FBL-EUR-C3-FRANKFURT-SALZBURG

© APA/AFP/DANIEL ROLAND / DANIEL ROLAND

Analyse
02/21/2020

1:4! Warum Salzburg in Frankfurt in ein Debakel schlitterte

Die klare Niederlage im Hinspiel des Sechzehntelfinales der Europa League hatte sich schon im Vorfeld angekündigt.

von Stephan Blumenschein

Die beiden Hoffenheim-Spieler Munas Dabbur und Diadie Samassekou trauten in der Commerzbank-Arena am Donnerstagabend wohl ihren Augen nicht, als sie von der Haupttribüne mitansehen mussten, wie ihre ehemaligen Salzburger Kollegen bei Eintracht Frankfurt im Hinspiel des Sechzehntelfinales der Europa League mit 1:4 untergingen.

Im Herbst hatte Österreichs Meister noch in der Champions League europaweit mit einer mutigen und couragierten Spielweise für Aufsehen gesorgt, nicht einmal ein halbes Jahr später war die Mannschaft von Trainer Jesse Marsch für den aktuell Tabellenzehnten der deutschen Bundesliga zu schwach.

Wie ist das möglich? Warum präsentierten die Salzburger so schwach? Der KURIER hat sieben Gründe für ein Debakel gefunden, das wohl gar nicht so unerwartet gekommen ist wie viele glauben ...

  • Defensivschwäche

"Ich persönlich finde, wir bekommen zu viele Gegentore", meinte Torhüter Cican Stankovic nach dem Debakel in Frankfurt. Egal, ob Trainer Jesse Marsch eine Dreier- oder Viererkette aufbietet, die Abwehr wackelt. Neu ist die Defensivschwäche aber nicht. Schon im Herbst hatten die Gegner viel zu viele Chancen, Salzburg oft das nötige Glück - etwa in Neapel. Da hätte Österreichs Meister beim 1:1 in der Champions League noch deutlich mehr Treffer kassieren müssen als in Frankfurt.

  • Naivität

Schon am vergangenen Freitag nach der 2:3-Niederlage gegen den LASK hatte sich Marsch über zwei Gegentore direkt nach Einwürfen geärgert. Dass in Frankfurt just das 0:1 wieder nach einem Outeinwurf des Gegners fiel, ärgerte den US-Amerikaner noch mehr. "Das ist ganz schlecht. Das darf nicht passieren", meinte der Salzburger Trainer. Seine Mannschaft verteidigte auch in Frankfurt mit einer schier grenzenlosen Naivität, war auch im Kopf viel zu langsam. Von Ordnung war überhaupt nichts zu sehen, Frankfurt war clever genug, um das mit schnellen Einwürfen auszunützen.  

  • Personalmangel

Dass mit Patrick Farkas ein Spieler, der erst Ende Oktober einen Schlaganfall gehabt hatte, auch im zweiten Spiel einer englischen Woche durchspielen musste, beweist nur wie dünn die Salzburger Personaldecke in der Defensive ist. Wenn dann ein Stammspieler wie Kristensen wochenlang ausfällt, dann wird es schon eng. Obwohl mit Pongracic, Van der Werff und Ludewig drei Abwehrspieler im Jänner abgegeben wurden, wurden nur Offensivspieler verpflichtet, obwohl an einigen Defensivpositionen dringend Handlungsbedarf bestanden hätte.

  • Führungsvakuum

Salzburg schlitterte in Frankfurt wie ein kopfloser Haufen in das 1:4-Debakel, das noch wesentlich höher ausfallen hätte können, wenn die Eintracht nach ihrem vierten Tor nicht eine Reihe toller Möglichkeiten vergeben hätte. Kein Salzburger Feldspieler wehrte sich gegen die Niederlage, alle ergaben sich ihrem Schicksal. Routinier Junuzovic kann man mangelnden Einsatz natürlich nicht vorwerfen, aber sowohl gegen den LASK als auch gegen Frankfurt war auch er in jenen Phasen, in denen die Mannschaft seine Hife besonders gebraucht hätte, nicht existent.

  • Ratlosigkeit

„Ich weiß nicht, warum die Leistung so schlecht gewesen ist." Wenn ein Trainer nach einem Spiel so eine Aussage tätigt, ist das ein Zeichen, dass Feuer am Dach ist. Jesse Marsch wirkte in der Pressekonferenz nach dem Hinspiel im Europa-League-Sechzehntelfinale richtig ratlos. Der US-Amerikaner wird mit seiner Mannschaft aber schnell wieder die Spur finden müssen. In der Bundesliga gibt es mit dem LASK einen mehr als ernstzunehmenden Gegner, der noch dazu Anfang März im Cup-Semifinale in der Red-Bull-Arena gastiert. Und eine Saison ohne Titel wäre bei den Ansprüchen der Salzburger eine mittlere Katastrophe.

  • Vogel-Strauß-Politik

Vieles, was jetzt passiert, hatte sich schon im Herbst angekündigt. Die Leistungskurve zeigte nach einem perfekten Sommer klar nach unten. Wahrgenommen hat das aber kaum jemand - auch im Verein nicht. Das Wichtigste sei, dass man wieder gut aufgestellt sei und sehr gut dastehe, hatte Sportchef Christoph Freund noch vor dem Frühjahrsstart gemeint. Nach dem Debakel in Frankfurt hörte sich das ganz anders an. Freund kritisierte die Mannschaft und meinte sogar, dass ihm klar gewesen wäre, dass so eine Phase einmal kommen würde. Warum der Verein sich darauf nicht besser vorbereitet hat, bleibt aber ein Rätsel.

  • Spielpraxis

„Uns ist vielleicht auch zugutegekommen, dass Salzburg in diesem Jahr erst zwei Pflichtspiele in den Beinen hatte“, meinte Frankfurt-Trainer Adi Hütter nach dem 4:1. Während seine Mannschaft nach einer viel kürzeren Winterpause schon seit einem guten Monat in der deutschen Bundesliga gefordert wurde, hatten die Salzburger mit dem Duell gegen den LASK erst ein ernstzunehmendes Spiel in diesem Jahr. Die Eintracht nutzte diesen Vorteil aber auch perfekt aus. Hütter sprach von der besten Leistung seiner Mannschaft in dieser Saison.

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