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Sport Fußball
06/02/2020

Dem österreichischen Fußball schlägt die Geisterstunde

Der Austria spukt in der Qualifikationsgruppe der Europacup im Kopf herum, Wattens beklagt einen verletzten Trainer

von Alexander Strecha, Christoph Geiler

Sie sind die Drei von der Nordtribüne. Peter Stöger, Alexander Bade und Markus Kraetschmer werden am Dienstagabend im geräumigen violetten VIP-Klub mit der Abstandsregel sicher keine Probleme bekommen, kann sich doch jeder zur Not eine eigene Loge gönnen.

Die drei Verantwortlichen werden die einzigen Gäste auf der Tribüne auf mehreren Hunderten Quadratmetern sein, etwas weniger als die erlaubten 200 Personen werden am Dienstag ab 20.30 Uhr insgesamt im Stadion dabei sein, wenn die Austria in der fast komplett leeren Generali-Arena die Admira willkommen heißt.

Im Test gegen Hartberg haben die Veilchen schon ein Geisterspiel in all seinen Facetten geprobt und für gut befunden. Dennoch spricht Trainer Christian Ilzer von einem „Tappen im Ungewissen. Die aktuelle Situation ist ein gefühlter Neustart für alle.“

Stöger wiederum zeigt sich froh, dass endlich wieder Fußball gespielt wird. „Wir freuen uns alle, es ist an der Zeit. Und es war wichtig, dass wir hartnäckig auf die Fortführung der Liga gepocht haben.“ Andernfalls hätte es jetzt wohl heftige Kritik gegeben. „Wenn man sieht, welche Lockerungen es im Alltagsleben gibt und was nun alles erlaubt ist, dann hätte man uns jetzt einiges vorwerfen können.“

Keine Angst vor Geistern

Die Geisterspiele fürchtet Stöger nicht. Einerseits, weil alle vor denselben schwierigen und ungewohnten Herausforderungen stehen, andererseits, weil die deutsche Bundesliga ein positives Beispiel war. „Die Spiele waren gut, das hat mir ganz gut gefallen.“ Nach dem Test gegen Hartberg hatten zuletzt einige Akteure in Violett mit muskulären Problemen zu kämpfen, sollten aber – bis auf Prokop – rechtzeitig fit werden.

Immerhin möchte die Austria von Anpfiff weg die Qualifikationsgruppe dominieren. Ilzer: „Wir müssen vom Start weg so auftreten, dass wir nicht mehr nach hinten schauen müssen.“ Ziel ist es, nicht nur die zehn ausstehenden Runden zu absolvieren, sondern auch die Play-off-Spiele für die Europa League zu erzwingen. „Unser Weg soll ohne Wenn und Aber ab Dienstag in diese Richtung gehen.“

Gegner Admira reist die kurze Strecke mit einem neuen Trainer an, nämlich Zvonimir Soldo. Ilzer gibt sich gespannt: „Das wird mit dieser Konstellation sicher sehr interessant. Aber wir werden nicht so sehr auf den Gegner schauen.“

Tirol ohne Chefcoach

Zu gleich zwei Trainerdebüts kommt es beim Spiel WSG Tirol – SKN St. Pölten. Während Robert Ibertsberger seine Elf wochenlang auf den Auftritt am Tivoli vorbereiten konnte, müssen bei den Tirolern der bisherige Co-Trainer Martin Svejnoha und Sportchef Stefan Köck ungeplant die Chefrolle übernehmen.

Thomas Silberberger zog sich bei einem Motorradunfall eine offene Fraktur am Unterschenkel zu und musste bereits einmal operiert werden. In dieser Woche wartet ein weiterer Eingriff (Hauttransplantation). Via Telefon wird Silberberger heute im Match gegen SKN St. Pölten aber zugeschaltet sein. „Die Spieler wissen, was sie zu tun haben. Der Vorteil ist, dass wir eine routinierte Mannschaft haben“, sagt Stefan Köck.

Für manche Teams bedeuten die Geisterspiele gar keine so große Umstellung. Bei WSG Tirol etwa konnte man zuletzt schon die Zuschauer per Handschlag begrüßen, nachdem die Aufstiegseuphorie rasch verflogen war. „Wir haben das Stadion leergespielt“, sagte Silberberger im Herbst. Der Tiroler Coach glaubt, dass in der Qualifikationsrunde vor allem Klubs wie Austria oder Altach unter den leeren Rängen leiden. „Die haben gewöhnlich Zuschauer. Spiele bei uns, in Mattersburg oder in St. Pölten waren im Normalmodus schon Tristesse.“