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Sport Fußball
03/26/2020

Risikopatient Rapid: Solidarität zwischen Spielern und Bossen

In der Corona-Krise muss Rapid sparen. Neben Kurzarbeit und Gehaltsverzicht der Geschäftsführer wird es weitere Maßnahmen geben

von Alexander Huber

„Ich habe noch nie mit einer so intelligenten Mannschaft zusammengearbeitet.“ Das hat Fredy Bickel in seiner Zeit als Rapid-Sportdirektor gerne betont. Während Bickel wieder zurück in Zürich ist, zahlt sich sein Befund für Rapid nun aus.

Und zwar im wahrsten Sinn des Wortes: Die gut bezahlten Kicker können über den Tellerrand blicken und wollen dem Verein beim dringend nötigen Sparen helfen.

Frage der Liquidität

Angeführt von Kapitän Stefan Schwab werden die Profis solidarisch mit ihrem Arbeitgeber sein.

Denn Rapid gehört in der Corona-Krise zu den Risikopatienten: hohe Fixkosten für 170 Mitarbeiter in Vollzeit, keine Einnahmen mehr (was den Verein mit den meisten Fans und höchsten VIP-Erlösen besonders trifft) und außerdem hohe Kredite für den Stadionbau.

„Wir haben unsere Mitarbeiter für die Kurzarbeit angemeldet und merken, dass es von Spielern wie Trainern große Bereitschaft gibt, einen Unterstützungsbeitrag zu leisten. Da sind wir in finalen Gesprächen“, sagt Christoph Peschek zum KURIER.

Jeder Betroffene muss schließlich einen Verzicht auch persönlich unterschreiben.

Selbstbeschränkung

Gemeinsam mit Sportchef Zoran Barisic ist Peschek mit gutem Beispiel vorangegangen: Die beiden Geschäftsführer verzichten während der Corona-Krise auf wesentliche Teile ihrer Gehälter.

Zum Hintergrund: Der Staat hilft bei der Kurzarbeit bis maximal 5.370 Euro brutto pro Monat. Anteile der Fixgehälter, die darüber liegen (und das sind bei vielen Fußballern große Summen) müsste jeder Verein weiterhin selbst auszahlen.

Frage der Zeit

„Auch wenn wir Rapid auf den Notbetrieb runtergefahren haben, bleiben Fixkosten bestehen“, betont Peschek, der versucht, sämtliche Kosten auf ein Minimum zu reduzieren. „Die entscheidende Frage wird sein, wann das Coronavirus eingedämmt werden kann.“

Sportjurist Thomas Wallentin hat im KURIER-Interview verschiedene Varianten für Vereine erklärt.

Das Aussetzen jeglicher Zahlungen an Spieler wäre juristisch denkbar (wegen höherer Gewalt), würde aber wohl vor Gericht landen. Plan B wären Kündigungen (wie in der Schweiz bei Sion), die betroffenen Kicker wären dann aber ablösefrei zu haben.

Rapid will alle Verträge einhalten.

Wallentin, der auch Mitglied am Sportgerichtshof CAS ist, plädiert während der Krise für die Suche nach Kompromissen.

Einheit bei Sturm

In Graz wurden alle 80 Vereinsmitarbeiter, darunter Spieler und Trainer, gesammelt zur Kurzarbeit angemeldet. „Keine einzige Absage erhalten zu haben, ist ein Zeichen des Zusammenhalts und keine Selbstverständlichkeit“, freut sich Geschäftsführer Günter Kreissl.

In Altach wollte (nur) Manfred Fischer nicht in Kurzarbeit, der Offensivspieler wird die betroffenen Gehaltsanteile dafür an die Caritas spenden.