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Fußball-WM als Sicherheitsrisiko: So schulte die Cobra das ÖFB-Team

Sicherheitsbriefing vor dem Start der Weltmeisterschaft durch Antiterror-Spezialisten. Air Marshals begleiten heikle USA-Flüge.
++ HANDOUT ++ NEUES ÖFB-HEIMTRIKOT

Die islamistisch motivierten Attentate am 13. November 2015 in Paris mit dem Anschlag im Stade de France während des Fußball-Freundschaftsspiels zwischen Frankreich und Deutschland haben auch den Sport ins Zentrum des internationalen Terrors gerückt.

Kein Wunder, dass eine Großveranstaltung wie die bevorstehende FIFA-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko deshalb die Behörden in aller Welt auf den Plan ruft, entsprechende Sicherheitskonzepte zu entwickeln.

Schwer bewaffnete Spezialeinheiten

Um den ÖFB bestmöglich auf drohende Gefahren bei der WM vorzubereiten, fand diese Woche ein spezieller Termin im Headquarter der Polizei-Sondereinheit Cobra in Wiener Neustadt statt. Vor zehn Jahren wurde auf Initiative von Günther Marek aus dem Innenministerium eine „Task Force“ bei sportlichen Großevents initiiert.

Bei einem Sicherheitsbriefing der Antiterror-Spezialisten wurde die Delegation des ÖFB rund um Geschäftsführer Bernhard Neuhold auf die Risiken des Mega-Events vorbereitet. „Es war schon ein gewisses ungutes Gefühl, ständig von schwer bewaffneten Polizisten der französischen Spezialeinheit auf Schritt und Tritt begleitet zu werden“, erinnerte sich Neuhold an die EM 2016 in Frankreich zurück. Ein Jahr nach den Anschlägen von Paris lagen bei den Sicherheitsbehörden damals die Nerven blank.

Leicht erkennbare Ziele

Aufgrund des Iran-Kriegs und anderer aktuell globaler Krisen wird das bei der FIFA-WM nicht viel anders sein, warnen die Sicherheitsexperten der Direktion für Spezialeinheiten (DSE) im Innenministerium. „Die Weltmeisterschaft hat eine hohe internationale Sichtbarkeit und Relevanz. Delegationen sind leicht erkennbare Ziele. Es gibt extrem viel Reisebewegung und damit Risikoschwerpunkte“, leiteten Oberst Stefan Steiner und Oberstleutnant Wolfgang Schwaiger vom Einsatzkommando Cobra das mehrstündige Sicherheitsbriefing ein.

Ein Mann in Uniform hält einen Vortrag vor mehreren Zuhörern in einem Konferenzraum mit Präsentationsfolien und Polizei-Sport-Bannern.

Sicherheitsbriefing des ÖFB-Teams im Hauptquartier der Antiterror-Einheit Cobra in Wiener Neustadt.

Keine Fehler in sozialen Medien

Ein unbedarftes Posting in sozialen Medien reiche aus und man mache sich unwillkürlich zur Zielscheibe, so der Tenor. „Stellen Sie sich vor, Sie posten ein Foto aus dem Mannschaftshotel, auf dem im Hintergrund die Zimmernummer zu erkennen ist“, warnen die Spezialisten der Sondereinheit.

Das Teilen sensibler Standortdaten sei ein Kardinalfehler, den es unbedingt zu vermeiden gilt, so Steiner. Die Erfahrung der Sondereinheit rührt von diversen Auslandseinsätzen des Krisenunterstützungsteams (KUT) bei den Olympischen Spielen in Japan, China, Frankreich und Italien oder bei Krisenherden zum Schutz der österreichischen Botschaft im Irak. „Es ist auch unsere Aufgabe, die höchsten Repräsentanten Österreichs im Ausland zu schützen“, erklärt Bernhard Treibenreif, Chef der Direktion für Spezialeinheiten.

Bernhard Treibenreif, Günther Marek, Bernhard Neuhold, Hans Niessl u.a. beim Sicherheitsbriefing des ÖFB im Hauptquartier der Cobra.

Bernhard Treibenreif, Günther Marek, Bernhard Neuhold, Hans Niessl u.a. beim Sicherheitsbriefing des ÖFB im Hauptquartier der Cobra.

Was die kommende Fußball-Weltmeisterschaft anbelangt, werden zivile Verbindungsbeamte das Bindeglied der ÖFB-Delegation mit den Sicherheitsbehörden der drei Veranstaltungsländer sein.

Flugverkehr bei Stadien besonders gefährdet

Cobra-Beamte begleiten vor und während der WM heikle Flüge von Österreich nach Nordamerika im Zuge des Air Marshal Service. Dabei sind zivile bzw. verdeckte Antiterror-Spezialisten an Bord von AUA-Maschinen. Wie man seit den Anschlägen von 9/11 weiß, ist gerade der Flugverkehr in der Nähe von ausverkauften Stadien ein besonders heikles Thema für die Sicherheitsbehörden in den USA, erklärten die Cobra-Beamten im Zuge des Termins, an dem auch Hans Niessl, Präsident der Bundessport-Organisation Sport Austria und andere Funktionäre teilnahmen.

Weiße Gebäude mit roten Dächern, Palmen, zwei Pools und gepflegten Gärten direkt an einer Steilküste mit Meerblick.

Das Quartier des ÖFB-Teams in Santa Barbara in Kalifornien.

Das ÖFB-Team wird im Zuge der WM einige Flüge bestreiten. Auch dafür gab es wichtige Verhaltensregeln und Sicherheitstipps. In der Gruppenphase wird das Team von Ralf Rangnick in einer Hotelanlage in Santa Barbara in Kalifornien direkt am Meer sein Basecamp haben. „Von dort fliegen wir zu den Destinationen der Gruppenspiele“, so Neuhold.

Wenn das Team aufsteigt, wird in der jeweiligen Stadt Quartier bezogen, in der das nächste WM-Spiel stattfindet.

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