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Sport Fußball
07/01/2012

Erste Schatten über Sonnyboy Löw

Die Deutschen betrauern das EM-Aus gegen Italien. Bundestrainer Joachim Löw sieht sich erstmals mit harter Kritik konfrontiert.

von Christoph Geiler

Es ist jedes Mal wieder aufs Neue faszinierend, zu welchen emotionalen Extremen die deutsche Fußballseele während eines Turniers fähig ist. Eben noch Europameister der Herzen, im nächsten Augenblick bereits wieder Europameister der Schmerzen, ein Spiel genügt, um die Kugel von Hero zu Zero springen zu lassen, zwischen Selbstverliebtheit und Selbstzerfleischung liegen oft nur 90 Minuten.

Selbst Bundestrainer Joachim Löw musste am eigenen Leib erfahren, dass auch er nur ein Passagier in der Hochschaubahn der Gefühle ist. Nach dem Viertelfinalsieg gegen Griechenland noch für seine Taktik, Kühnheit und überhaupt alles gefeiert, wurde ihm nach dem Semifinal-Aus gegen Italien bereits die Vertrauensfrage gestellt. "Werfen Sie hin, Herr Löw?", fragte die Bild-Zeitung gnadenlos direkt.

Schuldfrage

Tatsächlich wird im Bundestrainer die Wurzel allen EM-Übels ausgemacht. Seine fragwürdigen Personal-Rochaden für das Semifinale wurden zum Eigentor, und die ersten Altstars haben sich schon auf Löw eingeschossen. Der ehemalige Teamkapitän Michael Ballack, den Löw 2010 erst entmachtet und schließlich vollends ignoriert hatte, ließ seinem "Lieblingstrainer" ausrichten: "Es wird Fragen geben über Löw und seine Entscheidungen, sein Coaching und seine Wechsel." Auch Hansi Müller, Europameister von 1980, sieht in Löws Aufstellungspoker die Schuld am EM-Aus. "Was nutzt uns das ganze spielerische Potenzial, wenn es auf der Bank sitzt?"

Joachim Löw hatte mit so einem heftigen Gegenwind nicht gerechnet. Nach dem verlorenen EM-Finale 2008 und dem WM-Semifinal-Aus 2010 (jeweils gegen Spanien) hatte er stets nur Lob und Respekt geerntet. Nun gerät er erstmals ins Schussfeld der Medien. Als er beim Heimflug von der EM gefragt wurde, ob er denn auch noch im nächsten Spiel auf der Bank sitzen werde, reagierte er mit Fassungs- und Sprachlosigkeit: "Jetzt so eine Frage zu stellen, das finde ich jetzt, ja ..."

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