Trainer Jürgen Klopp steht trotz der achten Saison-Niederlage nicht zur Diskussion.

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Deutsche Bundesliga
12/01/2014

Klopps Trainerstuhl wackelt nicht

Erstmals unter dem Erfolgstrainer ist der BVB Tabellenletzter, ein Abgang ist aber nicht in Sicht.

von Günther Pavlovics

Jürgen Klopp wurde 2008 beim HSV abgelehnt. Zu flapsig seine Sprüche, zu wenig glatt rasiert sein Kinn, zu lange Haare auf dem Kopf, zu viele Löcher in den Jeans des damals 41-jährigen Mainzer Trainers.

Also nutzte Dortmund die Chance und griff zu. Sechs Jahre später hat sich Klopp als Marke etabliert. Die Welt schreibt von jährlichen Werbeeinnahmen von 2,3 Millionen Euro – exklusive erfolgsabhängiger Prämien und seinem Dortmund-Gehalt von sechs Millionen Euro. Kein anderer Bundesligatrainer schlägt aus seiner Popularität so viel Kapital. Klopp wirbt für eine Bank und ist für Philips Partner im Bereich "Male Grooming und Shaving". Seine Kontrakte mit den BVB-Sponsoren Puma und Opel sind an seine Trainertätigkeit gebunden.

Von drei Partnern bekommt er kein Geld, sondern wird exklusiv ausgestattet: Skiclub Kampen (Herrenausstatter und Spirituosen auf Sylt), Luxottica (italienische Brillenfirma mit den Marken Ray-Ban, Oakley, Persol) und TW Steel (Uhren).

Jürgen Klopp ist mehr als sechs Jahre das Gesicht für die Auferstehung von Dortmund als europäisches Spitzenteam. 1997 hatten die Borussen die Champions League gewonnen. Danach wurden Millionen für neue Spieler ausgegeben, an alte Erfolge konnte man nicht mehr anschließen. 2000 entging der Klub nur knapp dem Abstieg. 2005 war sogar der Fortbestand des Vereins wegen 98 Millionen Euro Schulden in Gefahr. 2008 wurde Klopp geholt, der gleich in seiner ersten Saison Sechster wurde. Nach einem fünften Platz gab es zwei Titel und zwei Vize-Titel hinter den Bayern.

Werbeträger Klopp

Sein Habitus des lockeren, lustigen, zugleich aber extrem fleißigen und erfolgreichen Arbeiters kommt bei Sponsoren und den Fans an. In den letzten sechs Jahren schwebten diese auf der schwarz-gelben Wolke 7. Erstmals unter Klopp ist man jetzt aber Tabellenletzter, plötzlich werden die Spieler vom Anhang beschimpft. Als diese sich am Sonntag nach dem 0:2 in Frankfurt von den mitgereisten Fans verabschiedeten, wurden sie mit Pfiffen überschüttet. Nicht aber der Trainer. Zwei Meisterschaften, ein Champions-League-Finale lassen sich nicht so leicht aus dem Gedächtnis löschen. Auch heuer marschierte Dortmund locker durch die Gruppenphase der Königsklasse.

Zu groß sind die Verdienste von Klopp. In seiner Amtszeit schraubte die Mannschaft des BVB mittlerweile ihren Marktwert auf 342 Millionen Euro. Man hat in den letzten Jahren Götze und Lewandowski an die Bayern verloren, hat Sahin an Real verkauft und Kagawa an Manchester United.

Der Japaner kehrte diesen Sommer zurück, doch auch er findet wie Adrian Ramos und Immobile nicht richtig ins Spiel. Zudem verhinderte eine lange Verletztenliste, dass die Mannschaft ihren Rhythmus findet. Sahin und Blaszczykowski haben diese Saison noch kein Spiel gemacht. Hummels, Sokratis, Bender, Gündogan und immer wieder der herausragende Reus waren oder sind verletzt. Piszcek tat sich am Sonntag in Frankfurt weh.

Nach sechs Jahren unter dem emotionalen Trainer vermutet Ex-Teamspieler Bernd Schuster Abnützungserscheinungen in der Beziehung zu den Spielern. Diesen Ansatz hat Klopp selbst schon hinterfragt. "Es ist nicht so, dass die Jungs mir nicht glauben, oder dass es Abnutzungserscheinungen gibt", sagte er. Daher ist ein Abgang nicht in Sicht. "Die Verantwortung ist groß, und der stelle ich mich."

Was Manager Michael Zorc zu Kenntnis nimmt: "Wir sind zu 100 Prozent davon überzeugt, dass wir mit Jürgen da rauskommen." Bei vielen anderen Vereinen müssten nach dieser Aussage beim Trainer die Alarmglocken läuten. Nicht so bei Dortmund. Ist doch in der Stadt auf den Litfaßsäulen der Slogan des Vereins zu lesen: "Echte Liebe".

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