Schauplatz Bukarest. Hier spielt Österreich zwei Mal

© EPA/ROBERT GHEMENT

Sport Fußball
04/08/2021

Alles für die Show: Die UEFA und ihr riskanter EM-Plan mit Fans

Wie die UEFA das Turnier mit Fans austragen will und wo es deshalb zu Problemen kommen wird. Auch der ÖFB benötigt bald Antworten.

von Alexander Strecha, Andreas Heidenreich

In neun Wochen soll die Fußball-Europameisterschaft mit dem Eröffnungsspiel in Rom angepfiffen werden. Und so wie es aussieht, setzt die UEFA auch alles daran, das Turnier trotz Pandemie durchzupeitschen.

UEFA-Chef Aleksander Ceferin befindet sich derzeit auf Werbetour in Sachen EURO. Er klappert die Austragungsorte ab und sorgte zuletzt mit der Aussage für Aufregung, dass nur jene Städte im Spiel bleiben, die eine Zulassung von Zuschauern garantieren könnten. Der europäische Verband praktiziert also ein Angriffspressing, bevor er am 19. und 20. April in Montreux bei der Sitzung des Exekutivkomitees eine finale Entscheidung trifft.

Aktuell könnten sich sowohl Dublin als auch Bilbao aus dem EURO-Spiel nehmen. Angesichts der Bedingungen der Regionalregierung des Baskenlandes seien Spiele vor Publikum in Bilbao undenkbar, teilte etwa der spanische Verband RFEF am Donnerstag mit. Die sieben Forderungen der Behörden seien bis Juni „unmöglich zu erfüllen“, hieß es.

Aufwärmen. Österreichs Team trifft sich am 27. Mai in Bad Tatzmannsdorf zur Vorbereitung auf das Turnier.

Probegalopp. Am 2. Juni testet Österreich in England, am 6. Juni steigt die EURO-Generalprobe in Wien gegen die Slowakei. Danach bezieht man Quartier in Seefeld.

Anpfiff. In der Vorrunde trifft Österreich am 13. Juni  in Bukarest auf Nordmazedonien, am 17. Juni in Amsterdam auf die Niederlande  und am 21. Juni in Bukarest auf die Ukraine.

Zu den Bedingungen zählt, dass bis zum 14. Juni mindestens 60 Prozent der Bevölkerung des Baskenlandes sowie ganz Spaniens geimpft sein müssten. Ebenso nicht zu erfüllen scheint die Forderung, dass im Juni höchstens zwei Prozent der Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt sein dürften. „Das alles wird dazu führen, dass es in Bilbao kein Publikum geben wird“, schreibt der spanische Verband.

Sowohl aus den Gruppen-Spielorten Österreichs in Bukarest und Amsterdam als auch aus Glasgow erhielt die UEFA konkrete Zusagen.

Einen negativen Test und eine günstige Pandemie-Lage vorausgesetzt, sollen etwa in der Amsterdamer Johan Cruijff Arena bis zu 12.000 Fans zugelassen werden. Das Nationalstadion in Bukarest soll 13.000 Fans aufnehmen.

Auch London, St. Petersburg, Kopenhagen und Rom hatten bereits ihre Bereitschaft mitgeteilt, vor Publikum spielen zu lassen. Im Londoner Wembley-Stadion, in dem am 11. Juli das Finale gespielt werden soll, stellt Englands Sportminister Oliver Dowden beim Fassungsvermögen von 90.000 aktuell 10.000 Fans für die drei geplanten Gruppenspiele in Aussicht. Diese Zahl soll in der K.-o.-Phase „substanziell“ erhöht werden. Neben dem Endspiel steigen auch ein Achtelfinale und beide Halbfinali in der größten Arena. Entspannter sieht man die Lage in Dänemark, wo in Kopenhagen 12.000 Fans in die 38.065 Plätze fassende Arena kommen sollen.

UEFA EURO 2020 postponed for a year

Ceferin traf Söder

Rund um das Champions-League-Spiel der Bayern gegen Paris St-Germain am Mittwoch traf sich Ceferin zu einer Unterredung mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. In München sollen die drei Gruppenspiele Deutschlands stattfinden. Ceferin sprach von einem guten Gespräch. „Und ich bin mir auch sicher, dass der Ministerpräsident bemüht ist, dass die EM dort stattfinden wird.“

München hatte noch vor Kurzem offiziell mitgeteilt, „weiterhin mit verschiedenen Szenarien, was mögliche Zuschauer im Stadion betrifft“ zu planen. Allerdings: Skepsis kommt ausgerechnet von Fan-Seite. Die Rückkehr von Zusehern in die Stadien ist nach Meinung von Bayern-Fanclubchef Alexander Fischer derzeit aufgrund der angespannten Corona-Situation überhaupt nicht vertretbar. „Angesichts der aktuellen Impfquote halte ich es für einen absoluten Irrsinn, würde man das machen.“

Ein positives Signal kommt indes von Hygiene-Experte Florian Kainzinger. Der Gesundheitsökonom ist Mitglied der Corona-Task-Force der Deutschen Fußball-Liga und war federführend beim Hygienekonzept der deutschen Basketball-Liga, einem Indoor-Bewerb. Bezüglich des Spielortes München sagt er: „Es geht unter anderem um die Frage: Können Geimpfte auch ohne Tests rein – was ich sehr unterstütze. Dazu kommt ja, dass wir bis Sommer noch einmal etwa 20 bis 30 weitere Prozent in der Bevölkerung geimpft haben werden.“

Der Österreichische Fußball-Bund wartet noch zu. Geschäftsführer Bernhard Neuhold: „Es ist uns bekannt, dass die Austragungsorte bis Ende der Woche eine konkrete Rückmeldung an die UEFA geben müssen.“

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Auch der ÖFB benötigt bald Antworten auf die Zuschauerfrage, vor allem, wenn nicht nur lokale Fans zugelassen sind. „Dann ist interessant zu wissen, welches Kontingent bekommen wir, wie teilen wir das auf.“ Treue Fans und Sponsoren könnten den Vorzug erhalten, der ÖFB müsste sich um die Organisation kümmern. „Aber es würde definitiv anders sein als in der Vergangenheit.“

Interessant auch für Reisende ist, welche Einreisebestimmungen in jedem einzelnen Land im Juni herrschen werden. Aktuell gilt für Rumänien bei der Einreise noch eine 14-tägige Quarantäne. Selbst mit negativem Test. Ein Ding der Unmöglichkeit, wenn Fußballspiele vor Fans aus dem Ausland ausgetragen werden sollen.

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