt. Man merkt, dass wir in Österreich seit Jahren eine gute Nachwuchsausbildung haben. Wichtig ist auch, dass wir in Österreich sehen, dass die Österreicher in der Bundesliga bestehen können. Das betrifft ja mich als Trainer genauso. Nach gut zwei Jahren kann ich sagen: Wir müssen uns definitiv nicht verstecken. 32 Spieler sind eine Hausnummer.  Dass wir kicken können, haben wir immer wieder bewiesen.“

Martin Hinteregger

"Ich denke, dass seine Aussagen manchmal verdreht werden, nämlich nicht zu seinen Gunsten, und dann entsteht in den Medien eine Riesengeschichte. Wenn man ihn kennt, weiß man, dass er ein super Bursch ist. Er hat seine eigene Meinung, er ist anders als alle anderen. Ich finde ihn einfach richtig gut.“

Fußballspiele  in Zeiten von Corona 

„Beim Heimspiel gegen Bielefeld waren 6000 Leute im Stadion.  Das hat uns alle so unglaublich gefreut und mir hat echt imponiert, was für einen Lärm 6000 Menschen veranstalten können. Natürlich ist es etwas anderes, wenn du vor 50.000 Fans spielst, aber  es ist ein schönes Gefühl, dass wieder Leute im Stadion sind. Die Geisterspiele waren für alle eine enorme Umstellung. Mir war als Trainer sofort klar, dass ich jetzt vorsichtiger sein muss, was ich rein schreie, weil es jeder hören kann. Ab und an fallen  in der Emotion eben Ausdrücke, die knapp an der Gürtellinie sind. Deshalb habe ich immer aufgepasst.“

 

Hinweis der Redaktion: Der KURIER wurde wie  andere Medien von der Firma iDM zur Reise nach Frankfurt eingeladen.

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