Dauer-Jubler: Robert Beric (Mitte) kehrt nach seiner Sperre zurück und will sich wieder gratulieren lassen

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Bundesliga
03/07/2015

Wiener Derby: Rapid als Favorit nach Favoriten

Die Stimmung spricht vor dem Hit bei der Austria für Rapid. Die Veilchen dürfen nicht verlieren.

von Alexander Strecha, Alexander Huber

Es soll Zeiten gegeben haben, in denen die Stimmung bei der Austria eine bessere war. Vor dem 312. Derby am Sonntag (16.30 Uhr) gegen Rapid stehen die Veilchen und ihr Trainer Gerald Baumgartner gehörig unter Druck. Der Coach versucht die Nebengeräusche um seine Person auszublenden. "Ich kenne die Mechanismen des Fußballs, wenn man nicht erfolgreich ist. Der Druck ist groß, privat habe ich zuletzt abschalten und wieder Energie tanken können."

Ob im Falle einer Derby-Niederlage auch am Montag noch der Austria-Trainer Baumgartner heißt, wollte Sportdirektor Franz Wohlfahrt nicht beantworten. "Bis Sonntag liegt unser ganzer Fokus nur auf dem Spiel. Aber es wäre jetzt nicht richtig, alles über den Haufen zu werfen. Die Aufgabe der Klubführung ist es, Ruhe zu bewahren." Kommenden Montag wird Wohlfahrt dem Aufsichtsrat seine Analyse der ersten sieben Wochen im Amt präsentieren.

"Spieler sind nur Menschen"

Mit der Statistik kann die Austria auch keinen gelungenen Doppelpass spielen, denn sie besagt, dass die Veilchen in den letzten neun Derbys in der Generali Arena nur einmal siegten. Eine deutliche Reaktion ist vonnöten. Baumgartner meint: "Spieler sind nur Menschen. Manche können vielleicht nicht den Druck ins Positive steuern. Das muss uns diesmal gelingen."

Zumindest auf den Tribünen ist violette Dominanz garantiert: Nach den Krawallen vom Herbst steht das erste von zwei Derbys ohne organisierte Auswärtsfans an.

Auf der rechten Abwehrseite der Austria ist eine Position vakant, da Florian Koch und Stryger Larsen verletzt sind. Der gelernte Innenverteidiger Christian Ramsebner soll die Lücke füllen.

Gefragter Routinier

Bei Rapid wird nach dem 1:0 gegen Altach mit einer verstärkten B-Elf wieder "zurückrotiert". Steffen Hofmann scherzt zwar vor seinem schon 450. Pflichtspiel für Rapid: "Es ist momentan schön, unserem Spiel von der Bank aus zuzusehen. Noch schöner ist es, wenn mich dann der Trainer auch noch eintauscht." Doch Trainer Zoran Barisic gibt seinem Kapitän eine Startplatz-Garantie: "Der Steff wird voll fit und frisch einlaufen. So wie es geplant war."

Weil die Alternativspieler am Mittwoch voll überzeugt haben, plagen Barisic – im Vergleich zu seinem Kollegen Baumgartner – Luxussorgen: "Die Aufstellung wurde mir noch schwerer gemacht." So darf Philipp Schobesberger hoffen (statt Louis Schaub) in der Startelf zu bleiben. Selbst die Plätze auf der Ersatzbank sind hart umkämpft. "Wenn dann wer sogar grundlos auf die Tribüne muss, tut mir das weh."

Rollenverteilung

Barisic predigt wegen der seltenen Rolle als Favorit in Favoriten Demut: "Viele im und um den Verein sind euphorisiert. Ich behalte die Ruhe – so wie auch in schlechten Zeiten." Hofmann will die breite Brust hingegen nicht verstecken: "Die Austria müsste mit ihrer Qualität weiter vorne sein. Aber eigentlich ist es mir wurscht, wo sie stehen." Und zu einem möglichen Erfolg ohne Jubel auf den Tribünen meint der Routinier: "Ohne eigene Fans zu gewinnen, ist auch ein schönes Erlebnis."

Rapid ist vor dem Derby tatsächlich Favorit. Was spricht für die Austria? Baumgartner überlegt. "Dass wir daheim spielen, und die Fans uns anfeuern werden." Die aktuellen Vorzüge des Erzrivalen kann er nach dem Videostudium ausführlich benennen: "Rapid agiert mit Herz und Leidenschaft, hat mit Beric einen starken Stürmer. Sie verlagern ihr Spiel auf die Seite und sind bei Standards gefährlich."