Frohnatur in Frosinone: Robert Gucher spielt in der Serie B groß auf.

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Fußball-verrückt
12/24/2014

Eine schöne Bescherung in Kalabrien

Auf Italien-Legionär Robert Gucher wartet am Heiligen Abend ein Meisterschafts-Auswärtsspiel.

von Christoph Geiler

Es hätte alles schlimmer kommen können. Natürlich hätte für Robert Gucher alles noch viel schlimmer kommen können. Wenn er zum Beispiel mit seiner Mannschaft Frosinone Calcio heute etwa nach Trapani reisen hätte müssen, an den westlichsten Zipfel von Sizilien. Oder aber, wenn man beim italienischen Fußballverband gar auf die glorreiche Idee gekommen wäre, für den Heiligen Abend eine Cuprunde anzusetzen, samt Verlängerung oder Elfmeterschießen. Dann wäre Weihnachten für Robert Gucher in diesem Jahr möglicherweise tatsächlich auf den 25.Dezember gefallen.

"Aber so sollte es sich ausgehen, dass wir am späten Abend wieder daheim sind und Weihnachten feiern können", schmunzelt der 23-jährige Mittelfeldspieler, der heute mit Frosinone in der italienischen Serie B ein Auswärtsspiel in Crotone absolvieren muss – im tiefsten Kalabrien, acht Autostunden von Frosinone entfernt. "Irgendwie ist das schon verrückt", sagt Gucher.

Während der Sport fast allerorts eine Ruhetag einlegt und den meisten Athleten der Heilige Abend heilig ist, wartet auf Italiens Zweitligakicker eine schöne Bescherung. Ausgerechnet im erzkatholischen Italien haben die originellen Terminplaner der Fußballliga für den 24.12. einen Spieltag angesetzt. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass da viele Leute ins Stadion kommen",sagt Gucher.

Kleine Weltreise

Immerhin haben sich die Präsidenten von Crotone und Frosinone darauf verständigen können, das Meisterschaftsspiel bereits um 12.30 Uhr anzupfeifen, und nicht wie ursprünglich vorgesehen erst am Nachmittag. "Dann kommen wir zumindest ein bisschen früher heim", weiß Gucher. Zumal der Steirer und seine Teamkollegen auf der Heimfahrt eine kleine Weltreise absolvieren müssen: erst mit dem Bus nach Lamezia, dann im Flieger nach Rom, und schließlich wieder mit dem Bus weiter nach Frosinone.

Weihnachtsstress hin, Zusatzschicht her – richtig beschweren will und kann sich Robert Gucher dann freilich doch nicht. Der 23-Jährige hat in Italien sein Fußballparadies und eine zweite Heimat gefunden, das wird ihm in Frosinone nahezu täglich bewusst. Das Städtchen in der Provinz Latium, 50.000 Einwohner, eine Autostunde von Rom entfernt, ist ein fußballverrücktes Nest, über das Italien seit Monaten spricht.

Als Aufsteiger sorgt Frosinone Calcio in der Serie B für Furore und befindet sich nach 19 Runden als Tabellenzweiter sogar auf Kurs Richtung Serie A. Und Gucher ist als Kapitän eine der zentralen Figuren beim Sensationsteam des italienischen Fußballs. "Das ist schon ein großes Thema in Italien", erzählt er.

Gefragter Mann

Als der Steirer 2008 mit 17 Jahren vom GAK zu Frosinone wechselte, konnten diesen Schritt nur wenige verstehen. Frosinower? Frosinowie? Frosinowas? "Ich bin damals belächelt worden", erinnert sich Gucher. Im Gegen- satz zu vielen anderen Österreichern, die es in jungen Jahren nach Italien verschlagen hat, um dann schnell wieder die Heimreise anzutreten, hat der Steirer durchgehalten. "Die neue Sprache, dazu das Taktiktraining: viele haben die Mentalität nicht und geben früh auf. Du musst schon ein zäher Hund sein, denn als Österreicher bist du am Anfang in Italien ein Niemand."

Heute ist Robert Gucher ein hochgelobter Mittelfeldspieler und ein gefragter Mann. Claudio Lotito, der Präsident von Lazio Rom, hat schon mehrmals beim Österreicher vorgefühlt. "Irgendwann möchte ich in der Serie A spielen", so Gucher.

Das wäre dann für ihn wie Weihnachten und Ostern an einem Tag.

Mit 17 nach Italien

Karriere

Robert Gucher (*20. 2. 1991 in Graz) wechselte im Jahr 2008 als 17-Jähriger vom GAK in die zweite italienische Liga zu Frosinone Calcio. 2010 wurde der zentrale Mittelfeldspieler an den FC Genua verliehen, mit dem er die Primavera-Meisterschaft gewann. In der Saison 2011/’12 spielte Gucher für Kapfenberg, ehe er wieder nach Frosinone (90 km südlich von Rom) zurückkehrte. In der Vorsaison gelang der Aufstieg in die Serie B, aktuell ist der 23-Jährige sogar Kapitän. Gucher gehörte dem österreichischen Nationalteam an, das 2011 an der U-20-WM in Kolumbien teilnahm.

Auch in England gibt es keine Pause

Während die meisten großen Fußball-Ligen eine (kurze) Pause einlegen, zieht die Premier League auch über die Weihnachtstage ihr Programm durch. Der Boxing Day am 26. Dezember ist für Marko Arnautovic kein Novum mehr. Am Freitag (16 Uhr) trifft er mit Stoke City in Liverpool auf Everton.

Am Boxing Day machen in Großbritannien besser situierte Menschen Hilfsbedürftigen Geschenke. „In den Stadien herrscht eine ganz besondere Stimmung“, berichtete der langjährige England-Profi Dietmar Hamann. „Für die Engländer ist der Boxing Day ein sehr spezieller Tag, an dem die ganze Familie ins Stadion geht. Das hat dort so Tradition.“ Für Familie und Ruhe haben die Profis hingegen nur wenig Zeit. So geht es auch Österreichs zweitem Legionär in der Premier League, Andreas Weimann. Der 23-Jährige hat am Christtag Training und trifft am Stefanitag mit Aston Villa auswärts auf Swansea City. Besuch seiner Familie aus Wien erhält er über Silvester. Doch auch am Neujahrstag wird in der Premier League gekickt.

Profifußball und Spiele zu Weihnachten gibt es in England aber nicht nur in der obersten Liga. Österreichs ehemaliger Unter-21-Goalie Robert Olejnik etwa trifft am Stefanitag mit Scunthorpe United in der League One (3.) auf Rochdale AFC. In der League Two (4.) trifft der Steirer Johannes Ertl mit Portsmouth auf Wimbledon. Erste Wahl ist der siebenfacher österreichische Teamspieler, heute 32, bei seinem Klub jedoch nicht mehr.

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