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Sport Fußball
10/29/2021

Kick mit Defibrillator: Wenn Fußball-Profis ihr Leben riskieren

Der Zusammenbruch Dwamenas erinnerte an den EM-Schock um Eriksen. Kardiologe Jürgen Scharhag über den Leistungssport mit Defibrillator und die Risiken.

von Silvana Strieder

Ein zusammengebrochener Fußballspieler. Sanitäter, die zum Patienten eilen und ihn behandeln. Spielerkollegen und Betreuer, die einen Kreis um den auf dem Boden Liegenden bilden und ihn vor den Augen der Öffentlichkeit schützen. Es sind Bilder, die ein Déjà-vu auslösen.

Nach der Fußball-Europameisterschaft im Sommer musste dem dänischen Star-Spieler Christian Eriksen ein Defibrillator eingesetzt werden. Zuvor wurde er noch auf dem Spielfeld reanimiert. Beim Cup-Achtelfinale am Mittwochabend brach Blau-Weiß-Linz-Stürmer Raphael Dwamena zusammen. Das Spiel gegen den TSV Hartberg wurde daraufhin abgebrochen.

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Im Gegensatz zu Eriksen spielt der 26-Jährige seit 2020 mit einem Defibrillator. Laut Angaben der Linzer Ärzte war der Ghanaer während des Notfalls stets bei Bewusstsein und nie in akuter Lebensgefahr, denn sein Defibrillator hat insgesamt viermal regulierend eingegriffen. Am Freitag soll Dwamena nach den letzten Untersuchungen wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden. Wie seine Karriere weitergeht, ist aber fraglich.

Hohes Risiko

„Vom Leistungssport mit Defibrillator würde ich abraten“, sagt U-21-DFB-Teamarzt und Univ.-Prof. Dr. Jürgen Scharhag im Gespräch mit dem KURIER. „Die Erkrankung des Herzens bestimmt die Belastbarkeit – nicht der Defibrillator!“

Welchen Leistungssport jemand mit Defibrillator noch ausüben kann, hängt laut Scharhag von den Grunderkrankungen der betroffenen Person ab. „Die muss sich zuerst komplett wieder erholt haben, aber wenn jemand eine chronische Herzerkrankung hat – und die haben diese Personen ja – dann wird das nicht besser, sondern eher schlechter. Der Sport kann im schlimmsten Fall dann wie ein Trigger wirken“, erklärt der Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie.

Hohe Intensitäten können bewirken, dass die Erkrankung noch schlimmer wird und das Risiko größer. „Das ist wie beim Autofahren: Je schneller ich fahre, desto höher ist das Risiko. Und so ist es auch mit der Belastungsgefahr beim Sport.“

Betroffene, die wieder mit dem Leistungssport anfangen wollen, müssen das sowohl mit den Ärzten als auch mit der Familie, dem Verein, dem Verband und der Versicherung abklären und sich gut überlegen, ob sie dieses Risiko eingehen wollen.

FILE PHOTO: Euro 2020 - Group B - Denmark v Finland

„Wenn jemand sagt, mir ist das egal, ich will Fußball-Profi sein und gehe das Risiko ein, dass ich vielleicht dabei sterbe, kann er das für sich ja machen, muss aber verstehen, dass Verbände ,Nein‘ sagen oder Versicherungen abspringen. In Italien ist das Kicken mit Defi bereits verboten. Prinzipiell entscheidet jeder Verband selbst, wie er mit diesem Thema umgeht.“

Defibrillator

Ein Defibrillator wird implantiert bei „einer Herzerkrankung, die mit lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen einhergeht oder nach einem überlebten plötzlichen Herztod – wie es bei Eriksen der Fall war“, sagt Jürgen Scharhag.

Defibrillatoren bestehen aus einem Implantat und einer Sonde. Das Implantat wird meist unterhalb des Schlüsselbeins angebracht und die Sonde führt von dort zum Herzen. Bei Herzrhythmusstörungen greift dieser regulierend ein.

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