Für Wilfried Domoraud und seine Admiraner fängt die Bundesliga quasi von vorne an.

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Lizenzverstoß: 8 Punkte Abzug für Admira
10/14/2013

Lizenzverstoß: 8 Punkte Abzug für Admira

Der Klub verliert die gesamte bisherige Ausbeute und hält nun bei null Zählern.

Der FC Admira Wacker Mödling ist von der Fußball-Bundesliga sanktioniert worden. Wegen Verstößen gegen Lizenzbestimmungen wurde das Oberhaus-Schlusslicht in der laufenden Saison mit einem Abzug von acht Punkten belegt. Diese ab sofort in Kraft tretende Entscheidung des Senats 5 (Lizenzausschuss) gab die Liga am Montag bekannt. Die Admira verliert damit die gesamte bisherige Ausbeute und hält nach elf Runden bei null Zählern.

"Der Klub hat einen schwerwiegenden Verstoß gegen die Lizenzbestimmungen begangen. Im Senat wurden sowohl der Verstoß als auch Art und Ausmaß der Sanktion intensiv diskutiert. Letztendlich zeigte sich diese drastische Form der Sanktion als angemessen, auch wenn damit die sportliche Entwicklung beeinflusst wird", erklärte der Senat-5-Vorsitzende Thomas Hofer-Zeni in einer Liga-Aussendung.

Der Bundesligist wird wie erwartet Protest gegen den Punkteabzug einlegen. Das gaben die Niederösterreicher am Montagabend bekannt. Das Urteil bezeichnete die Admira als "Keulenschlag, der den Verein völlig unvorbereitet getroffen hat".

Admiras Stellungnahme

In einer Presseaussendung nahm der Klub zu den Gründen für die Bestrafung Stellung. Hintergrund sei eine langwierige Diskussion zwischen der Stadtgemeinde Mödling und der Gemeinde Maria Enzersdorf über die Kommunalsteuer-Zugehörigkeit der Admira. Diese Debatte laufe seit dem Einstieg der Firma Trenkwalder bei der Admira im Jahr 2008. "Trotz mündlicher Zusagen und intensiven Aufklärungs- und Lösungsversuchen durch den Vorstand von Admira reichte die Gemeinde Maria Enzersdorf unkoordiniert eine Exekution von Kommunalsteuerabgaben bei der Österreichischen Fußball-Bundesliga ein", ließ die Admira in der Mitteilung wissen.

"Admira hat vorsorglich Kommunalsteuer-Rückstellungen in der Bilanz vorgesehen, was jedoch für die Österreichische Fußball-Bundesliga nicht ausreichte", hieß es vonseiten der Admiraner weiter.

Finanzprobleme kein Geheimnis

Der Admira war bereits im Frühjahr in erster Instanz die Lizenz für die Saison 2013/14 verwehrt geblieben. Die Spielgenehmigung wurde schließlich vom Protestkomitee erteilt. Dass die Südstädter finanziell angeschlagen sind, ist kein Geheimnis. Mäzen Richard Trenkwalder verkaufte seine Personalleasingfirma 2011 an deutsche Investoren und konnte nicht verhindern konnte, dass das Unternehmen 2012 seinen Rückzug als Sponsor verkündete. Seither herrscht bei der Admira der Sparstift.

Konsequente Liga

Eine mögliche Reduktion der Strafe außen vor gelassen, steht die Admira sportlich nun vor einer äußerst schweren Aufgabe. Auf Wacker Innsbruck und den WAC fehlen dem Tabellenletzten zehn Zähler. Im Abstiegskampf kein unwesentlicher Rückstand. "Für den Klub und die Bundesliga ist diese Entscheidung, insbesondere in sportlicher Hinsicht, natürlich nicht erfreulich", gab Pangl zu. Gleichzeitig wollte der Liga-Vorstand aber die konsequente Haltung der Liga betonen: "Bundesliga-Fußball bedingt eben nicht nur die Einhaltung der Spielregeln auf dem Spielfeld, sondern auch abseits des grünen Rasens."

Ein Punkteabzug wurde von der Liga zuletzt dem Erste-Liga-Klub Vienna im Mai auferlegt. Die Wiener mussten nach einem Protest schlussendlich aber nur mit drei anstelle der ursprünglich fünf Punkten Abzug in die Saison starten.

So schaut die neue Bundesliga-Tabelle aus:

Tabelle
1. Red Bull Salzburg 11 7 4 0 35:10 25 25
2. SV Ried 11 5 4 2 20:17 3 19
3. SV Grödig 11 5 2 4 26:24 2 17
4. Rapid Wien 11 4 4 3 19:12 7 16
5. Austria Wien 11 4 3 4 21:17 4 15
6. SK Sturm Graz 11 4 3 4 16:17 -1 15
7. SC Wr. Neustadt 11 3 3 5 16:31 -15 12
8. WAC 11 2 4 5 19:24 -5 10
9. Wacker Innsbruck 11 1 7 3 16:21 -5 10
10. FC Admira 11 2 2 7 11:26 -15 0

Knaller: "Unverständlich, unbegreiflich"

Admira-Trainer Walter Knaller traf die Nachricht am Montagnachmittag während des Mannschaftstrainings "völlig aus heiterem Himmel. Es hat keinerlei Andeutungen gegeben", erklärte der 55-jährige Kärntner im Gespräch mit der APA. "Unverständlich, unbegreiflich", lauteten die ersten Reaktionen des Chefcoaches der Niederösterreicher. Knaller hofft nun natürlich, dass über den Weg des Einspruchs die Strafe reduziert wird.

"Momentan sind wir schon traurig, denn wir sind sportlich gut unterwegs und in den vergangenen Wochen immer besser geworden", meinte Knaller, der aber optimistisch hinzufügte: "Ich gehe davon aus, dass einiges aufgeklärt wird und es in der Berufung eine Besserung gibt. Wir müssen abwarten, wie tragisch es dann wirklich wird."

Die Admira-Kicker müssen nun rasch wieder den Kopf freibekommen, denn bereits am Samstag wartet das Heimmatch gegen Grödig. "Wir müssen Charakter zeigen. Ich gehe davon aus, dass sich vom Zugang und Einsatz der Spieler nichts ändern wird. Das war eine Entscheidung auf dem grünen Tisch. Wir sind für die Leistungen auf dem grünen Rasen verantwortlich", sagte Knaller.

Sollte das Urteil aufrecht bleiben, würde es aber laut Knaller wohl den Verlust der Klassenzugehörigkeit bedeuten. Knallers Nachsatz: "Aber ich habe im Fußball schon sehr viel erlebt."

Vor Saison 2003/04: Senat 5 (erste Instanz) - verweigerte Lizenz: SV Salzburg, SW Bregenz (beide Bundesliga) bzw. SV Wörgl, SV Bad Bleiberg, LASK, DSV Leoben (alle zweite Spielklasse)

Protestkomitee (zweite Instanz) - verweigerte Lizenz: LASK, DSV Leoben

Schiedsgericht (dritte und letzte Instanz): Alle Lizenzen erteilt

Vor Saison 2004/05: Senat 5 - verweigert: SV Salzburg, Admira Wacker bzw. SV Wörgl

Protestkomitee: Alle Lizenzen erteilt

Vor Saison 2005/06: Senat 5 - verweigert: Admira Wacker, SW Bregenz bzw. SV Wörgl, SC Untersiebenbrunn

Protestkomitee - verweigert: SW Bregenz bzw. SV Wörgl, SC Untersiebenbrunn

Schiedsgericht - verweigert: SW Bregenz bzw. SV Wörgl; Untersiebenbrunn verzichtete

Vor Saison 2006/07: Senat 5 - verweigert: Sturm Graz, GAK, Admira Mödling bzw. SV Schwanenstadt

Protestkomitee - verweigert: Admira Mödling

Schiedsgericht: Alle Lizenzen erteilt

Vor Saison 2007/08: Senat 5 - verweigert: Rapid, Austria, GAK, Wacker Tirol bzw. Admira Mödling, DSV Leoben, FC Kärnten, FC Gratkorn

Protestkomitee - verweigert: GAK bzw. Admira Mödling

Schiedsgericht - verweigert: GAK bzw. Admira Mödling

Vor Saison 2008/09: Senat 5 - verweigert: Austria Kärnten bzw. FC Kärnten, SV Bad Aussee

Protestkomitee - verweigert: FC Kärnten, SV Bad Aussee

Schiedsgericht - verweigert: FC Kärnten, SV Bad Aussee

Vor Saison 2009/10: Senat 5 - verweigert: Austria Kärnten bzw. FC Gratkorn, Admira, FC Vöcklabruck, FC Lustenau

Protestkomitee - verweigert: FC Vöcklabruck, Vöcklabruck verzichtete auf Gang vor Schiedsgericht

Vor Saison 2010/11: Senat 5 - verweigert: Austria Kärnten bzw. FC Dornbirn, FC Lustenau

Protestkomitee - verweigert: Austria Kärnten bzw. FC Dornbirn

Schiedsgericht - verweigert: Austria Kärnten; Dornbirn verzichtete

Vor Saison 2011/12: Senat 5 - verweigert: Wacker Innsbruck, LASK bzw. FC Admira, FC Lustenau

Protestkomitee: Alle Lizenzen erteilt

Vor Saison 2012/13: Senat 5 - verweigert: keine bzw. LASK

Protestkomitee - verweigert: LASK

Schiedsgericht - verweigert: LASK

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