Ölhafen als Terrorziel: Wieso die Cobra mit Schnellbooten kam
Zugriff der Cobra bei der Anti-Terror-Übung im Ölhafen Lobau
Spaziergänger hatten eine Schrecksekunde, als schwer bewaffnete Cobra-Beamte aus den Booten sprangen und Ablenkgranaten aus dem Hubschrauber zu Boden fielen.
Das Gelände rund um den Ölhafen Lobau und die Ostautobahn A4 waren am Donnerstag Schauplatz eines vereitelten Terroranschlags. In letzter Sekunde konnten die Spezialeinsatzkräfte das verhindern, was für Sicherheitsbehörden in Europa als eines der größten Bedrohungsszenarien des internationalen Terrorismus gilt – einen Schlag gegen die kritische Infrastruktur.
Anti-Terror-Übung im Ölhafen Lobau
Tagelange Observation
Ein abstraktes Szenario? "Mitnichten“, erklärt der Leiter der Direktion für Spezialeinheiten (DSE), Bernhard Treibenreif. Für Polizei, Verfassungsschutz und Nachrichtendienste gelten Kraftwerke, Wasserversorger, Telekommunikationszentren, Spitäler, Raffinerien und Öllager als potenzielle Angriffsziele.
Im Zuge der länderübergreifenden Einsatzübung "The Allies 2026“, welche am vergangenen Montag in Brüssel begann und sich über zehn europäische Länder erstreckte, wurde deshalb genau auf ein solches Bedrohungsbild eingegangen. Die Spezialeinheiten Europas vernetzen sich innerhalb von Einsatzverbünden, die Cobra vereint diese unter einem Dach.
Partnerstaaten und Europol hatten die DSE Anfang der Woche gewarnt, dass es Hinweise auf einen möglichen Anschlag in Österreich gibt. Alle Aktivitäten der Übung passierten live und in echt. Unter der Beobachtung der European Surveillance Group (ESG) – dem Netzwerk von polizeilichen Observationseinheiten der EU-Mitgliedstaaten – wurden mehrere Tatverdächtige auf einem Flug von Frankfurt nach Wien von Air Marshals an Bord nicht aus den Augen gelassen.
Peilsender
Ab dem Flughafen übernahm ein Observationsteam der DSE die verdeckte Überwachung. Mit hochauflösenden Kameras, GPS-Peilsendern und allen zur Verfügung stehenden Mitteln wurde jeder Schritt der Tätergruppe überwacht. Sie wurden dabei beobachtet, als sie den Ölhafen Lobau ausspionierten. Da sich die Hinweise verdichteten, dass das Anschlagsziel an der Donau liegt, wurden die Spezialeinheiten Lynx aus der Slowakei und TEK aus Ungarn angefordert. Die Zugriffseinheiten kamen mit ihren 600 PS starken Einsatzbooten, wie sie auch die Cobra hat.
Sprengstoff verladen
Nach der Spionage in der Lobau flogen die Verdächtigen nach Bukarest. Dort wurden sie von örtlichen Kräften observiert, als sie einen russischen Auftragsagenten trafen und kurz darauf wieder im Flieger zurück nach Schwechat saßen. Mittels hochauflösender Kameratechnik konnten die Kriminellen aus weiter Entfernung dabei gefilmt werden, wie sie in Fischamend Fässer – vermutlich voll mit Sprengstoff – in einen Klein-Lkw luden.
Innenminister Gerhard Karner, der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit Franz Ruf, Wiens Vize-Polizeichef Dieter Csefan und Cobra-Chef Rainer Wintersteiger wurden in der Einsatzzentrale beim Hafen live auf den Bildschirmen Zeugen des Showdowns.
Die Spezialeinheiten Europas vernetzen sich innerhalb sogenannter Einsatzverbünde. Zu diesen zählen die Einsatzverbünde ATLAS, in welchem das Einsatzkommando Cobra sich mit den anderen Interventionseinheiten Europas vernetzt.
Die European Surveillance Group (ESG) dient zur Vernetzung der europäischen Observationseinheiten. Der Einsatzverbund EIFS (Enhancing. In-Flight Security) stellt die Vernetzung der Air Marshall-Einheiten in Europa sicher.
Die Direktion für Sondereinheiten/Einsatzkommando Cobra vereint alle diese Verbünde unter einem Dach, da ihre Organisationsteile den jeweiligen Verbünden angehören.
Panzerwagen und Hubschrauber
Bei einem Zugriff mit den Schnellbooten, Hubschraubern und dem Panzerwagen Survivor wurden sechs Terrorverdächtige ausgeschaltet und der Sprengstoff entschärft. Ein Cobra-Beamter in der internationalen Einsatzzentrale in Den Haag meldete dort die erfolgreiche "Neutralisierung“ der Terrorzelle.
"Organisierte Kriminelle und Terroristen machen vor Staatsgrenzen keinen Halt. Die Einsatzübung europäischer Polizei-Spezialeinheiten mit über 100 Spezialkräften zeigt eindrucksvoll, wie wichtig es daher ist, dass auch die Polizei über Ländergrenzen hinweg professionell zusammenarbeitet“, war Karners Resümee.
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