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Sport Fußball
02/16/2020

Adi Hütter: "Der Abschied aus Salzburg war richtig"

Österreichs Trainer-Export über das Frankfurts Duell mit seinem Ex-Klub und seine Erinnerungen an große Europacup-Spiele.

von Christoph Geiler

Das Sechzehntelfinale in der Europa League zwischen Salzburg und Frankfurt lässt Erinnerungen wach werden. Es war im März 1994, als Austria Salzburg im Viertelfinale des UEFA-Cups die Eintracht eliminierte. Der Salzburger Höhenflug sollte erst im Finale von Inter Mailand gestoppt werden. Der Viertelfinalerfolg gegen das Starensemble aus Frankfurt war eine der größten Sensationen in der österreichischen Europacup-Historie. Adi Hütter erzielte damals das Tor zum 1:0-Sieg im Hinspiel, im Retourmatch traf er im entscheidenden Elfmeterschießen.

Nachvollziehbar, dass der heutige Erfolgscoach der Eintracht vor dem Duell mit seinem Ex-Klub aus Salzburg ein gefragter Mann ist. „Es geht viel um meine Vergangenheit und vor allem um dieses Tor für Salzburg gegen die Eintracht im UEFA-Cup-Viertelfinale“, erzählt Hütter. „Und natürlich werde ich auch ständig gefragt, wie ich die Chancen sehe.“

KURIER: Dann stellen wir natürlich diese Frage auch: Wie sehen Sie denn die Chancen? Nach der Auslosung haben Sie den Salzburgern die Favoritenrolle zugeschoben.

Adi Hütter: Damals habe ich es wirklich so gesehen. Salzburg hatte großartige Spiele in der Champions League gezeigt, und wir waren in einer Krise und haben viele Gegentore bekommen.

Das klingt so, als würden Sie die Ausgangslage mittlerweile anders sehen.

Jetzt spielen wir kompakter und sind wieder in der Erfolgsspur. Und deshalb denke ich, dass die Chancen auf den Aufstieg nun 50:50 stehen.

Wie war das eigentlich 1994? Hatten Sie damals das Gefühl, dass die Eintracht die Salzburger auf die leichte Schulter genommen hat?

Das war so, und das haben wir auch schon im Vorfeld gemerkt. Sie haben es uns spüren lassen, dass sie der deutsche Bundesligist sind und wir nur der Außenseiter. Sie haben nicht damit gerechnet, dass wir so stark sind.

Was kommt Ihnen noch in den Sinn, wenn Sie auf dieses Spiel zurückblicken?

Auf jeden Fall mein Siegestor zum 1:0 im Prater. Und dann natürlich das Rückspiel in Frankfurt. Wir waren in Unterzahl und sind ins Elfmeterschießen gekommen.

Dort haben Sie dann wieder getroffen.

Und ich weiß noch genau, wie ich meinen Elfer gegen Uli Stein geschossen habe. Was ich auch noch immer in Erinnerung habe, ist die Aussage des damaligen Teamchefs Herbert Prohaska. Er hat nach dem Spiel gemeint, dass ich der beste Mann auf dem Platz gewesen wäre. Kurz darauf hat er mich ins Nationalteam berufen.

Die Karriere von Adi Hütter in Bildern

Im Salzburg-Dress hatte er seine größten Erfolge.

Hütter (r.) mit Martin Amerhauser (l.) und Thomas Winklhofer

14 Mal spielte Hütter im Nationalteam

Grödig führte er in die Bundesliga ...

... und wurde von seinen Spielern gefeiert.

Gefeiert wurde er in Grödig auch mit Manager Haas. 

In der Bundesliga führte er den Aufsteiger auf Platz 3. 

Mit Salzburg holte der Vorarlberger 2015 das Double. 

Wenig später wechselte er in die Schweiz zu den Young Boys Bern. 

Auch dort wurde er Meister ...

... und wurde gefeiert.

Seit 2018 ist er Trainer von Eintracht Frankfurt.

Die Hessen führte er im Vorjahr ins Halbfinale der Europa League. 

Sie waren später – in der Saison 2014/’15 – auch für ein Jahr Trainer in Salzburg und haben das Double geholt. Wie wichtig war diese Saison für Ihre persönliche Entwicklung als Trainer?

Das Double war sicher ein wichtiger Baustein für meine weitere Trainerkarriere. Ich habe damals viel mitnehmen können, nicht nur sportlich, sondern auch für meine Persönlichkeit. Der Abschied nach einem Jahr war absolut richtig. Ich habe das auch nie bereut. Sowohl der Klub Salzburg als auch ich als Trainer haben danach eine sehr positive Entwicklung genommen.

Ein Spieler, den Sie damals für zwei Monate betreut haben, war ein gewisser Sadio Mané. Hätten Sie 2014 gedacht, dass er einmal zu den weltbesten Spielern gehören würde?

Zu den weltbesten Spielern vielleicht nicht, aber ich habe schon damals gesehen, dass er ein außergewöhnlicher Spieler werden kann. Mich freut es, dass er diese Entwicklung genommen hat.

Auch wenn Sie damals Ihre Probleme mit ihm hatten? Sadio Mané ist immerhin vor der wichtigen Partie im Champions-League-Play-off gegen Malmö nicht zum Training erschienen.

Ich persönlich hatte mit Sadio in dieser kurzen Zeit ein gutes Verhältnis. Der Rest war eine reine Managergeschichte auf einer anderen Ebene.

Wenn Sie sich als Frankfurt-Trainer einen Salzburg-Spieler aussuchen könnten, für wen würden Sie sich entscheiden?

Wenn wir jetzt von der Mannschaft im Herbst sprechen, dann wäre das wohl so ein blonder Norweger, der jetzt in Dortmund spielt.

Von Ihren fünf Duellen mit RB Leipzig haben Sie nur eines verloren, zuletzt sogar zwei Mal in Folge gewonnen. Ist es ein Vorteil, dass Sie die Spielanlage als ehemaliger Salzburg-Trainer kennen?

Nachteil ist es sicher keiner. Aber Leipzig unter Trainer Julian Nagelsmann spielt sicher anders als die Salzburger aktuell.

Was unterscheidet die beiden Spielanlagen?

Salzburg ist im Pressing noch eine Spur bedingungsloser und spielt zielstrebiger nach vorne.

Mit Christian Streich, Florian Kohfeldt und Steffen Baumgart gibt es gerade einmal drei Bundesliga-Trainer, die länger im Amt sind als Sie. Dabei sind Sie selbst noch keine zwei Jahre bei der Eintracht. Was sagt das über das Trainer-Geschäft aus?

Das hat sich in den letzten Jahren einfach so entwickelt. Das gehört inzwischen zum Fußball dazu. Bei vielen Vereinen fehlt den Verantwortlichen die Geduld, oft ist auch der Druck von außen sehr hoch. Jeder will heute einfach den schnellstmöglichen Erfolg.

Sie sind gerade 50 Jahre alt geworden. Zählen Sie sich jetzt selbst eigentlich schon zu den alten Trainern?

Wenn man das rein vom Alter her betrachtet: ja. Vor allem, wenn man dann da so junge Trainer wie Julian Nagelsmann nebenan auf der Linie sieht. Aber nein, ich fühle mich nicht alt und vom Kopf her sehr junggeblieben.

Der 50er ist normal immer ein Zeitpunkt, um Bilanz zu ziehen: Was waren die wichtigsten Entscheidungen Ihrer Karriere? Und welche Entscheidung würden Sie aus heutiger Sicht möglicherweise anders treffen?

In Österreich hab’ ich als Spieler eigentlich alles erreicht, ich habe auch ein UEFA-Cup-Finale bestritten und Champions League gespielt. Was mir vielleicht gefehlt hat, war der Sprung ins Ausland. Ich hätte damals zu 1860 München wechseln können, hab’ es aber nicht gemacht. Das hätte ich nachträglich anders entschieden. Die beste Entscheidung war, nach der Spielerkarriere ins Trainergeschäft einzusteigen.

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